Mit der Sperre von einem Spiel wegen unsportlichen Verhaltens ist Patric Pfeiffer für seine Rote Karte im Spiel gegen Elversberg glimpflich davongekommen. Dabei ist der 26 Jahre alte Innenverteidiger mit drei Hinausstellungen in seinen vergangenen 31 Liga-Partien für die Lilien so etwas wie ein Wiederholungstäter. Glimpflich ist diesmal auch die Mannschaft davongekommen. In Unterzahl gelang ihr mit einer begeisternden kämpferischen Leistung noch der Ausgleich zum 3:3. Das war bei Pfeiffers beiden Platzverweisen davor nicht der Fall gewesen.
Die erste Rote Karte im Lilien-Trikot liegt mittlerweile fast drei Jahre zurück und war die folgenschwerste. Am letzten Spieltag der Saison 2022/23 flog Pfeiffer bei der SpVgg Greuther Fürth nach 30 Minuten wegen einer Tätlichkeit vom Platz. Die Lilien, die schon als Aufsteiger feststanden, unterlagen in der Folge mit einem Mann weniger bei hochsommerlichen Temperaturen und mit dem berüchtigten Mallorca-Trip in den Knochen 0:4 und verspielten so die Zweitliga-Meisterschaft.
Pfeiffer wechselte daraufhin zum FC Augsburg, wurde dort aber ebenso wenig glücklich wie bei den Leihen zu Young Boys Bern und zum 1. FC Magdeburg. Zu Saisonbeginn kehrte er ans Bölle zurück. Von Anfang an war er Stammspieler, Trainer Florian Kohfeldt sieht ihn zudem als Führungsspieler, der mittlerweile auch seine Mitspieler coacht. Auch wenn der Abwehrhüne im Umgang mit den Medien extrem zurückhaltend ist – beim Training der Lilien hört man seine lautstarken Kommandos oft schon, bevor man ihn gesehen hat.
Patzer nicht nur im Auftaktspiel
Unterm Strich spielt Pfeifer bislang eine ordentliche Saison, debütierte kürzlich sogar für die Nationalmannschaft von Ghana. Allerdings trüben ein paar dicke Patzer den Gesamteindruck. Gleich im ersten Spiel gegen Bochum verschuldete er mit einer Unaufmerksamkeit das Gegentor. In der Rückrunde unterlief ihm gegen Hertha BSC ein haarsträubender Fehlpass vor dem Führungstor der Berliner. Und gegen Dynamo Dresden musste er – wie gegen Elversberg – kurz vor der Pause mit Rot vom Platz, nachdem er zuvor weggerutscht war. Auch diese Hinausstellung hatte Folgen für das Team: Dresden legte gegen eine unsortierte Lilien-Abwehr mit einem Doppelschlag noch vor dem Halbzeitpfiff den Grundstein für seinen 3:1-Erfolg.
Dabei ist Pfeiffer – klammert man den Blackout bei der Roten Karte gegen Fürth vor drei Jahren aus – kein unsportlicher Spieler. Die beiden Roten Karten erhielt er nicht für böse Fouls, sondern bei vergeblichen Versuchen, als letzter Mann den Ball zu spielen, um einen gegnerischen Angriff zu unterbinden. Beide Aktionen wurden vom DFB-Sportgericht zudem nicht als Notbremsen gewertet. Überhaupt hat Pfeiffer in der laufenden Saison erst zwei Gelbe Karten gesehen – die erste am 27. Spieltag gegen Bielefeld. Durchaus bemerkenswert für einen Innenverteidiger.
Stark in der Spieleröffnung – Patric Pfeiffer
Diagonalpässe wie einst Boateng
Was Pfeiffer zudem auszeichnet, ist seine Spieleröffnung. Seine Diagonalpässe über das halbe Spielfeld müssen sich an guten Tagen nicht hinter denen eines Jerome Boateng in WM-2014-Form verstecken. Seine frühere Torgefahr – in der Aufstiegssaison 2022/23 hatte er fünf Treffer erzielt – ist in dieser Spielzeit bislang allerdings auf der Strecke geblieben. Erst gegen Elversberg gelang ihm sein erstes Saisontor. Wahrscheinlich hätte er gerne darauf verzichtet, wenn er dafür später nicht vom Platz geflogen wäre.
Auf der rechten Innenverteidigerposition ist Pfeiffer bei den Lilien quasi konkurrenzlos. Clemens Riedel verließ den Verein zu Saisonbeginn, Meldin Dreskovic wurde im Winter aus Mangel an Aussicht auf Spielzeit verliehen und der als Ersatz von Bayern München II geholte Grayson Dettoni ist bislang noch ohne Einsatz. Dass der junge Amerikaner nun gleich als Pfeiffer-Vertreter beginnen wird, ist nicht zu erwarten.
Alles spricht dafür, dass Aleksandar Vukotic gegen Karlsruhe in der Innenverteidigung als zweiter Linksfüßler an der Seite von Matej Maglica auflaufen wird. Der Serbe sorgte maßgeblich mit dafür, dass in der Partei gegen Elversberg ein Ruck durch die Mannschaft ging. Nach dem KSC-Spiel hat Pfeiffer seine Sperre abgesessen. Die Chance, dass Vukotic dann in der Mannschaft bleibt, ist eher gering – aber nicht ausgeschlossen.
Euch gefällt der Lilienblog? Dann unterstützt unsere Arbeit hier (->) und fördert so die Medienvielfalt in Südhessen und rund um den SV Darmstadt 98.
Bildquellen
- sgf-SVD2025-26-blog-0043: Arthur Schönbein
- SVD-elv-2025-26-blog-0013: Arthur Schönbein

