Ins Thema Stadionausbau am Böllenfalltor könnte bald Bewegung kommen. Bei seiner Antrittsrede hatte der neue Präsident Markus Pfitzner angekündigt, man werde Möglichkeiten für einen Ausbau prüfen. Was das genau bedeutet, ist allerdings bislang noch unklar.
Pfitzners Aussage war insofern bemerkenswert, weil über Jahre hinweg – zumindest offiziell – die Kapazität von 17.810 Zuschauern als unverrückbar galt, die das Stadion seit dem Abschluss des Komplettumbaus hat. Selbst als Anfang dieses Jahres die Hans-Kessler-Kurve neu dazukam, änderte das nichts an dieser Zahl, was nur bedeuten kann: Die neu geschaffenen Plätze dort wurden andernorts weggenommen.
Eines der kleinsten Stadien der Liga
Während der SV Darmstadt 98 sportlich derzeit im oberen Drittel der 2. Liga steht, rangiert er mit Blick auf die Stadionkapazität im unteren Drittel. Das ist auch der Preis dafür, dass sich der Verein vor einigen Jahren für den Erhalt des traditionellen Standorts entschieden hat. Weil das Stadion am Rande eines Wohngebiets liegt, scheiterten die ursprünglichen Pläne der Stadt für einen Neubau mit einer höheren Kapazität am Widerstand von Anwohnern.
Im Fokus bei den möglichen Umbauplänen nun: die Südtribüne. Denn während die Haupt- und die Gegentribüne beim Stadionumbau in den vergangenen Jahren neu und massiv gebaut wurden, gibt es dort – ebenso wie auf der Nordseite – noch die überdachten Stahlrohrkonstruktionen, die im Bundesliga-Jahr 2016 errichtet worden waren, um die Auflagen der DFL zu erfüllen. Dabei ist die Süd mit ihren Stehplätzen deutlich niedriger als die gegenüberliegende Sitzplatztribüne. Hier ist also buchstäblich noch Luft nach oben.
Stadiongröße kein Indikator für Erfolg in der Liga
Bei Fragen zum aktuellen Stand und möglichen Optionen hält man sich beim Verein bislang bedeckt. Klar ist jedoch, dass mit einem etwaigen Ausbau der Südtribüne die künftige Kapazität nicht um Tausende von Zuschauern in den Himmel schießen wird. Am Böllenfalltor werden die Optionen auf absehbare Zeit begrenzt bleiben.
Die Frage ist aber auch, ob sich ein deutlich größeres Stadion für die Lilien tatsächlich rechnet, wenn das dann auf Dauer nicht voll wird. Es gibt genug Beispiele – auch aus der näheren Umgebung -, bei denen sich Vereine mit einem zu großen Stadion erst finanziell und dann sportlich ruiniert haben.
Und letztlich ist – zumindest in der 2. Liga – die Stadiongröße auch kein Indikator für Erfolg. Ein Blick auf die Tabelle zeigt, dass bei den aktuellen Top-drei-Teams sowohl die Arenen in Elversberg als auch in Paderborn noch weniger Zuschauer als das Bölle fassen. Und auch Kiel und Fürth hatten es in den vergangenen Jahren mit kleineren Stadien bis in die Bundesliga geschafft.
NLZ: Neues Funktionsgebäude, aber weiterhin nur zwei Spielfelder
Begrenzte Optionen gibt es auch bei einem anderen Infrastruktur-Projekt, das Pfitzner auf der Mitgliederversammlung angekündigt hatte: dem Nachwuchsleistungszentrum (NLZ). Auf dem Gelände an der Kastanienallee entsteht nun ein neues Funktionsgebäude in Modulbauweise. Die Räumlichkeiten für Nachwuchsspieler und Verwaltung lösen die bisherige, ausgesprochen spartanische Containeranlage ab.
Geplanter Baubeginn ist das zweite Quartal 2026. Die Fertigstellung soll noch im Sommer nächsten Jahres erfolgen. Die voraussichtlichen Baukosten werden sich laut Verein auf rund 1,5 Millionen Euro netto belaufen. Dazu kommen noch Ausstattungs- und Baunebenkosten im niedrigen sechsstelligen Bereich. Die Stadt beteiligt sich mit 605.000 Euro, das Land Hessen mit 200.000 Euro und der Landessportbund Hessen mit 19.500 Euro.
Auf dem Foto (v.l.n.r.): Andreas Ewald (Landtagsabgeordneter Bündnis 90/Die Grünen), Max Schimmel (Landtagsabgeordneter CDU), Björn Kopper (Leiter Nachwuchsleistungszentrum Darmstadt 98), Markus Pfitzner (Präsident Darmstadt 98), Prof. Dr. Kristina Sinemus (Digitalministerin Hessen), Hanno Benz (Oberbürgermeister & Sportdezernent Darmstadt), Uwe Kuhl (Bestellter Präsidiumsvertreter Nachwuchsleistungszentrum Darmstadt 98), Bijan Kaffenberger (Landtagsabgeordneter SPD)
Das neue Gebäude soll zeitgemäßere Bedingungen für Spieler, Trainer und Mitarbeitende bieten und den Stellenwert der Nachwuchsarbeit beim SV 98 unterstreichen, sagte Pfitzner bei der Übergabe der Förderbescheide vergangene Woche.
Nicht verändern wird sich dort jedoch zunächst die Zahl der Plätze: Für sämtliche Nachwuchsmannschaften der Lilien stehen gerade zwei Kunstrasenplätze zur Verfügung. Wie das Stadion ist auch das NLZ da im Vergleich zu vielen anderen Profivereinen ziemlich bescheiden.
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Bildquellen
- nlz_2-0345: Handout SV Darmstadt 98
- SVD-s04-pokal2025-26-blog-0061a: Arthur Schönbein
