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Sportdirektor Paul Fernie verrät im zweiten Teil des großen Lilienblog-Interviews, worauf er beim Scouting Wert legt, wie er auf Hiroki Akiyama kam und welche Rolle KI bei allen Erleichterungen aus seiner Sicht niemals übernehmen kann.
Wie sieht dein Fazit des abgelaufenen Jahres bei der Kaderplanung aus?
Anders als im Vorjahr haben wir dieses Jahr keinen XXL-Umbruch gebraucht. Wir haben es geschafft, unsere Leistungsträger zu halten, was für uns Priorität hatte. Ich glaube, von der gesamten Kaderqualität sind wir besser geworden und gleichzeitig haben wir einen Transferüberschuss erzielt.
Gibt es einen Transfer, bei dem du überrascht warst, wie gut der eingeschlagen hat?
Es war schon eine Überraschung, wie schnell Hiroki Akiyama sich adaptiert hat an die deutsche Kultur und den deutschen Fußball. Er war gerade einen Tag hier und hat im Testspiel gegen St. Gallen auf der Sechs mit Kai Klefisch gespielt, als wären beide Brüder. Aber was die Fähigkeiten der anderen Jungs betrifft, haben wir alle Entscheidungen mit Überzeugung getroffen – egal, ob Hiro, Patric Pfeiffer, aber auch Yosuke Furukawa oder Semih Güler. Dieser Kader ist breiter in der Qualität. Wir haben unsere Spielidee weiterentwickelt und sind zugleich flexibler geworden.
Akiyama ist nur ausgeliehen, der Verein hat eine Kaufoption. Wird er die ziehen?
Was Hiroki betrifft, so haben wir nichts Offizielles zu vermelden. Aber es gibt überhaupt keinen Grund, die Option nicht zu ziehen. Das ist keine Frage, ob wir es machen, sondern nur eine Frage der Zeit. Er hat eine unglaubliche Pressing-Resistenz und hat zudem eine Torgefahr entwickelt, die man aus Japan so nicht gekannt hat.
Wie findet man so einen Spieler? Ihr habt ja sicher kein großes Scouting-Netz in Japan und könnt nicht mal ein Wochenende hinfliegen, um euch den Spieler anzusehen?
Bei Hiro ist das eine besondere Geschichte. Als ich 2020 bei Red Bull New York war, haben wir einen brasilianischen Mittelstürmer von Albirex Niigata geholt. Ich habe viele Spiele von Niigata geguckt und da war auch der 19 Jahre alte Hiro im Team. Er und ein, zwei andere sind mir im Kopf geblieben. Und als Andi Müller im Sommer gegangen ist, ist Hiro in unserem Datenprofil für das zentrale Mittelfeld aufgepoppt. Und dann hatten wir ein tolles erstes Gespräch. Er hat versucht, Englisch und Deutsch zu sprechen, viel gelächelt und gezeigt, dass er eine offene Persönlichkeit hat. Das war wichtig.
Muss man einen Spieler noch live sehen bei den technischen Möglichkeiten, die es heute gibt?
Es gibt drei Säulen: Live-Scouting, Data Scouting und Video Scouting. Und wenn die Möglichkeit besteht, muss man versuchen, einen Spieler live zu sehen. Da stehe ich weiter komplett dahinter.
Mit dem Einsatz von KI gibt es ganz neue Möglichkeiten, riesige Video-Mengen auszuwerten. Wie weit nutzen wir KI beim Scouting mittlerweile?
Wir nutzen die KI auf verschiedenen Ebenen. Egal, welchen Beruf du hast, die ist im Moment einfach da. Die Frage ist, für was man sie nutzt, um Zeit zu gewinnen, um effizienter zu sein, um bessere Entscheidungen zu treffen. Ich glaube, jeder sucht derzeit seinen Weg, Sachen zu automatisieren.
Gibt es da etwas, das sich aus deiner Sicht nie automatisieren lässt?
Menschenführung und Menschlichkeit, das Gefühl, für die Dynamik eines Teams und was es in gewissen Momenten braucht. Es reicht eben nicht, dem Coach zu sagen: Wir haben einen geilen Spieler mit Top-Fähigkeiten gefunden, jetzt mach mal. Das wird nicht funktionieren.
Was zeichnet die aktuelle Mannschaft aus?
Wir haben eine super Chemie im Team, die sind jedes Spiel bereit, ihre Leistung abzurufen und kämpfen und rennen füreinander – nicht nur von der Nummer eins bis zur Nummer elf, sondern auch die Einwechselspieler und die, die auch mal nicht im Kader stehen.
Auffällig ist, dass keine Mannschaft nach Rückständen so oft zurückgekommen ist wie Darmstadt…
Die Mannschaft hat eine besondere Art, Rückschläge wegzustecken. „They get over themselves quickly“, sagt man auf Englisch. Das Ego ist einfach an der Seite geparkt und wir machen weiter im Sinne der Mannschaft und dem, was wir erreichen wollen. Wir können uns mit allen Mannschaften der Liga messen. Trotzdem ist es brutal eng. Wir stehen aktuell zu Recht da, wo wir stehen. Aber gleichzeitig, wissen wir, wie schnell es in eine andere Richtung gehen kann. Dafür gibt es genug Beispiele.
Das große Lilienblog-Interview mit Paul Fernie läuft in vier thematisch gegliederten Teilen. Die einzelnen Passagen im Wortlaut:
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Teil 1: Fernie spricht hier (->) über Staff, Strukturen und die Trennung von Michael Stegmayer.
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Teil 2: Hier (->) spricht Fernie über Scouting, Teamgeist und Hiroki Akiyama.
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Teil 3: Welche personellen Pläne Fernie in der Winterpause personell plant, lest ihr hier( ->).
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Teil 4: Was Fernie am deutschen Fußball liebt und wie er zu einer Rückkehr in seine Heimat England steht, erfahrt ihr hier.
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Bildquellen
- 20251218_104702: Lauro Meisterjahn

