Was hat Isac Lidberg? Warum mussten Patric Pfeiffer und Fynn Lakenmacher so früh vom Platz? Wie geht Florian Kohfeldt mit Vorbehalten gegenüber einem Bundesliga-Aufstieg um? Und wie sieht er seinen Anteil am aktuellen Erfolg? Was der Coach des SV Darmstadt 98 nach dem 4:0 über Kaiserslautern jenseits der Kameras gesagt hat, lest ihr hier nach Stichworten:
Der Ausfall von Lidberg
Ich habe mich ja fast schon wieder selbst ein bisschen geschämt, dass ich auf der Pressekonferenz am Freitag gesagt habe, dass wir eine Top-Trainingswoche hatten. Und dann verletzt sich Isac. Ich denke aber, dass wir bei ihm eine Chance haben für das Braunschweig-Spiel und dass er ziemlich sicher beim Düsseldorf-Spiel wieder dabei ist. Es ist wirklich nur eine kleine Verletzung.
Die ersten beiden guten Halbzeiten seit langem
Ich habe nicht doppelt so viel trainiert (lacht, Anm.: Das hatte Kohfeldt am Freitag auf der Pressekonferenz scherzhaft gesagt ->). Eher weniger. Trotz des Ausfalls von Isac habe ich die gesamte Woche eine Ruhe in der Mannschaft gespürt. Wir waren wieder komplett fokussiert auf das Wichtigste, das Spiel. Ob das immer dazu führt, dass du ein Spiel 4:0 gewinnst, weiß ich nicht. Aber ich finde, das ist ein ganz wichtiger Faktor. Und den hatten wir in meiner Wahrnehmung seit dem Münster-Spiel nicht mehr. Da hatten wir viele Themen, nicht nur Verletzte und Kranke. Das haben die Jungs aber sehr selbstkritisch aufgearbeitet. Sie haben heute Morgen (Samstag) noch mal unter sich eine Sitzung gemacht, ohne den Trainer. Ich finde, das ist ein sehr gutes Zeichen. Energie, Zusammenhalt, Körpersprache – das ist wichtiger als Taktik. Das haben wir heute auf den Platz gebracht, und das war der Grund für einen überzeugenden Sieg.
Der Knackpunkt im Spiel
Nach dem 1:0, hatten wir ein, zwei gefährliche Situationen und viele Ecken gegen uns. Das war nicht unsere stärkste Phase. Ich glaube, das 2:0 fällt dann zum richtigen Zeitpunkt. Was mir richtig gut gefallen hat, war unsere zweite Halbzeit, weil wir zwar kontrolliert haben, aber trotzdem immer auch die Idee hatten, nach vorne zu spielen und nicht passiv zu werden, so wie wir es in Paderborn oder in Bochum in der zweiten Halbzeit gemacht haben.
Die Rolle von Kai Klefisch
Wir hatten heute Phasen, in denen wir die Selbstverständlichkeit noch nicht hatten, dieses Gefühl, wir müssen über den Pass nicht mehr nachdenken, sondern wir spielen ihn einfach. Ein positives Beispiel dafür war der Pass kurz vor der Halbzeit von Kai auf Luca. Er führte nicht zum Tor, auch nicht zu einer riesigen Torchance. Aber er spürt den Pass. Und das ist ein wunderbares Gefühl, wenn man draußen zuguckt.
Die Auswechslungen von Lakenmacher und Pfeiffer nach einer guten Stunde
Du kannst trainieren, arbeiten, wie du willst. Ein Zweitligaspiel ist etwas anderes als Spielersatztraining, Training oder Freundschaftsspiele. Ich hätte Fynn trotzdem eher fünf bis zehn Minuten später runtergenommen. Aber wir mussten wegen Paddy wechseln. Er hatte das Gefühl, dass bei ihm etwas in die Muskulatur reinzieht. Zum Glück ist es – Stand jetzt – nichts Dramatisches. Aber ich wollte nicht zwei Wechselfenster verschwenden und es war klar, dass der Wechsel von Fynn kommen musste.
Die Träume vom Aufstieg
Ich freue mich auch, wenn die Süd und die Gegengerade „Spitzenreiter, Spitzenreiter“ singen. Das ist doch toll. Nur verändert das meine Arbeit nicht. Wenn einige Fans sagen, dass sie nicht aufsteigen wollen, kann ich das emotional nachvollziehen – gerade im Rückblick auf das, was hier in der Erstliga-Saison passiert ist. Als Sportler will ich aber natürlich immer das Maximale erreichen. Und das Maximale bedeutet, Woche für Woche Spiele zu gewinnen. Und wenn du das tust, passiert zwangsläufig auch was in der Tabelle.
Das Überperformen des Standorts
Was hier passiert, ist ein maximales Überperformen des Standorts für die 2. Liga. Aber es ist keine Überperformance der Mannschaft oder einzelner Spieler. Es ist die Tatsache, dass diese Mannschaft so zusammengestellt ist, wie sie ist – in allen Parametern: Scouting, Entwicklung von Spielern, auch Rollenspieler zu behalten wie zum Beispiel auch vor der Saison Fabi Holland zu verlängern. Also dieses Stimmige so hinzubekommen – das ist eine Überperformance. Und jetzt haben wir eine Mannschaft, bei der ich schon sage, dass wir das Maximale aus den einzelnen Spielern oder den Mannschaftsleistungen rausziehen wollen. Deshalb ist die Mannschaft sicherlich sehr weit an ihrem Leistungsmaximum an einem Abend wie heute. Aber die grundsätzliche Überperformance ist die Arbeit, die drumherum stattgefunden hat von Paul Fernie und vom Präsidium – nämlich, dass es überhaupt möglich ist, so eine Mannschaft hier in Darmstadt zu haben.
Sein persönliche Anteil am Erfolg
In der Vergangenheit ist mir in solchen Momenten immer wieder angedichtet worden, ich würde solche Dinge mir zuschreiben. Das habe ich aber nie getan. Und ich möchte es explizit noch mal hier sagen: Es geht um die Spieler. Die Spieler sind die Entscheidenden. Kein Trainer der Welt kann einen Spieler entwickeln. Spieler entwickeln sich selbst. Trainer können Rahmenbedingungen schaffen und vielleicht den richtigen Anreiz im richtigen Moment setzen. Deshalb, wenn Sie mir einen Gefallen tun wollen: Lassen Sie mich weitestgehend raus aus der Nummer.
Was Kohfeldt über Fynn Lakenmacher sagt, lest ihr am Sonntagnachmittag hier im Lilienblog.
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Bildquellen
- scp-paderborn-SVD-2025-26-blog-0070: Arthur Schönbein
