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Vergangene Woche haben wir euch den Spieltag-Erfolgsindex (EI) vorgestellt — eine Kennzahl, die misst, wie wertvoll ein Spieltagergebnis für eine Verein relativ zu den direkten Tabellenrivalen ist. Das 1:1 des SV Darmstadt 98 bei Schlusslicht Magdeburg erwies sich dabei als überraschend positiv: EI +10,6, bester Wert der Top-6-Mannschaften. Einen Spieltag später gab es wieder ein 1:1. Diesmal gegen Tabellenführer Schalke. Klingt respektabel. War auch spielerisch eine bessere Leistung als gegen Magdeburg. Der EI sagt aber: −34,9. Dasselbe Ergebnis innerhalb einer Woche führt vom siebtbesten zum fünftschlechtesten Wert. Wie kann das sein? (Eine ausführliche Erklärung des Erfolgsindex und dessen Grenzen findet ihr hier -> Und zum Tool geht es hier ->).
Der Kontext macht den Unterschied
Letzte Woche war der SV Darmstadt 98 mit einem 1:1 in guter Gesellschaft — fast alle direkten Rivalen patzten, Elversberg verlor sogar. Darmstadt hat nicht gewonnen, aber niemand sonst hat Boden gut gemacht.
Diese Woche sah die Welt anders aus. Während Darmstadt und Schalke sich gegenseitig die Punkte teilten, haben die anderen Vereine im direkten Umfeld fleißig Dreier gesammelt:
- SV 07 Elversberg (Rang 3): 3:1 gegen Bielefeld — EI +25,6
- SC Paderborn (Rang 4): 2:1 gegen Dresden — EI +18,3
- Hannover 96 (Rang 5): 1:0 gegen Braunschweig — EI +14,4
Alle drei direkten Verfolger haben gewonnen. Das 1:1 gegen Schalke war damit nicht nur kein Schritt nach vorne — es war ein Schritt zurück. Der Rivalen-Durchschnitt lag deutlich über dem Darmstädter Score, und der EI der Lilien sackte entsprechend ab.
Das Paradox: Vier Verlierer besser als die Lilien
Hier liegt die vielleicht interessanteste Erkenntnis des Spieltags. In der EI-Tabelle stehen vier Mannschaften besser als Darmstadt — obwohl sie ihre Spiele verloren haben:
| EI-Rang | Mannschaft | Ergebnis | EI |
| 9 | Eintracht Braunschweig | 0:1 ✗ | −5,8 |
| 10 | SpVgg Greuther Fürth | 1:3 ✗ | −8,3 |
| 11 | Dynamo Dresden | 1:2 ✗ | −9,7 |
| 12 | DSC Arminia Bielefeld | 1:3 ✗ | −19,5 |
| 14 | SV Darmstadt 98 | 1:1 − | −34,9 |
Wie ist das möglich? Braunschweig verlor gegen Hannover – aber alle Rivalen von Braunschweig haben ebenfalls schlechte Ergebnisse geholt. Ihre Niederlage war im Abstiegskampf relativ gesehen weniger schmerzhaft, weil das gesamte Umfeld schwach war.
Darmstadt dagegen hat in einem Umfeld gespielt, das rundum gewonnen hat. Ein Unentschieden in dieser Konstellation kann eben schlechter sein, als eine Niederlage im noch schwächen Umfeld.
Schalke: Auch enttäuschend — aber aus anderen Gründen
Für Schalke war das 1:1 ebenfalls kein guter Spieltag: EI −24,5, EI-Rang 13. Auch der Tabellenführer hat schlechter abgeschnitten als seine Rivalen.
Warum ist Schalkes Wert trotzdem besser als Darmstadts? Das liegt an der Randposition: Als Tabellenführer hat Schalke keine Rivalen oberhalb — keiner kann davonziehen, das „Rivalen-Fenster“ geht nur nach unten. Elversberg (Rang 3) liegt damit zwei Plätze entfernt und zählt mit halbem Gewicht. Bei Darmstadt ist Elversberg direkter Nachbar (Rang 3 vs. Rang 2, Abstand 1) und zählt mit vollem Gewicht. Der Elversberg-Sieg hat Darmstadts Rivalen-Durchschnitt also stärker nach unten gezogen, als Schalkes.
Für Schalke reichte das Unentschieden schließlich auch, um Platz 1 zu halten.

Der Spieltag gehörte den Außenseitern
Was auffällt: Die größten EI-Gewinner des Spieltags haben im Abstiegskampf Boden gut gemacht.
Nürnberg (Liga-Rang 10) führt die EI-Tabelle mit +75,6 an. Das 3:0 gegen Kaiserslautern war schon für sich genommen stark. Doch gleichzeitig verloren fünf der sechs Rivalen ihre Spiele, das macht den Spieltag für den FCN so wertvoll und den EI-Wert so außergewöhnlich hoch.
Auch bemerkenswerter: Holstein Kiel (Liga-Rang 17!) auf EI-Rang 3 mit +52,5. Der Abstiegskandidat gewann 3:2 bei Bochum — und weil die anderen Mannschaften im Tabellenkeller schwach spielten, war das der drittwertvollste Spieltag aller 18 Mannschaften und könnte für Kiel ein ganz wichtiger gewesen sein.
