Jonathan „Johnny“ Heimes, einer der bekanntesten Fans des SV Darmstadt 98, hat jetzt seinen eigenen Platz am Böllenfalltor. Vor dem Heimspiel gegen Hannover 96 wurde am Sonntag der Platz vor der Haupttribüne offiziell in Jonathan-Heimes-Platz benannt. Der Platz ist eine neue Gedenkstätte für einen der bekanntesten Fans des SV Darmstadt 98 und soll an und seine Geschichte erinnern.
„Es hat uns damals Inspiration gegeben, es hat uns damals Kraft gegeben, und es gibt uns auch heute noch Kraft“, sagte Vereinspräsident Markus Pfitzner. Johnnys Botschaft erinnere den Verein immer wieder daran, dass es Situationen gebe, „in denen wir kämpfen müssen, in denen wir aufstehen müssen“ und in denen Herausforderungen gemeinsam bewältigt werden müssten.
Der Platz entstand auf Initiative der Fanszene und in enger Zusammenarbeit mit der Familie. Ein Wandgemälde mit den Konterfei Johnnys prangt an der Wand der Haupttribüne, Über einen QR-Code können Besucher mehr über ihn und sein Leben erfahren – auch wenn sie ihn selbst nicht mehr erlebt haben.
Ein Leben zwischen Tennis und Krebs
Jonathan Heimes wurde 1990 in Darmstadt geboren und war schon als Kind sportbegeistert. Besonders talentiert war er im Tennis, wo er auch hessischer Jugendmeister wurde. Gemeinsam mit der späteren Profispielerin Andrea Petkovic trainierte er beim TEC Darmstadt, dessen Gelände direkt an das der Lilien angrenzt. Im Alter von 14 Jahren veränderte sich sein Leben jedoch grundlegend, als bei ihm ein Hirntumor festgestellt wurde.
Es folgten Operationen, Chemotherapien und Bestrahlungen. Auch nach einem Rückfall mit Metastasen in der Wirbelsäule verlor Heimes seinen Lebensmut nicht. Ein Satz, den ihm ein Freund während dieser Zeit schrieb, sollte ihn fortan begleiten: „Du musst kämpfen! Es ist noch nichts verloren.“ Aus diesen Worten wurde später das Motto, das bis heute untrennbar mit seiner Geschichte verbunden ist.
Lilien-Präsident Markus Pfitzner, Vater Jonathan Heimes und Tim Strack von der Fan- & Förderabteilung (von links)
Aus einer Idee wird eine Bewegung
Gemeinsam mit einem Freund hatte Heimes die Idee, anderen krebskranken Kindern zu helfen. Gegen Spenden verteilte er Armbänder mit seinem Lebensmotto „Du musst kämpfen! Es ist noch nichts verloren“. 2013 verteilte er die Bändchen erstmals ins Stadion und sammelte dabei 687 Euro.
Wie eng die Bändchen bald mit den Lilien verbunden waren, zeigte sich ein Jahr später. Vor dem Relegationsrückspiel gegen Arminia Bielefeld war die Situation für die Lilien nach einer 1:3-Niederlage im Hinspiel quasi aussichtslos. Der damalige Trainer Dirk Schuster erzählte der Mannschaft von Johnnys Geschichte und seinem Kampfgeist und verteilte die „Du musst kämpfen“-Bändchen an die gesamte Mannschaft.
Die Lilien gewannen dann sensationell in letzter Minute mit 4:2 und stiegen in die 2. Bundesliga auf. Nach dem Abpfiff lud die Mannschaft Johnny zum Feiern ein. Für die Spieler war er längst mehr als ein Fan geworden. Auch bei der Aufstiegsfeier auf dem Karolinenplatz stand Heimes – im Rollstuhl und schwer gezeichnet von der Krankheit – gemeinsam mit der Mannschaft auf der Bühne.
Aus einer Idee wird eine Bewegung – Jonathan Heimes gründete die Hilfsorganisation
Seine Geschichte bleibt
Am 8. März 2016 starb Jonathan Heimes im Alter von 26 Jahren an den Folgen seiner Erkrankung. Die Anteilnahme ging weit über Darmstadt hinaus. Beim darauffolgenden Heimspiel verabschiedeten sich Fans und Mannschaft von ihm. Seine Verbindung zu den Lilien blieb jedoch bestehen. In der Saison 2016/17 trug das Stadion für ein Jahr den Namen Jonathan-Heimes-Stadion, später wurde die Südtribüne nach ihm benannt.
Seine Hilfsorganisation Du musst kämpfen! (DMK) lebt bis heute fort und unterstützt krebskranke Kinder und Jugendliche. Nun gibt es mit dem Jonathan-Heimes-Platz einen festen Ort im Stadion, der – anders als der bisherige Schriftzug auf dem Dachkranz der Süd – auch bildhaft an ihn erinnert. Zehn Jahre nach Johnnys Tod soll seine Geschichte damit weitergetragen werden, auch von den Lilien-Fans, die erst heute von ihm erfahren.
Von Lilienblog-Mitarbeiterin Nele Strangfeld
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Bildquellen
- SVD-h96-2026-27-blog-0002: Arthur Schönbein

