Nicolas Verkooijen, Ibrahim El Kadiri und zuletzt Lance Duijvestijn – der SV Darmstadt 98 hat in diesem Sommer gleich drei Spieler aus den Niederlanden geholt. Und es ist kein Zufall, dass die Lilien sich im Nachbarland umsehen. Sportdirektor Paul Fernie erklärte das Interesse beim Trainingsauftakt folgendermaßen: „Wenn du guckst, wie wir Fußball spielen wollen und was wir brauchen, vor allem auf den Offensivpositionen, dann hat Holland dafür spannende Spieler ausgebildet in den letzten Dekaden.“
Lilien-Coach Kohfeldt hatte bereits vor einigen Wochen angekündigt, die Offensive etwas anders auszurichten. Das hängt nicht nur mit dem Abgang des Sturmduos Fraser Hornby (Wolfsburg) und Isac Lidberg (Mönchengladbach) zusammen. Im letzten Viertel der Saison verspielte Darmstadt seine gute Ausgangsposition für einen Bundesliga-Aufstieg auch, weil Luca Marseiler mit einem Kreuzbandriss ausfiel. Ohne den schnellen und trickreichen Flügelspieler war das Offensivspiel der Lilien oft zu statisch und ließ Überraschungsmomente vermissen.
Einer ist kein gebürtiger Niederländer
Dieses Manko soll unter anderem der schnelle und trickreiche El Kadiri (24) beheben. Der in Amsterdam geborene Marokkaner spielte zuletzt beim Zweitligisten De Graafschap. Duijvestijn (27) kam von Sparta Rotterdam. Er erinnert mit seinem etwas kantigen Gesicht ein wenig an Lidberg, ist aber mit seiner Position zwischen Spitze und offensivem Mittelfeld eher der Nachfolger für Hornby. Beim Testspielauftakt am vergangenen Samstag gegen Siebtligist SG Arheilgen (12:0) gelang beiden immerhin ein Treffer.
Der dritte Neuzugang Verkooijen (19) muss sich noch etwas gedulden. Er schlägt sich mit Schulterproblemen herum, soll aber in Kürze voll einsteigen. Um Missverständnissen vorzubeugen: Verkooijen ist kein Niederländer. Aber der belgische U21-Nationalspieler (ein Länderspiel) stammt aus Turnhout nahe der niederländischen Grenze, und spielte seit seiner Kindheit für Mannschaften im Nachbarland – zuletzt im Nachwuchsteam von PSV Eindhoven. Er ist ein Mann für die Zukunft, dem Trainer Florian Kohfeldt die Sechser-, Achter- und Zehnerposition zutraut.
Auch andere Märkte im Blick
Allerdings blicken die Lilien nicht nur auf den niederländischen Markt. „Ich habe gesagt, dass alle Märkte spannend für uns sind. Wir müssen irgendwie unseren Wettbewerbsvorteil finden“, stellte Fernie klar. Vergangene Saison holte man die beiden Japaner Yosuke Furukawa und Hiroki Akiyama, wobei vor allem letzterer voll einschlug und einer der besten Sechser der 2. Liga wurde. Sein Heimatmarkt kommt jedoch aktuell nicht in Frage, wie der Engländer einräumt. Da seien selbst Zweitliga-Spieler für die Lilien nicht finanzierbar.
Auch wenn die Verkäufe von Hornby, Lidberg und zuletzt Paul Will (Greuther Fürth) mehr als acht Millionen Euro in die Kasse spülten – die finanziellen Möglichkeiten des Vereins sind gerade beim Gehaltsgefüge begrenzt. Das zeigt aktuell auch der sich anbahnende Wechsel von Matej Maglica zu Ligakonkurrent 1. FC Kaiserslautern, wo der Innenverteidiger in Gehaltsdimensionen vorstoßen wird, die nach Lilienblog-Informationen für Darmstadt selbst in der Bundesliga kaum umsetzbar wären.

