Als Kevin Großkreutz im Sommer weiter zu Drittligist Uerdingen zog, hielt sich die Trauer bei den Lilien in Grenzen. In seinem Jahr in Darmstadt hatte der Spieler so gut wie nie nachvollziehbar gemacht, aufgrund welcher Fähigkeiten ihn Bundestrainer Joachim Löw in den Weltmeisterkader 2014 berufen hatte. Doch rund vier Monate nach dem Abgang von Großkreutz stellt sich die Frage, ob der Spieler dem Verein auf der rechten Abwehrseite nicht doch hätte helfen können.

Kein nomineller Rechtsverteidiger im Kader

Nominell gibt es im aktuellen Kader der Lilien keinen Rechtsverteidiger. Sandro Sirigu kann seine Schnelligkeit vor allem nach vorne ausspielen, hat Schwächen im Defensivverhalten. Immanuel Höhn ist gelernter Innenverteidiger, konnte bei seinen Einsätzen auf der rechten Abwehrseite meist nicht überzeugen.

Und mit Tim Rieder muss man eigentlich schon Mitleid haben. Die Leihgabe des FC Augsburg ist wie Höhn Innenverteidiger, wird bei transfermarkt.de sogar mit der Stammposition defensiver Mittelfeldspieler geführt. Auf der Außenverteidiger-Position tut Trainer Dirk Schuster dem wuchtigen 1,86-Meter-Mann definitiv keinen Gefallen – besonders wenn es gegen schnelle und quirlige Außenspieler geht.

Rieder „an der Leistungsgrenze“

Nach einem durchwachsenen Startelf-Debüt gegen Arminia Bielefeld folgte ein schwacher Auftritt gegen Holstein Kiel, den Schuster bereits zur Halbzeit beendete. Auch gegen den Hamburger SV musste Rieder in der 80. Minute vorzeitig raus. „Er war an der Leistungsgrenze, konnte nicht mehr die Sprints ziehen, da die Muskulatur zugemacht hat“, sagte Schuster. „Er hat dann selber von sich aus gesagt, dass es nicht mehr geht.“ Doch schon zuvor hatte Rieder immer wieder Probleme mit Gegenspieler Khaled Narey gehabt, der unter anderem über rechts das 2:0 der Gäste vorbereitet hatte.

Vereinslose Spieler als Option

Die Probleme auf der rechten Seite sind seit letzter Saison offensichtlich. Fragt sich, wieso sich der Verein im Sommer nicht auf dieser Position verstärkt, sondern mit Großkreutz sogar noch eine Option abgegeben hat .

Selbst jetzt gibt es noch vereinslose Akteure auf dem Markt, die nach einer Verpflichtung sofort spielberechtigt wären: Tobias Levels (zuletzt Ingolstadt) zum Beispiel oder Dennis Diekmeier (zuletzt Hamburger SV), wobei zumindest letzterer wohl nicht ins Darmstädter Gehaltsgefüge passt. Doch der Bedarf ist bei den Lilien groß. Das wird immer schmerzhafter deutlich.

 

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Stephan Köhnlein

Stephan Köhnlein

Wahl-Heiner seit 1998, Text-Journalist für diverse Medien

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