Und Magdeburg (Schlusslicht): EI-Rang 4, +40,0, 3:1 gegen Münster. Zwei Wochen in Folge erzielt das Schlusslicht einen stark positiven EI — zuletzt beim 1:1 gegen Darmstadt, diese Woche mit einem klaren Sieg. Magdeburg überperfomt gerade im direkten Vergleich mit den anderen Abstiegskandidaten. Ob das für den Klassenerhalt reicht, ist eine andere Frage.
Am anderen Ende: Kaiserslautern mit −76,6 — der schwächste Wert des Spieltags. Das 0:3 gegen Nürnberg war schon bitter genug. Dass gleichzeitig fast alle Rivalen gewannen, macht es zum statistisch schlechtesten Spieltag aller 18 Mannschaften. Letzte Woche hatte Kaiserslautern noch mit +61,6 den höchsten Wert, jetzt den niedrigsten. Die aktuelle Achterbahnfahrt von Thorsten Lieberknecht und seinem Team zeigt sich also auch im EI-Wert.
Fazit: Gleiches Ergebnis im Ticker, andere Welt
1:1 letzte Woche, 1:1 diese Woche. Für den Ergebnis-Ticker ist das identisch. Für den EI liegen Welten dazwischen: +10,6 versus −34,9, ein Unterschied von fast 46 Punkten auf der EI-Skala — erzeugt allein durch das, was gleichzeitig um Darmstadt herum passiert ist.
Das ist der Kern des Erfolgsindex: Er bewertet nicht das Ergebnis isoliert, sondern den Spieltag relativ zu den Rivalen. Und dieser Spieltag war für die Lilien – trotz eines an sich respektablen Unentschiedens gegen den Tabellenführer – einer zum Vergessen.
Neues Feature im Spieltag-Erfolgsindex: Rivalen nach Punkten statt nach Tabellenplätzen bemessen
Bisher hat der Spieltag-Erfolgsindex die Rivalen eines Vereins anhand der Tabellenplätze bestimmt: Bei einem Fenster von ±3 werden die drei Mannschaften direkt über und die drei direkt unter dem eigenen Rang verglichen – unabhängig davon, wie weit sie punktemäßig entfernt sind.
Das hat einen Haken: Wenn Platz 2 und Platz 3 nur durch die Tordifferenz getrennt sind, ist das ein echter Rivale. Wenn aber zwischen Platz 5 und Platz 6 acht Punkte liegen, sind das eigentlich (aktuell) keine direkten Konkurrenten mehr – das Modell behandelt sie aber gleich.
Die Lilienblog-Leser Udo D. und Sam haben genau das angesprochen, und sie haben recht. Deshalb gibt es jetzt einen zweiten Modus: Rivalen nach Punkteabstand wählen. Dabei werden nicht mehr die nächsten 3 Plätze verglichen, sondern alle Mannschaften, deren aktueller Punktestand maximal 3 Punkte vom eigenen entfernt liegt.
Was ändert sich dadurch?
Für die meisten Mannschaften: nicht viel. In einer engen Tabelle — wie aktuell in der 2. Bundesliga an der Spitze — sind Platz-Nachbarn und Punkte-Nachbarn weitgehend dieselben Vereine. Das EI-Ranking bleibt in diesen Fällen nahezu identisch.
Interessant wird es bei Mannschaften, die punktemäßig isoliert stehen. Ein Beispiel aus dem 27. Spieltag: Hertha BSC liegt mit 41 Punkten deutlich hinter dem Mittelfeld und deutlich vor den hinteren Plätzen. Im Punkte-Modus mit ±3 verbleibt als einziger Rivale der 1. FC Kaiserslautern (40 Punkte). Da Kaiserslautern an diesem Spieltag 0:3 verlor, während Hertha 5:2 gewann, schießt Herthas EI auf +90,0 — ein Extremwert, der im Plätze-Modus durch die größere Zahl an Rivalen abgepuffert wurde.
Das ist kein Fehler des Modells, sondern eine andere Frage: Mit wem konkurriert ein Verein eigentlich wirklich? Wer glaubt, dass Punkte das bessere Maß für echte Rivalität sind, sollte den neuen Modus ausprobieren. Wer die stabilere, weniger volatile Variante bevorzugt, bleibt beim Plätze-Modus. Danke an Udo D. und Sam für die Anregung!
Euer Feedback ist weiter gefragt
Ja, der EI-Wert ist eher was für Datenfreaks — und das ist auch völlig in Ordnung so. Wenn ihr Spaß an so etwas habt und ihr Ideen habt, wie der EI-Wert noch verbessert werden könnte: Schreibt es in die Kommentare. Das Tool ist für alle drei Profiligen frei zugänglich — einfach selbst ausprobieren und nachrechnen.
Und wenn ihr sowas grundsätzlich albern findet: Das akzeptieren wir klaglos. Ihr müsst es uns nicht extra in den Kommentaren mitteilen — wir gehen einfach davon aus, dass ihr dann gechillt weitergescrollt. 😉
Von Lilienblog-Gastautor Moritz Gomm
(aktualisierte Version, Link zum Tool eingefügt)
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Bildquellen
- SVD-s04-2025-26-blog-0074: Arthur Schönbein




Braucht man dafür wirklich eine Statistik um zu erkennen, dass man schlechter wegkommt, wenn die Konkurrenz drei Punkte holt und man selbst nur einen? Schön ist, dass man fünf Spieltage vor Ende der Saison nicht voraussagen kann, wer auf- und absteigen wird. Momentum frisst Statistik zum Frühstück.