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Glosse: Das wird groooooß!

Böllen. Fallen. Tore. Glosse, SV Darmstadt 98

Böllen. Fallen. Tore. Glosse, SV Darmstadt 98

Peter Kunz

Der Stadionumbau kommt. Und wie! Lilienblog-Autor Martin Hohmann sind interne Dokumente in die Hände gefallen, die verraten, wie das Bölle vermutlich in der übernächsten Saison aussehen wird. Heißer Stoff für die neue Glosse „Böllen. Fallen. Tore.“.

Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, der macht Entdeckungen. Verrückt, was Menschen alles liegen lassen! Unvergessen die 75.000 Poker-Euro, die Max Kruse in einer Berliner Taxe vergaß – angeblich, weil er so abgelenkt von seiner weiblichen Begleitung war. Noch schöner, wenn auf diesem Weg eigentlich „streng geheime“ Unterlagen publik werden. Unterlagen, die das Zeug haben, ganz Darmstadt wahlweise in Ekstase oder Entsetzen zu stürzen. Oder in beides zugleich.

Worum geht es? Der von Seiten des Vereinspräsidiums bereits sachte angeteaserte Ausbau unseres geliebten Bölles. Neue Aufteilung der Blöcke? Ausweitung der Stadionkapazität auf 20.000, 25.000 oder gar 55.000 Plätze? Die Gerüchteküche brodelt, der Kampf zwischen Pro und Contra wird mit härtesten Bandagen ausgetragen. Dennoch gilt: Nix Genaues weiß mer ned!

Bis jetzt.

Und das kam so: Neulich beim Grohe (wo sonst?), Stammtisch nachmittags um halb drei. Schön leer, abgelesenes, zerfleddertes Echo in der Ecke. Ein Helles bestellt, achtlos zur Zeitung gegriffen, mal schauen was so läuft … Hoppla: Unter der Zeitung und auf den gestapelten Sitzkissen eine Dokumenten-Mappe. Ganz Oldschool das Teil, mit Gummischließe, dunkler, fester Karton, aufgeklebter Laufzettel mit vielen Signaturen, dezent eingeprägte Lilie. Oha! Es ist ja bekannt, dass auch das ein oder andere Mitglied des Lilien-Präsidiums gelegentlich seinen Durst am unteren Ende der Nieder-Ramstädter löscht, bevor es an deren oberem Ende zum Spiel geht. Da wird doch nicht etwa …?

Der Minox-Moment

Klar, dass den Autoren da eine gewisse Neugierde befiel. Vollblut-Journalisten, wie sie für den Lilienblog üblicherweise schreiben, wittern immer den nächsten Scoop! Was tun? Erstmal ruhig bleiben, dann einen dringenden Toiletten-Gang vortäuschen (nach einem halben Hellen, nee, is klar!) und mit der ins Echo eingewickelten Mappe ins Porzellan-Kabinett verschwinden. Leere Kabine, nochmal geschaut ob links und rechts niemand spioniert, reingehuscht, abgeschlossen, hingesetzt, aufgeblättert … und nicht nur Bauklötze gestaunt, sondern gleich ganze Betonquader. „Bölle-Ausbau 26/27 – Projektskizze. Nur für den internen Gebrauch“. WOAHHHHH!

Ich will euch nicht auf die Folter spannen. Habe schnell die Seiten mit der MINOX-App auf meinem Handy fotografiert, alles wieder zurückgelegt und so getan, als wär’ nix – auch wenn’s schwerfiel.

Hier also die echten, wahren, harten Fakten zum Böllenfalltor der Zukunft.

Mehr Kapazität!

  1. Stadionkapazität. Weil’s das am heißesten diskutierte Thema ist, hier an erster Position und in aller Kürze: Der Stadion-Ausbau kommt! Und wie! Angedacht ist, die Hans-Kessler-Kurve von 28 auf 30 Plätze aufzustocken. Planfeststellungsverfahren läuft, aber die Verantwortlichen sind zuversichtlich, dass das dank der entsprechenden Connections ins Bauamt „durchgeht“. Damit stiege aber die offizielle Zuschauerzahl auf 17.812 und das ist eine doofe Zahl. Deshalb werden auf der Ecke zwischen GG und Süd die Sichtblenden an den Gittern wieder abmontiert und nochmal offiziell 38 Stehplätze an dieser Stelle markiert. Arbeitstitel: „Kibitz-Kurve“. Diese Plätze werden – wegen Sichtbeschränkung – für 4,50 EUR und ausschließlich an der Tageskasse angeboten.
  2. Materiallager der Ultras hinter der Süd: Bekommt einen festen Bau (statt Container) und wird deutlich größer. Damit wird der absehbar noch weiter steigenden Nachfrage nach Pyro und Choreo Rechnung getragen.

Mehr Spaß!

