Dirk Schuster hat kräftig ausgemistet – eine Abrechnung mit der Personalpolitik seiner Vorgänger.

Es war nach dem letzten Spieltag der vergangenen Saison. Die Führung des Vereins ließ die Spielzeit in einem Lokal ausklingen. Erleichterung über den Klassenerhalt herrschte. Nur Trainer Dirk Schuster hatte schlechte Laune, wie Beobachter berichteten. „Ab morgen muss ich den Kader aufräumen“, schimpfte er demnach und ging dann früh nach Hause.

Mittlerweile gibt es genug Grund für den Trainer, wieder bessere Laune zu haben. Den die Aufräumarbeiten sind quasi abgeschlossen. Diese Woche wurde der Vertrag mit dem Brasilianer João Renato da Cunha aufgelöst, der kein einziges Pflichtspiel für die Lilien bestritten hatte. Julian von Haacke, unter Schuster ohne Einsatz, wurde an Drittligist SV Meppen verliehen. Jetzt muss nur noch ein Abnehmer für Romuald Lacazette, genannt „Laca“, gefunden werden. Der Franzose hatte es auch unter Frings nur auf 60 Minuten in der Liga und sechs Minuten im DFB-Pokal gebracht, spielte unter Schuster überhaupt keine Rolle, nahm bereits im Frühjahr „aus internen Gründen“ nicht mehr am Training teil.

Es ist ein verheerendes Zeugnis für die Personalpolitik des Vereins im vergangenen Jahr, das Schuster da ausgestellt hat. Unter seinem Vorgänger Torsten Frings wurden Verträge mit Laufzeiten von zwei bis vier Jahren geschlossen. Kontrakte wie mit Markus Steinhöfer und Jan Rosenthal wurden verlängert. Man wolle langfristig etwas aufbauen, hieß es vom Verein. Schuster hat das inzwischen fast alles wieder rückgängig gemacht.

Klangvolle Namen wie Kevin Großkreutz, Nationalspieler wie Artur Sobiech oder Jamie Maclaren, aber auch Ergänzungsspieler wie Silas Zehnder, Manassé Eshele, Ruibao Hu, Joël Mall – alle im vergangenen Sommer verpflichtet, alle inzwischen wieder weg. Das gilt auch für die früheren Frings-Verpflichtungen Patrick Banggaard und Hamit Altintop.

Mehlem als Ausnahme

Geblieben von den Neuzugängen des vergangenen Sommers sind Reservespieler Orrin McKinze Gaines II und Ersatzkeeper Florian Stritzel (beide ohne Einsatz seit Schusters Amtsantritt); außerdem Tobias Kempe, Felix Platte und Yannick Stark, die Schuster allerdings schon aus seiner ersten Zeit bei den Lilien kannte und selbst nach Darmstadt gelotst hatte. Der einzig wirkliche Neue, der sich unter Schuster durchsetzen konnte, war Marvin Mehlem. In der ersten Phase nach der Winterpause war er jedoch auch erstmal wochenlang weg vom Fenster.

Dass Schuster immer wieder auf Spieler baut, die er bereits kennt, zeigt sich nicht nur an Kempe, Platte und Stark. Mit Marcel Heller und Tim Rieder holte er zwei Akteure, mit denen er ebenfalls schon zusammengearbeitet hatte. Und auch im vergangenen Winter lieh er mit Romain Brégerie und Dong Won Ji Spieler aus, die schon unter ihm gespielt hatten. Ein Spieler, der aktuell in dieses Schema passen würde, ist Mittelfeldspieler Gojko Kacar. Den Serben wollte Schuster bereits 2016 vom Hamburger SV nach Darmstadt holen. Schuster ging dann nach Augsburg, Kacar auch. Jetzt ist der 31-Jährige vereinslos – und damit ablösefrei. Schuster hat zwar erst kürzlich dementiert, dass es Gespräche mit Kacar gegeben habe. Aber bei dem Trainer kann man sich nie so sicher sein, ob er da nicht geblufft hat.

 

Bildquellen

  • Lacazette-1: Arthur Schönbein
Stephan Köhnlein

Stephan Köhnlein

Wahl-Heiner seit 1998, Text-Journalist für diverse Medien

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