Es ist schon bitter. Da führen die Lilien bis zur 95. Minute mit 1:0 beim Hamburger SV. Alles deutet auf die Sensation hin. Und dann bekommen sie durch einen umstrittenen Foulelfmeter nach Videobeweis noch den Ausgleich und verlieren zwei Punkte. Volles Verständnis für die Enttäuschung.

Aber die Szene zeigt das gesamte Elend mit dem Videobeweis. Auch nach mehrmaligem Studium der strittigen Situation durch mehrere Experten bleiben viele Entscheidungen einfach Auslegungssache – wie auch in diesem Fall. Schiedsrichter Robert Hartmann wertete den Kontakt von Dario Dumic und seinem Gegenspieler Manuel Wintzheimer schließlich als elfmeterwürdig.

Wieso ist ein Elfmeter in letzter Minute gleichbedeutend mit einem Tor?

Etwas verwunderlich sind dazu jedoch die Aussagen von Lilien-Präsident Rüdiger Fritsch, mit denen er von der „Bild“-Zeitung zitiert wird: „Ich bin der Meinung, dass in der letzten Minute ein Elfmeter gleichbedeutend mit einem Tor und damit ein massiver Eingriff ins Spiel ist. Dann muss ich mir als Schiedsrichter 120 Prozent sicher sein.“

Tatsache ist, dass der Schiedsrichter eine Entscheidung treffen musste. Die Forderung, dass er sich zu 120 Prozent sicher sein muss, ist absurd. Diese Sicherheit gibt es in den meisten Szenen eines Spiels nicht. Es ist eine Abwägungssache. Hartmann sah offensichtlich mehr Indizien für einen Elfmeter als dagegen.

Und dass ein Elfmeter in der letzten Minute gleichbedeutend mit einem Tor ist, stimmt natürlich auch nicht. Der Schütze kann verschießen, der Torwart kann halten – das ist genau so wie in der ersten Minute einer Partie.

Zweitliga-Vertreter wollten den Videobeweis

Zur Erinnerung: Schon die Erfahrungswerte aus der Bundesliga haben gezeigt, dass der Videobeweis häufig keine 100- (oder 120-prozentige) Sicherheit bringt. Trotzdem sprachen sich die Zweitliga-Vertreter im Frühjahr für die Einführung auch im Unterhaus aus. Fritsch, selbst DFL-Präsidiumsmitglied, stimmte damals ebenfalls dafür. Es gebe keine Alternative dazu, auf lange Sicht trage der Videobeweis zu mehr Gerechtigkeit bei, sagte er.

Aber „mehr Gerechtigkeit“ bedeutet eben nicht „absolute Gerechtigkeit“. Auch vor diesem Hintergrund könnte man die erste Videobeweis-Entscheidung in einem Spiel seines Vereins, die in diesem Fall nicht zu eigenen Gunsten ausgefallen ist, womöglich mit etwas mehr Gleichmut tragen. Bei allem Verständnis für die Enttäuschung.

 




Bildquellen

  • Zeitlos-2019-20-0019: Arthur Schönbein

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