  1. Gästeblock / Trennung zu Heimblöcken: Hier steht eine kleine aber feine Baumaßnahme an, auf die ich mich aus verschiedenen Gründen besonders freue. Die Acryl-Absperrung zwischen G3 und X1 sowie Y/G3 und Y/O4 wird von gefühlt 2,50 auf 7 Meter erhöht. Zugleich werden zwei zusätzliche Videokameras fest installiert, die genau den Gästebereich in der Nähe dieser erhöhten Absperrung ins Visier nehmen. Das wird geil! Klar ist: Kein Gästefan wird es sich nehmen lassen, seinen Frust über ein weiteres tolles Lilientor dadurch abzureagieren, dass er versucht, die Lilienfans in G3 und O4 mit halb ausgetrunkenen Bierbechern zu bewerfen. Bei der bisherigen Höhe der Acrylwand ist das problemlos möglich und allgemein akzeptierter Ritus. Und natürlich werden unsere werten Gäste in ihrem Tran auch dann Becher werfen, wenn die Wand bedeutend höher ist. Die Folgen sind abzusehen: Weil der Wurfwinkel deutlich steiler ausfällt, bekommen sie ihre Becher nicht mehr über das Konstrukt drübergeschmissen. Ergo: Die werden sich reihenweise selbst duschen. Und jetzt kommen die Kameras ins Spiel: Die filmen das alles und in der Halbzeitpause werden die schönsten Szenen über die Videoscreens eingespielt – sowohl in Echtgeschwindigkeit als auch in Slomo und Super-Slomo. Das kann man sich gar nicht süffig genug ausmalen. Möglicherweise wird dieser Zusammenschnitt dann von Krombacher präsentiert und den Kastenkick ersetzen.
  2. Stadiongastronomie / Catering / Bier: An allen Bierausgaben hinter der GG werden Leit-Geländer installiert, um das Anstehen zu ordnen und zu verbessern. Insbesondere aber auch, um für die Sitz-Blöcke A und O2-O4 Fast-Lanes einrichten zu können. Dadurch kommen die teureren Plätze schneller an ihr Bier, was nur recht und billig ist. Dafür aber werden in G1 bis G3 endlich die in vielen anderen Stadien bewährten Bier-Träger eingesetzt: 30 Liter-Rucksack auf dem Rücken, Zapfschlauch in der Hand, Fähnchen auf dem Kanister. Erstens wird dadurch auch der Andrang auf die „normalen“ Bierschlangen hinter GG reduziert, zweitens dürfen wir uns auf das Schauspiel freuen, wie sich die Bierträger durch die ohnehin schon dichten Reihen auf der GG quälen. Aber nun ja: Wenn der Prophet nicht zum Bier kommt …

Mehr Gastfreundschaft!

  1. Gästeblock / Gästetoiletten: Hochwertigere Armaturen, weicheres Klopapier, Ambient-Beschallung (Zauber der Panflöte, Walgesänge etc.), zudem bei den Damen Bidets sowie jeweils in den Farben des Gästevereins gebrandete Kosmetik-Sets. Der Plan ist es, durch eine offensivere Welcome-Kultur den Kategorie-C-Fans der Gegner von Vornherein den Wind aus den Segeln zu nehmen, sie zu besänftigen und dadurch drohenden Sachschäden in diesem Bereich (Dresden!!!) vorzubeugen.
  2. Auslass nach Spielende: Die Tore auf der Lilien-Schänke-Seite bleiben jetzt komplett geschlossen, der Auslass findet ausschließlich durch das eine Türchen neben dem alten Kassenhäuschen statt. Vereinzelung ist nun also auch beim Auslass das Stichwort. So kann der Sicherheitsdienst eine verlässliche Strichliste führen, ob genau soviele Fans das Stadion an dieser Stelle verlassen, wie sie es betreten haben. Vom voraussichtlichen Rückstau bis weit hinter die Süd versprechen sich die Catering-Stände in dem Bereich bedeutende Mehreinnahmen.
  3. Dugena-Uhr: Kommt endlich dahin, wo sie jederzeit von jedem in ihrer ganzen Schönheit gesehen werden kann und zwar entweder über den Video-Screen zwischen N und Gästeblock oder mittig auf die vordere Kante des N-Daches. Damit nähme sie wieder die zentrale Position ein, die sie zuvor in der Kurve zum Hochschulstadion innehatte. Ist ja auch kein Zustand, da über der Fressbude in der Hans-Kessler-Kurve, zurückgesetzt und meist nur in Teilen sichtbar.

Mehr Licht!

  1. Sonne: Die bisherige Beleuchtung an den vier Masten wird ausgetauscht: Jeder Mast erhält nur noch einen großen runden Scheinwerfer, der mit deutlich wärmerem Licht den gleichen Lux-Wert wie bisher erreicht. Je nach Jahreszeit wechseln sich die Flutlichtmasten in ihrer Simulation des Zentralgestirns ab. Die Sonne wird dann immer scheinen am Bölle, IMMER!

Hier schließt das Geheimpapier, aber der Impact ist natürlich immens. Das muss man erstmal sacken lassen, oder? Wer bisher glaubte, unser Bölle sei nur ein schnödes Fußball-Schatzkästlein, der wird neue Worte finden müssen, für das, was da kommt. Aber noch ist’s ja ein bisschen hin bis zu dem Tag, an dem wir dereinst mit glänzenden Augen unser Fußball-Mekka erstmals nach diesem wegweisenden Umbau betreten werden – und uns dann vielleicht die eine oder andere Träne der Rührung über die Wange läuft. Soviel Schönheit, soviel Stimmung, soviel Stadion. Schnief!

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Bildquellen

  • BoellenFallenTore: DanyelDahlkamp
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