Die auffälligste Aktion von Marco Richter war ein Fallrückzieher im eigenen Strafraum, der jedoch beim Gegner landete. Hinzu kamen ein Distanzschuss neben das Tor und ein Freistoß, den Patric Pfeiffer nicht verwerteten konnte, dazu auch einige Fehlpässe und Missverständnisse – die Bilanz in Richters ersten Spiel nach seiner Rückkehr zum SV Darmstadt 98 war überschaubar. Dass er überhaupt schon in der Startformation stand, war ohnehin überraschend. Immerhin hatte er sein letztes Pflichtspiel vor knapp vier Monaten am 17. Mai bestritten, beim 0:2 der Lilien im letzten Saisonspiel gegen Paderborn.
„Es war eine ganz schöne Zockerei, ihn nach einem halben Abschlusstraining in der Startelf aufzustellen“, räumte Trainer Florian Kohfeldt nach dem Spiel ein. „Aber er hat sich nicht verletzt und 55 Minuten geschafft – auch wenn wir ehrlich gesagt schon nach 35 Minuten etwas sorgenvoll geguckt haben. Aber das wird schon werden.“
Ein guter Fußballer, aber kein Heilsbringer
Dass Richter überhaupt wieder bei den Lilien spielt, kam ebenfalls ziemlich überraschend. Nach einer Saison als Leihspieler in Darmstadt war er im Sommer wieder zum 1. FSV Mainz zurückgekehrt. Doch sein Ziel, sich dort oder anderswo in der Bundesliga festzuspielen, scheiterte. Richter absolvierte zwar die gesamte Vorbereitung mit den Rheinhessen, stand aber in den ersten beiden Spielen weder in der Liga noch im Pokal im Kader. Zum Ende der Sommertransferperiode löste Mainz den Vertrag auf, und der Spieler konnte ablösefrei wechseln. Damit wurde er auch für die Lilien erschwinglich. Und die schlugen dann vergangene Woche zu.
Richter jetzt zum alleinigen Heilsbringer zu stilisieren, wäre sicherlich falsch. In der vergangenen Saison glänzte er vor allem als Vorbereiter (zehn Assists, dazu zwei Tore), als die Mannschaft stark spielte. Aber er war auch Teil jener Mannschaft, die dann die letzten neun Saisonspiele nicht mehr gewann und so den Aufstieg aus der Hand gab. Die Hoffnung, Richter hätte da als Führungs- oder Unterschiedsspieler etwas gegen den Abwärtstrend tun können, erfüllte sich nicht.
Der 28-Jährige ist sicher ein guter Fußballer, war 2021 Mitglied der deutschen Olympia-Auswahl und bewegte sich zu seinen besten Zeiten im Dunstkreis der Nationalmannschaft. Aber in den vergangenen Jahren hat er die darauf aufbauenden hohen Erwartungen kaum erfüllt – weder in Mainz, noch beim Hamburger SV und eben auch nur mit Abstrichen in der vergangenen Saison bei den Lilien.
„Leute, beruhigt euch“
Und doch könnte Richter ein wichtiger Baustein in der zu großen Teilen neu formierten Lilien-Offensive sein. Die ist mit Spielern wie Manolo Merx, Ibrahim El Kadiri, Lars Kehl, Yosuke Furukawa, aber auch Hojae Lee und Milan Smit zwar durchaus veranlagt, aber reichlich unerfahren im deutschen Profifußball. „Er hat vom ersten Moment an, als er reingekommen ist, allen anderen das Gefühl gegeben: Leute, beruhigt euch, das kriegen wir hin“, sagte Kohfeldt. Und genau das sei immer sehr wichtig. „Als Typ, als Charakter hat er sofort das gebracht, was wir uns von ihm erhoffen.“
Und auch in der Mannschaft ist Richter gleich gut angekommen. Neuzugang Noah Weißhaupt etwa schwärmte: „Er ist extrem wichtig für die Kabine, wie ich schon nach zwei Tagen gemerkt habe. Ein supergeiler Typ.“. Hinzu kämen Richters fußballerische Qualitäten. „Ich glaube, er ist nicht so der Läufer“, sagte der Ex-Freiburger lachend. „Aber dafür ein extrem guter Techniker, der gut Bälle verteilen kann und dem Team auf jeden Fall noch mal sehr viel gibt.“
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Hier findet ihr Pro- und Contra-Argumente für die Richter-Rückkehr.
Bildquellen
- SVD-dsc-2026-27-blog-0009: Arthur Schönbein

