Er stammt aus Stuttgart, war Jugendnationalkeeper und spielte zuletzt auf Mallorca – jetzt ist Carl Klaus in Darmstadt gelandet. Der 25-Jährige sprach in der Medienrunde am Donnerstag über seine Karriere, das Leben auf einer Urlaubsinsel, die vielen Baustellen in Darmstadt und über die Probleme, der Torhüterjahrgänge nach Leno und Ter Stegen.

Über seine Heimat Stuttgart

Ich bin jetzt seit sieben Jahren nicht mehr in Stuttgart. Da geht auch der Dialekt ein bisschen weg. Gerade, wenn man in Wolfsburg ist. Früher habe ich mehr Schwäbisch gesprochen. Ich bin noch immer gerne in der Heimat. Von Mallorca und auch von Wolfsburg war das etwas weiter. Da habe ich es jetzt etwas näher, so dass ich an einem freien Tag mal nach Hause kann. Ich fühle mich immer noch als Schwabe.



Über seinen Weg nach Spanien

Christian Ziege hat mich nach Spanien geholt. Er war mein Trainer in der U18- und U19-Nationalmannschaft. Der Verein hat einen Torwart gesucht, hatte auch einen deutschen Präsidenten, einen deutschen Sportdirektor und einen deutschen Torwarttrainer. Aber im letzten Jahr war ich der einzige Deutsche – bis auf den Präsidenten und den Sportdirektor. Kein Trainer, kein Mitspieler. Leider hat es mit Christian Ziege nicht so geklappt. Man muss aber auch sagen, dass es die Mallorquiner nicht so gerne sehen, wenn Deutsche in dem Verein spielen. Sie lieben den deutschen Präsidenten dort, aber deutsche Spieler haben dort nicht den einfachsten Stand. Auch wegen der Tourismus-Situation will man dort mit Deutschen außerhalb der geschäftlichen Beziehungen nicht viel zu tun haben.

Das Leben auf Mallorca

… ist fantastisch. Ich habe direkt in Palma gelebt. Die Stadt hat einen wunderschönen Altstadtkern. Manchmal ist leider im Sommer etwas zu viel Trubel. Wenn zwei Kreuzfahrtschiffe auf einmal anlegen und zehntausend Leute in die Stadt einfallen. Ich wollte einmal nach dem Training mit dem Taxi zum Flughafen, um nach Hause zu fliegen. Und ich habe kein Taxi bekommen, weil es die Zeit war, in der alle Touristen wieder zurück zum Hafen mussten. Abseits des Trubels gibt es auf Mallorca viel zu sehen. In den Bergen gibt es dort zum Beispiel wunderschöne alte Dörfer.

Und das Leben in Darmstadt?

… kenne ich leider noch nicht so gut. Ich kenne die Innenstadt um den Luisenplatz. Was gerade keine Baustelle ist, finde ich schön. Aber es gibt schon recht viele Baustellen. Am Anfang wollte ich mit der Straßenbahn fahren, da gab es nur Schienenersatzverkehr. Wobei ich jetzt kürzlich in Stuttgart war. Da ist das mit der Großbaustelle Stuttgart 21 noch ein bisschen extremer. Ich habe jetzt erstmal für eineinhalb Monate eine Übergangswohnung, weil ich so schnell wie möglich aus dem Hotel rauswollte. Das Leben im Hotel ist nicht das, was ich mir auf Dauer vorstelle.

Die Situation als dritter Torhüter

Als Sportler will man immer den nächsten Schritt gehen. Man muss sehen, wo man gerade steht und sich dann kleine Etappen und kleine Ziele setzen, um irgendwann mal große Ziele zu erreichen. Wann, wo und wie genau kann man nie sagen. Aber man sieht auch, dass es im Fußball schnell gehen kann. Es klingt vielleicht platt, aber deswegen kann man jeden nur sein Bestes geben. Irgendwann gibt es dann vielleicht die Situation, in der der Trainer neu entscheiden muss, sollte man sich vorher gut präsentiert haben.




Der Wechsel zu den Lilien

Bei mir war das unglücklich. Ich habe in Spanien noch die Relegation um den Aufstieg gespielt. Das letzte Relegationsspiel war am 30. Juni. Wenn wir aufgestiegen wären, hätte sich mein Vertrag um ein Jahr verlängert. Aber wir haben den Aufstieg um ein Tor verfehlt. Dementsprechend war ich davor nicht auf dem Markt. Und der 30. Juni ist für einen Torhüter ein sehr später Termin. Da hat sich die Möglichkeit ergeben, mit Darmstadt ins Trainingslager zu gehen. Das hat Spaß gemacht, war auch gut, war aber eben sehr kurzfristig. Mit dem Ausfall von Marcel Schuhen hat sich die Situation dann nochmals verändert. Und dann bin gerne gekommen.

Über seine Karriere

Im Nachhinein würde ich sagen, dass der Sprung von den Nachwuchsteams oft schwierig ist. Mir ist zum Beispiel nicht bekannt, dass sich von Wolfsburg ein Jugendtorhüter durchgesetzt hat. Ich war auch mit Wolfsburg in der Europa League. Aber das war die Phase mit Luiz Gustavo, Ivan Perisic oder Kevin de Bruyne, dass die einen 20-Jährigen akzeptieren … In der Phase wäre es vielleicht besser gewesen, einen Schritt zurückzugehen. Das habe ich dann auch gemacht mit dem Wechsel zu den Stuttgarter Kickers in der 3. Liga. Da war ich mit 21 Jahren Stammtorhüter. Leider hatten wir da ein fürchterliches Jahr, sind letztlich abgestiegen. Dann hat sich Atlético Baleares gemeldet. Wir wären zweimal fast aufgestiegen. Im Falle eines Aufstiegs wäre ich noch da und würde in der 2. Liga in Spanien spielen. Das wäre im Soll gewesen.

Warum es trotz guter Ausbildung nicht zur Nummer eins in Deutschland gereicht hat

Es ist nicht jeder Marc-André ter Stegen oder Bernd Leno, die in jungen Jahren Bundesliga spielen. Aus meinen Jahrgängen sind jetzt auch nicht so viele Torhüter in der Bundesliga. Alexander Nübel (Schalke) und Florian Müller (Mainz) sind etwas jünger. Vor mir gab es einen relativ starken 92er- und 93er-Jahrgang mit Leno, Ter Stegen und Loris Karius. Und in der Bundesliga gibt es eben nur eine begrenzte Anzahl von Plätzen für Torhüter. Wenn ein Jahrgang so stark war wie damals, ist es für die nachfolgenden Jahrgänge etwas schwieriger. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Carl Klaus, SV Darmstadt 98

Lilien-Keeper Carl Klaus, hier im Testspiel gegen Werder Bremen

Zur Person

Carl Klaus (* 16. Januar 1994 in Stuttgart) begann das Fußballspielen in der Jugend des MTV Stuttgart. Mit zehn Jahren wechselte er zum VfB Stuttgart, 2012 in die Jugend des VfL Wolfsburg. Von 2013 bis 2015 gehörte er zum Kader der Wolfsburger U23, die in der Regionalliga Nord spielte. Zur Saison 2015/2016 wechselte er zu den Stuttgarter Kickers in die dritte Liga. Nachdem er mit den Kickers in die Regionalliga abgestiegen war, wechselte er im Sommer 2016 zum spanischen Drittligisten Atlético Baleares. Nach drei Jahren in Spanien stieß er im August 2019 zu den Lilien.




Bildquellen

  • SVW-D98-Test-2019-2010-14: Arthur Schönbein
  • Klaus: Stephan Köhnlein/Lilienblog

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