Mit William Mikelbrencis hat der SV Darmstadt 98 einen Hochkaräter für die rechte Defensivseite verpflichtet. Unser Scouting-Experte Florian Först vom Portal kickfieber.de hat sich den 22-jährigen Franzosen genauer angesehen.
In der vergangenen Saison hat Mikelbrencis beim Hamburger SV in der Bundesliga auf der rechten Schiene gespielt. 26 Bundesligaeinsätze konnte er am Saisonende verzeichnen, eine Verlängerung in Hamburg scheiterte am Ende trotzdem. Nun der Neustart in Darmstadt. Doch was bringt er mit?
Flexibel und offensivstark
Zunächst ist Mikelbrencis flexibel einsetzbar. Auf beiden Seiten hat der Franzose bereits als Außenverteidiger oder Schienenspieler gespielt. Es ist auch nicht auszuschließen, dass Lilien-Trainer Florian Kohfeldt ihn als Rechtsaußen in seinem System einsetzen könnte. Für diese Position besitzt Mikelbrencis zumindest den notwendigen Offensivdrang.
Mit Ball am Fuß legt der 22-Jährige in der Regel viele Meter zurück und verzeichnete bei den progressiven Läufen in den letzten zwei Jahren sowohl in der 2. Bundesliga als auch in der ersten Liga unter allen Rechtsverteidigern überzeugende Werte. Auch an seiner Durchsetzungsstärke hat Mikelbrencis gearbeitet und gewann in der vergangenen Saison rund 60 Prozent seiner Dribblings.
Starke Flanken
Ein weiterer Pluspunkt ist seine Affinität für Flanken. In den vergangenen beiden Saisons verzeichnete er im Durchschnitt pro Spiel mehr als drei Hereingaben. Zwar ließ die Qualität in der Bundesliga etwas nach und er hatte mehr Schwierigkeiten, einen passenden Abnehmer zu finden, doch zum Spiel der Lilien mit einem großgewachsenen Angreifer sowie einem physischen Spieler wie Lance Duijvestijn dahinter könnte das durchaus gut passen.
Gegen den Ball arbeitet der gelernte Rechtsverteidiger mit seiner hohen Geschwindigkeit sowie starker Arbeitsrate natürlich ebenso mit. Auffallend ist im Defensivspiel seine Antizipationsfähigkeit, wodurch er viele Bälle abzufangen kann. In der vergangenen Saison waren es rund vier abgefangene Bälle pro Spiel.
Defensiv nicht immer sattelfest
Allerdings muss man konstatieren, dass Mikelbrencis insbesondere in der Defensive nicht immer sattelfest wirkte. Zwar führt er eine Menge Zweikämpfe, gewinnt diese allerdings lediglich zu etwas mehr als 50 Prozent. Auch in Kopfballduellen zieht er mit einer Erfolgsquote von lediglich 30 Prozent überwiegend den Kürzeren, auch wenn man hier natürlich seine Größe von lediglich 1,79 Meter nicht außer Acht lassen sollte.
Trotzdem fällt auf, dass es ihm defensiv an Durchsetzungsstärke und Timing fehlt. Entsprechend ist es auch nicht verwunderlich, dass Mikelbrencis in den letzten zwei Spielzeiten auf seiner Position zu den Spielern mit überdurchschnittlich vielen Fouls gehörte. Daran muss er definitiv arbeiten, wenn er die nächsten Entwicklungsschritte absolvieren und sich in Darmstadt etablieren möchte.
Gleichzeitig kann der Franzose im eigenen Passspiel mehr Sicherheit gewinnen, vergangene Saison brachte er lediglich etwas mehr als 65 Prozent seiner Zuspiele zu einem Mitspieler. Ebenso sollte er im progressiven Passspiel den Blick wieder mehr nach vorne richten, hier schnitt er zuletzt unterdurchschnittlich ab, obwohl er in dieser Disziplin in der Vergangenheit schon deutlich bessere Werte aufweisen konnte.
Drei Rechtsverteidiger im Kader
Die Verpflichtung von Mikelbrencis erhöht zum einen den Konkurrenzkampf auf der Rechtsverteidiger-Position mit Christopher Lannert und dem nahezu ständig mit Verletzungen kämpfenden Matthias Bader. Der Franzose bringt zudem viele Qualitäten in der Offensive mit und könnte daher bei den Lilien in noch offensiverer Funktion eingesetzt werden. Bekommt er wieder mehr Sicherheit in sein Spiel mit Ball sowie eine verbesserte Präzision in seine Flanken, könnte er ein passender Zuspieler für die physischen Angreifer der Lilien werden und dem Darmstädter Spiel über die Außenbahn frischen Wind verleihen.
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