Sechs Spiele, vier Punkte, Abstiegsplatz – der SV Darmstadt 98 steckt in der Krise. Das sind die Gründe dafür:
1. Es fehlen Führungsspieler
Der Umbruch im Sommer war groß. Trainer Florian Kohfeldt baute auf eine eingespielte Defensivachse mit Torhüter Marcel Schuhen, den Innenverteidigern Patric Pfeiffer und Aleksandar Vukotic sowie der Doppel-Sechs mit Kai Klefisch und Hiroki Akiyama. Das ist weniger als die Hälfte der Mannschaft aus dem Vorjahr. Und dann stand diese Achse wegen Verletzungen und Sperren auch nur im ersten Spiel gegen Kiel (2:2) zur Verfügung. Danach fehlte immer mindestens ein Spieler aus diesem vermeintlichen Gerüst. Hinzu kommt, dass die vermeintlichen Führungsspieler wie Vukotic und Klefisch dann auch noch schwere Patzer bei ihren Auftritten hatten. Kohfeldt bemängelte selbst nach dem 1:5 in Wolfsburg, dass ihm in der entscheidenden Phase der Partie die Anker-Spieler gefehlt hätten, um die Mannschaft zu stabilisieren.
2. Die Personalpolitik geht bislang nicht auf
Was ihre Vita anging, so weckten Neuzugänge wie Lance Duijvestijn, Nicolas Verkooijen, Ibrahim El Kadiri, William Mikelbrencis, Hojae Lee oder Milan Smit teils hohe Erwartungen. Tatsächlich konnte bislang keiner von ihnen das nach den Abgängen von Unterschiedsspielern wie Fraser Hornby, Isac Lidberg oder Matej Maglica entstandene Vakuum auf spielerischer Ebene auffüllen. Einzig Noah Weißhaupt setzte bislang ein paar Ausrufezeichen. Die Rückholaktion von Marco Richter kurz nach Ende des Transferfensters wirkt vor diesem Hintergrund schon fast hilflos – war Richter doch maßgeblicher Teil jener Mannschaft, die im Endspurt der Vorsaison den Aufstieg noch aus der Hand gab.
3. Eine Spielidee ist nicht zu erkennen
„Zielgerichteter, dominanter Ballbesitzfußball, immer auf der Suche nach Tempoaktionen und den Ball so schnell wie möglich wiederbekommen“ – so fasste Kohfeldt bei seinem Amtsantritt vor zwei Jahren seine Spielidee zusammen. Aktuell: Schnelle Ballgewinne? Kaum! Tempoaktionen? Viel zu selten! Ballbesitzfußball? Fehlanzeige! Trotz des Umbruchs: Es ist bislang nicht klar geworden, für was die Mannschaft in dieser Saison steht.
4. Die Auswärtsschwäche ist haarsträubend
Der letzte Auswärtssieg liegt mittlerweile mehr als zehn Monate zurück. Am 8. November 2025 gewannen die Lilien zuletzt in Hannover – mit 3:2. Seither gab es keinen Dreier mehr auf fremden Plätzen. Und diese Negativ-Serie ist hartnäckig. Gegen Wolfsburg, das seinerseits seit Januar zu Hause ohne Sieg war, gelang kein Turnaround – im Gegenteil: Das 1:5 war die höchste Niederlage seit der Bundesliga-Abstiegssaison 2023/24. So wird das nichts.
5. Der Flow geht nach unten
Das mühsame Weiterkommen im Pokal gegen Jena, ein knapper Arbeitssieg gegen Bielefeld – mehr hat die Mannschaft unter Trainer Kohfeldt seit März nicht mehr gewonnen. Das ist eindeutig zu wenig. Und die Serie von Misserfolgen zieht die Mannschaft auch mental immer weiter nach unten. Tatsächlich steigen am Ende der Saison gerade in der 2. Liga nicht die nominell besten Mannschaften auf und die schlechtesten Mannschaften ab – entscheidend ist, in welchen längerfristigen Flow ein Team gerät. In dem Fall gilt für die Lilien derzeit: The Trend is not your Friend.
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Bildquellen
- wob-SVD-2026-27-blog-0076: Arthur Schönbein

