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Modernes Torwarttraining, das Spiel mit dem Fuß und die Stärken von Marcel Schuhen, Alexander Brunst und Benedikt Börner – Torwarttrainer Alexander Kynaß hat dem Lilienblog ein langes Interview gegeben. Die Kernaussagen lest ihr im Folgenden nach Stichworten 

Modernes Torwarttraining

Es hat sich viel geändert. Und trotzdem gibt es viele Sachen, die ich vom Torwarttraining aus früheren Zeiten zu schätzen weiß. Wenn man zum Beispiel an Gerry Ehrmann in Kaiserslautern denkt, der eine Ära geprägt hat – da ging es viel um Mindset, sich durchzubeißen, sich zu behaupten, Persönlichkeitsentwicklung, auch wenn es sonst vielleicht andere Schwerpunkte waren. Heute versucht man eher, die Jungs in spielnähere Situationen zu bringen, sodass sie Entscheidungen treffen müssen, dass auch mehr Chaos im Torwarttraining ist. Von einem Dummy prallt der Ball ab, bleibt liegen und du musst vielleicht von Torverteidigung auf Ballangriff oder Eins gegen Eins switchen. Das ist spielnah und deswegen bauen wir diese Variabilität auch ins Training ein. Es geht um kognitive Aktivierung, um Entscheidungsfindung. Aber es gibt auch Trainingseinheiten, da baue ich Sachen von früher ein. Schuh und ich hatten einen Torwarttrainer beim 1. FC Köln – ich habe ihn gekannt, er hat unter ihm trainiert -, der hat viele Turnelemente eingebaut. Das widerspricht womöglich dem modernen Torwarttraining. Aber es ist gut, weil es Körpergefühl entwickelt. Ich habe Bockspringen und Bodenturnen in der Schule gehasst. Aber es gibt dir Körpergefühl – und gerade das fehlt vielen jungen Torhütern.

Abwechslung im Training

Man lernt am besten mit Spaß und wenn es Sinn ergibt! Auch die Jungs möchten Abwechslung. Wenn ich immer das Gleiche mache, egal wie komplex oder modern das ist, dann wird es irgendwann langweilig. Wir haben zum Beispiel eine Torwand, die Bälle abfälscht. Oder breitbeinige Dummies, mit denen du Schüsse durch die Beine simulieren kannst. Damit kannst du hervorragend Chaos simulieren. Es darf jetzt natürlich nicht dieses fancy Instagram-Torwarttraining werden, das auf Follower-Zahlen abzielt, im harmlosen Fall einfach sinnlos ist und manchmal sogar schon an Körperverletzung grenzt.

Marcel Schuhen, VfL Wolfsburg - SV Darmstadt 98

Konkurrenzkampf und klare Rollen – Marcel Schuhen und sein Vertreter Alexander Brunst (links)

Hierarchie unter den Torhütern

Konkurrenz kann dich pushen, kann dich aufs nächste Level bringen. Aber ich mache auch die Erfahrung, dass die Hierarchie jedem hilft, wenn es eine Klarheit in der Rollenverteilung gibt. Ohne dass diese auf ewig in Stein gemeißelt ist. Jeder unterstützt jeden. Ein Teilaspekt davon ist auch, dass du dadurch das Komplextraining viel besser umsetzen kannst, weil du einfach weißt, dass sich die Torhüter die Bälle gegenseitig genauso servieren, wie sie es für sich selbst auch brauchen. Ich habe mal erlebt, dass zwei Torhüter im Konkurrenzkampf sich keinen einzigen Ball gegönnt haben und beim Einschießen lieber absichtlich vorbeigeschossen haben. Das hemmt dich im Torwarttraining. Es funktioniert nur, wenn die sich gegenseitig unterstützen und pushen. Das ist auch bei der Analyse so. Alex gibt seine Meinung dazu, auch Bene. Das ist ein Austausch, eine Diskussion. Am Ende sehen acht Augen mehr als zwei. Darüber findet gerade bei uns die Entwicklung für alle statt. Und das finde ich persönlich viel geiler als unkollegiale Konkurrenz.

Die Rollen der Lilien-Torhüter

Die Chemie in dieser Dreiergruppe mit Schuh, Alex und Bene ist außergewöhnlich. Das findest du so oft nicht, dass sich alle unterstützen und trotzdem Vollgas geben wollen. Für jeden der drei gibt es ein klares Rollenprofil. Danach haben wir auch beispielsweise Bene ausgesucht. Und darum ist auch Alex so immens wichtig, wenn man sieht, wie er auf der Bank mitfiebert, wenn er sich beim Aufwärmen bei den Torschüssen reinzuschmeißt. Ich habe großen Respekt vor Alex, weil er jeden Tag mit einhundert Prozent trainiert. Weil er sich jedes Training volle Kanone reinhaut, macht das auch die anderen besser – nicht nur die Torhüter, sondern auch einen Fraser Hornby oder Isac Lidberg. Von meiner Position aus kann ich ihnen dafür vor allem Wertschätzung zeigen, das ist das Zauberwort für alle drei.

Das Spiel mit dem Fuß

Ein Torhüter muss nicht perfekt beidfüßig sein, aber er sollte zumindest einen guten Fuß haben. Am Ende ist es ja schon eine Waffe, wenn du mit einem Spieler mehr im Aufbau spielen kannst, so wie es bei uns der Fall ist. Ich glaube, dass es sehr wenige Vereine gibt, wo der Torhüter nicht im Spielaufbau involviert ist. Wie stark er involviert ist, hängt am Ende vom Trainer ab und von den fußballerischen Fähigkeiten des Torhüters.

