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Glosse: Lilie in Rot? Der Praktikant war’s!

Böllen. Fallen. Tore. Glosse, SV Darmstadt 98

Böllen. Fallen. Tore. Glosse, SV Darmstadt 98

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Die Darmstädter SPD plakatiert im Kommunalwahlkampf mit einer Lilie im Motiv. Nicht mit irgendeiner Lilie, sondern mit der Lilie aus dem Logo des SV Darmstadt 98. Und keiner merkt’s. Außer Spitzgligger vom Dienst und Lilienblog-Autor Martin Hohmann, der diese Steilvorlage natürlich in seiner Glosse „Böllen. Fallen. Tore.“ breittreten muss. Nachdem er beim Verein gepetzt und die SPD darüber informiert hat (Den kompletten Sachverhalt gibt es hier ->). 

Es ist Wahlkampf in Darmstadt: Freundliche Kandidaten-Gesichter und mehr oder weniger pointierte Slogans grüßen von jedem Laternenpfahl. Die Kampagne der SPD arbeitet mit flächig rotem Hintergrund und einer dezent farblich abgesetzten Lilie. Klar: Lilie = Darmstadt. Aber Obacht: Kommt uns diese SPD-Lilie nicht bekannt vor? Na sicher doch. Es ist genau die Lilie aus dem Logo der 98er – und die gehört eigentlich nur dem „Spochtverein“, als Teil einer sogenannten „Wort-Bild-Marke“. Hat er sich ja im Rahmen eines „Re-Launches“ (sprich: Neustart) seines Corporate Designs vor einigen Jahren für vermutlich teuer Geld extra gestalten lassen. Jetzt also die Lilie auch in Rot?

Die Werbeagentur ist schuld

So etwas darf in einem professionellen Werbeumfeld eigentlich nicht passieren, denn hier geht’s um Urheberrechte, Lizenzierungen und Markenrechte. Der Lilienblog hat mal nachgefragt, wie es zu dem Patzer kommen konnte. Die SPD und ihr Kandidat Bijan Kaffenberger zeigen sich zerknirscht. Ein „individueller“ und bedauerlicher Fehler der betreuenden Agentur, der auch in der Abstimmung nicht aufgefallen sei. Ab sofort werde diese Lilie auf neuen Werbemitteln nicht mehr verwendet.

Der Verein zeigt sich großherzig: Die SPD sei ja unmittelbar und von sich aus auf den Verein zugekommen und habe Besserung gelobt. Damit ist das Thema vom Tisch.

Wir hätten da noch Fragen

Tja, sowas passiert, doof gelaufen, war nicht bös gemeint, sorry. Kann man so sehen, kann man auch so machen.

Aber wer den Schaden hat, braucht für ein bisschen Spott nicht zu sorgen. Und hier kommt er auch schon, verkleidet in ein paar Fragen.

Frage an die Agentur:

Euer Ernst? Der Autor dieser Zeilen hat selbst 20 Jahre lang in einer Werbeagentur gearbeitet und ahnt, wie das gelaufen ist. Auftrag an den Grafik-Praktikant: „Recherchier mal ein paar gute vektorisierte Lilien-Icons und dann probieren wir ein bisschen rum.“ Gesagt getan. Gibt’s auf Wiki (mit dem Hinweis, dass sie evtl. geschützt ist), kann man sich notfalls auch aus einer PDF ziehen. Die schönste Lilie gewinnt den Pitch, alle sind happy. Und keiner fragt den Praktikanten, woher er sie genommen hat? Nicht die Grafikerin, nicht der Atelier-Leiter, nicht die Projektmanagerin und nicht der Art Director. Hauptsache der Schutzraum um das SPD-Logo bleibt gewahrt, oder was?

Frage an die SPD:

Wie haltet Ihr, Genossen, es denn so mit der Sorgfalt? Immerhin wollt Ihr ja in Regierungsverantwortung kommen bzw. bleiben. Und wie sehr seid Ihr eigentlich in Darmstadt verwurzelt, wenn Euch diese Lilie nicht zumindest irgendwie bekannt vorkommt … und Ihr dann nicht sicherheitshalber doch nochmal bei der Agentur nachfragt?

Frage an den SV Darmstadt 98:

Die Plakate hängen seit 31. Januar. Der Verein hat mehrere Mitarbeiter/innen im Bereich Marketing, Sponsoring, Partnerbetreuung, Recht usw. usw. Alle arbeiten mit der Lilie, verkaufen sie, lizenzieren sie, achten auf die Einhaltung von Verträgen das Logo betreffend. Und alle bewegen sich im öffentlichen Raum, Tag für Tag. Und alle sehen diese Plakate. Und Ihr erkennet die eigene Lilie nicht? Soviel zum Thema Vereins Corporate Design, Einzigartigkeit und Wiedererkennungswert (die vorrangigen Ziele eines jeden CDs).

Schwamm drüber (?)

Es möge sich ein jeder selbst in die Rolle der Gefragten versetzen – und sich ein paar Antworten auf diese Fragen ausdenken. Wir sind gespannt, was dabei herauskommt, behaupten aber: So richtig befriedigend kann das nicht ausfallen.

Derweil wählen wir: Blau! NEEEEEEIN, nicht so! Natürlich den SVD.

Und stimmen unseren ewig sehnsuchtsvollen Gesang an: „Oh Lilien, oh Lilien, oh Lilien …“

PS: Auch andere Parteien machen im Wahlkampf komische Sachen. Warum der FDP-Kandidat Ralf Arnemann mit dem Slogan „Wir rechnen mit Verstand“ vermutlich für finanzielle Solidität werben möchte – und damit ausgerechnet am Datterich-Brunnen posiert, muss sein Geheimnis bleiben. Der Datterich als Garant für einen solide durchgerechneten Haushalt? Mich gruselt’s.

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Bildquellen

  • BoellenFallenTore: DanyelDahlkamp
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