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Für den Erfolg des Vereins müsse man auch harte Entscheidungen treffen, sagt Sportdirektor Paul Fernie. Im ersten Teil des großen Lilienblog-Interviews erläutert der 38 Jahre alte Engländer die Hintergründe der kürzlich erfolgten Trennung von Michael Stegmayer, dem Leiter Organisation Lizenzspielerabteilung. Die Stelle werde ebenso nachbesetzt wie die Leitung des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ), auf das Fernie große Hoffnungen setzt. Dem Eindruck, dass es junge Spieler es bei Trainer Florian Kohfeldt schwerer haben, widerspricht er entschieden. 

Paul, das Jahr geht zu Ende. Was waren aus Sicht des Sportdirektors die zentralen Themen?

Wir haben in der vergangenen Saison unsere Aufs und Abs gehabt, vor allem wegen der Verletzungen. Die Spielerverfügbarkeit war ein großes Thema. Da haben wir im Sommer nachgebessert mit Blick auf die Abteilungen Performance, Athletik und Physio. Wichtig ist dabei unser Athlete Management System (AMS), wo wir die Daten der Spieler einspeisen, damit alle Beteiligten bei der Entwicklung der Spieler auf dem gleichen Stand sind. Im bisherigen Saisonverlauf haben wir eine Spielerverfügbarkeit von 89 Prozent an den Spieltagen. Da hat Florian Kohfeldt jetzt manchmal positive Kopfschmerzen, weil er so viele Spieler zur Verfügung hat.

Du hast die Umstellungen im Staff erwähnt. Der Verein hat sich in diesem Jahr von langjährigen Mitarbeitern wie Kai Peter Schmitz, Dimo Wache und zuletzt Michael Stegmayer getrennt. Sind die Lilien noch so familiär, wie sie sich gerne nach außen geben?

Wir reden von drei sehr unterschiedlichen Fällen. Eine Trennung ist nie schön, vor allem, wenn es ein so langjähriger Mitarbeiter ist wie Michael Stegmayer. Aber die Performance ist entscheidend, auch wenn das Herz etwas anderes sagt. Solche schwierigen Entscheidungen gehören dazu, um weiterzukommen – im Sinne von Mannschaft, Verein und der Zukunft.

Anders als bei Schmitz und Wache kam die Trennung bei Stegmayer für ihn und viele Beobachter aus heiterem Himmel. Hätte das so kurz vor Weihnachten sein müssen?

Es gibt keinen richtigen Zeitpunkt. Wir haben uns viele Gedanken darüber gemacht und dann in der Woche vor dem Münster-Spiel das finale Gespräch mit Stegi gesucht und ihm mitgeteilt, dass wir uns in der Organisationsstruktur nach der Saison neu aufstellen werden. Im Nachgang des Gesprächs war für beide Seite klar, dass es keinen Sinn hat weiterzumachen.

Wird der Posten neu besetzt?

Ja – und hoffentlich so schnell wie möglich. Wir führen Gespräche. Mehr kann ich nicht dazu sagen, denn das sind zum Teil auch Leute, die noch gebunden sind.

Apropos offene Personalien: Wann gibt es bei der Sportlichen Leitung des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) eine Nachfolge für Björn Müller, der zu Hertha BSC gegangen ist?

Wir sind noch auf der Suche und führen ebenfalls Gespräche. Wir haben relativ viele Bewerbungen bekommen, aber wir nehmen uns Zeit, um den Richtigen zu finden. Wir sehen eine Riesenchance, dass das NLZ mit dem passenden Sportlichen Leiter in den nächsten Jahren nochmal einen Schritt macht. Natürlich steht die Spielerentwicklung in diesen Überlegungen an vorderster Stelle und damit die Hoffnung, den nächsten Clemens Riedel zu finden. Aber es gibt auch viele andere Themen, die mir wichtig sind. In den vergangenen zwölf Monaten haben wir beispielsweise drei Mitarbeiter aus dem NLZ in den Mitarbeiterstab bei den Profis übernommen. Auch das ist ein Teil einer Entwicklung.

Täuscht der Eindruck, dass es Nachwuchsspieler unter Florian Kohfeldt schwerer haben, zu den Profis zu kommen, als unter Torsten Lieberknecht?

Das würde ich so nicht sagen. Alter ist kein Faktor für Flo. Wer gut genug ist, der ist auch alt genug. Wir haben im Moment einfach große Konkurrenz im Kader und die Spieler performen gut. Aber das heißt nicht, dass das Tor für die Jungen zu ist. Viele sind häufig im Training bei den Profis dabei, Fabio und Otto sammeln auf ihren Leihstationen wichtige Erfahrungen im Herrenbereich. Aber der letzte Schritt ist natürlich der schwerste. Wir tun alles, dass wir das hinkriegen.

Das große Lilienblog-Interview mit Paul Fernie läuft in vier thematisch gegliederten Teilen. Die einzelnen Passagen im Wortlaut:

(Ergänzt in der vorletzten Frage, dass es sich bei Björn Müller um den Sportlichen Leiter des NLZ gehandelt hat, Leiter des NLZ ist weiterhin Björn Kopper)

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Bildquellen

  • IMG_2025-12-26-223633-1: Lauro Meisterjahn

2 Kommentare

  • Katze vom Bosporus sagt:

    Holt man für Stegi einen alten Bekannten oder Weggefährten ??????

  • De Maddin sagt:

    Björn Müller kommt heute in einem Artikel der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zu Wort, der sich um die – aus der Not geboren – mittlerweile sehr ansehlichen neu aufgestellten Nachwuchsarbeit bei der Hertha dreht. Teilweise bis zu 6 Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in der Startaufstellung. Nicht zuletzt dadurch deutlich höhere Identifikation mit dem Verein in der Stadt und ein Zuschauerschnitt von um die 50.000 bei Heimspielen. Das ist für Hertha-Verhältnisse ein riesen Fortschritt. Klar hat ein Verein in einer Stadt mit über 3 Mio. Einwohnern da einen viel größeren Fundus, aus dem er schöpfen kann … aber ein bisschen mehr „eigener Stall“ wäre schon schön. Wäre doch was, wenn wir – inkl. Trainer – in die Richtung etwas mehr Ehrgeiz entwickeln könnten. Andererseits beziffert der Artikel die Quote von Jungs, die es aus einem NLZ in eine 1. BL-Stammelf schaffen auf unter 1% – das macht das Verdienst von HBSC umso größer, auch wenn’s nur 2. BL ist.

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