Florian Kohfeldt war weit davon entfernt, die Dinge nach vier Spielen ohne Sieg schönzureden. „Wenn wir Düsseldorf, Paderborn und Nürnberg nehmen, dann sind das drei ausgeglichene Spiele gewesen. Und am Ende haben wir aus drei ausgeglichenen Spielen einen Punkt“, konstatiert der Coach des SV Darmstadt 98 nach dem 0:1 beim 1. FC Nürnberg. Auch wenn er die für eine ruhige Entwicklung plädiere, bedeute das nicht, unkritisch zu sein. Folgende drei Punkte nannte er explizit als verbesserungswürdig:
1. Fehlende Gier
„In den vergangenen drei Spielen hatten wir in den kleinen Momenten nicht diese Aufmerksamkeit, wie wir sie schon in anderen Phasen hatten“, sagte er. Ein Gegentor wie in Nürnberg dürfe man nicht bekommen. „Du darfst die Flanke nicht zulassen, und du darfst die innere Linie nicht verlieren“, sagte er. Auch gegen Paderborn hätte man den Standard und das daraus resultierende Tor nicht bekommen dürfen. Und in Düsseldorf hätte sein Team insbesondere das zweite Tor nicht bekommen dürfen. „Das sind Dinge, bei denen ich sage: Jungs, vergesst nicht, dass es im Fußball mehr als Taktik und Technik gibt. Es geht auch um Aufmerksamkeit, Gier. Das kommt nicht von allein, schon mal gar nicht in dieser Liga. Und deshalb müssen wir mit Ruhe weitergehen, aber den Finger auch ein bisschen in die Wunde legen.“
2. Zu kompliziert
Aus Kohfeldts Sicht sind die Grundparameter des Lilien-Spiels nach wie vor in Ordnung. Das sei die Art, wie sein Team verteidige und wie es sich im Angriff positioniere. Manchmal wäre jedoch der einfache tiefe Ball die beste Lösung – so wie in der Anfangsphase gegen Nürnberg, als Fabian Nürnberger auf diese Weise Killian Corredor bediente. „Damit reißt du den Gegner auf, kriegst auch mal einen Zwischenraum frei“, sagte der Coach. „Aber wir spielen häufig so, dass wir den Ball mit Kombinationsspiel ins Tor tragen wollen.“ Es gehe darum, einen Rhythmus zu finden und dann ins Tempo zu kommen. „Rhythmus schaffen wir, aber dann müssen wir auch zielstrebig werden: Jetzt gehen wir aufs Tor, jetzt kommt die Flanke, jetzt kommt der Abschluss“, sagte er. Dabei verwies er auf eine symptomatische Szene rund zehn Minuten vor Schluss des Nürnberg-Spiels: „Da haben wir mehrfach im Strafraum rumgespielt, bis Luca Marseiler sich endlich ein Herz genommen hat. Das sind die Themen, an denen wir weiter arbeiten müssen.“ Hier fehle auch ein Spieler wie Isac Lidberg, der den direkten Weg zum Tor suche, sagte der Darmstädter Trainer weiter. „Dem ist völlig egal, wie das Tor aussieht. Hauptsache, es ist ein Tor.“
3. Fehlendes Selbstvertrauen
Bei Oscar Vilhelmsson war das fehlende Selbstvertrauen nach langer Verletzungspause deutlich zu spüren, wie Kohfeldt einräumte (siehe auch hier den Lilienblog-Beitrag zu den Personalien). Aber auch Philipp Förster sprach nach dem vierten sieglosen Spiel von fehlendem Selbstvertrauen. Der Coach wollte Förster nicht direkt widersprechen: „Das ist die Aussage eines Spielers, die ich umschreibe mit: Wir treffen nicht die richtigen Entscheidungen, oder: Wir denken über die Entscheidung im letzten Drittel zu sehr nach.“ Wenn er am Montag mit der Mannschaft die Videoanalyse mache, werde er bestimmt 15 bis 20 Szenen finden, bei denen er sagen werde: „Der eine Ball noch, und dann ist es das.“ Gut sei dennoch, dass die Mannschaft trotz der aktuellen Phase mit nicht so guten Ergebnissen in jedem Spiel die Wahrscheinlichkeit gehabt habe zu punkten. „Es muss unser Hauptfokus sein, dass wir diese Wahrscheinlichkeit hochhalten.“
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Bildquellen
- fcn-SVD-2024-25-blog-0030: Arthur Schönbein