Marcel Schuhen, SV Darmstadt 98 - Fortuna Düsseldorf

„Schuh will halt besser werden, obwohl er 33 ist und schon einiges erreicht hat“

Fußballerische Entwicklung der Keeper

Letztlich liegt es immer am Torhüter selbst, egal wie gut mein Training ist. Wenn sie keinen Bock darauf haben, dann funktioniert es nicht. Und Schuh will halt besser werden, obwohl er 33 ist und schon einiges erreicht hat. Jede Analyse mit den Torhütern hat einen großen Teil Offensivspiel. Wie kann er sich besser positionieren? Wie kann er welchen Raum sehen? Und mit der Bereitschaft, das annehmen zu wollen, fängt es an. Ich würde sagen, dass Schuh ziemlich geil darauf ist, in allen Bereichen besser zu werden. Dazu gehört auch die Bereitschaft, Fehler zu machen, weil Entwicklung nicht nur mit positiven Erlebnissen einhergeht. Er bleibt da für sich selber dran. Ansonsten geht es da auch ums Teamtraining. Die Torhüter sollen viel bei Rondos dabei sein. Da ist ja auch der Vorteil, wenn du einen Cheftrainer wie Flo hast, der will, dass Torhüter im Rondo dabei sind. Zudem ist auch nahezu jedes Torwarttraining mit Ball am Fuß verbunden.

Stärken der Lilien-Torhüter

Bei Schuh ist es vor allem seine Lernbereitschaft, seine Offenheit. Er hat immer den Willen, Grenzen zu verschieben. Dieses Mindset ist eine brutale Stärke. Bei Alex ist es schwerer zu sagen, weil er sehr viel sehr gut macht. Er ist technisch top, es gibt wenig, was er nicht kann. Bene ist für mich ein Spieler, der ein bisschen unterm Radar gelaufen ist, weil er früher vielleicht auch ein paar Erfahrungen gesammelt hat, die er sammeln musste. Eigentlich kann er sehr viel, und es gibt nur wenig, was ihn limitiert. Er hat sich gut entwickelt, muss aber in der Entscheidungsfindung unter Druck noch einen Ticken besser werden. Letztlich komme ich bei den Dreien auf den gemeinsamen Punkt: Sie wollen alle besser werden.

SV Darmstadt 98 - Notts County, Testspiel

„Spieler, die ein bisschen unterm Radar schwimmen“ – wie die Lilien Benedikt Börner fanden. 

Talente für Darmstadt entdecken

Wir müssen mal ehrlich sein: Die absoluten Top-Talente bekommen wir in der Regel in Darmstadt nicht. Deswegen müssen wir andere Wege gehen. Um Spieler zu finden, die ein bisschen unterm Radar schwimmen, brauchst du entsprechende Datenbanken. Man versucht darüber, eine Vorauswahl zu treffen. Bene hatten wir dann sogar im Probetraining, was nicht selbstverständlich ist, aber einen sehr hohen Mehrwert bedeutet. Wir haben Bene sehr lange beobachtet, sowohl in Videos, live vor Ort und hier im Training, wir haben viel mit ihm gesprochen und so ein ganz gutes Bild von ihm bekommen. So findest du dann einen guten, talentierten Torhüter, bei dem vielleicht nicht alle gleich rufen: Den nehmen wir! Ich glaube, das ist die Chance, die wir als Darmstadt haben.

Individuelle Förderung

Es gibt Teile, die machen alle zusammen – zum Beispiel das Warmup oder wenn es für alle gleich relevant ist. Aber ich versuche, das Training trotzdem individuell zu gestalten, weil Alex ist anders als Schuh und Schuh anders als Bene. Mit Schuh und Alex trainieren wir in den letzten Einheiten vor dem Spiel beispielsweise gegnerspezifischer, das Training für Bene ist dann ein wenig anders gestaltet. Deshalb versuche ich, Bene beispielsweise im Spielersatztraining gerecht zu werden. Wenn wir einen freien Tag haben, gehe ich meistens mit Bene auf den Platz. Oft fragt er selbst, ob er an seinem freien Tag trainieren kann. Wir wollen von den Jungs absolutes Engagement, das heißt, ich muss das Engagement auch zeigen. Natürlich coache ich bei Bene nicht das Gleiche wie bei Alex oder bei Schuh. Und ich coache auch bei Schuh etwas anderes als bei Alex. Bei Bene bin ich viel fordernder, viel mehr darauf aus, dass er fokussiert ist. Bei Schuh und Alex brauche ich das nicht zu sagen. Da geht es dann eher darum, immer mal wieder so einen kleinen Tipp am Rande zu geben.

Torwarttrainer statt Jurist – ein Porträt von Alexander Kynaß lest ihr hier (->)  

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Bildquellen

  • wob-SVD-2023-24-blog-0001e: Arthur Schönbein
  • SVD-f95-2025-26-blog-0001: Arthur Schönbein
  • SVD-Notts-2025-26-lilienblog–0034: Arthur Schönbein
  • sgd-SVD-2025-26-blog-0003: Arthur Schönbein

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