So viele Zähler wie möglich will Trainer Dimitrios Grammozis mit den Lilien in der zweiten Saisonhälfte holen, dabei aber keine bestimmte Punktzahl vorgeben. Um dieses Ziel zu erreichen, müsse die Mannschaft die individuellen Fehler in der Defensive weiter verringern und vor dem gegnerischen Tor kaltschnäuziger werden, sagt der Lilien-Coach im zweiten Teil unseres Interviews. Darin geht es auch um lokale Spezialitäten und um Gemeinsamkeiten zwischen Darmstadt und dem Ruhrpott.

Herr Grammozis, es gibt eine nette Geschichte von Ihnen, wie Sie in Ihrer ersten Zeit in Darmstadt mal Apfelwein mit Apfelsaft verwechselt haben.

Grammozis: (lacht) Ja, ich trinke sehr gerne Apfelsaftschorle, stand im Supermarkt und habe mir die Sorten angeguckt: Apfelsaft, naturtrüb, klar. Und direkt daneben stand der Apfelwein. Ich habe einfach nur Apfel gelesen und sieben Kisten aufgepackt. Die sehen ja fast genauso aus. An der Kasse haben die etwas komisch geguckt, da habe ich das dann gemerkt. Zum Glück konnte ich die Kisten noch zurückgeben.

Haben Sie denn inzwischen mal Apfelwein getrunken?

Grammozis: Ja, ich habe mal probiert.

Und?

Grammozis: Ist okay. Aber ich bin ja eh kein großer Alkohol-Fan. Allerhöchstens mal ein Gläschen Wein zum Essen. Aber maximal ein Glas, um den Geschmack zu heben.

Sie haben ja viel gesehen von Deutschland, waren Spieler in Uerdingen, Hamburg, Kaiserslautern, Köln und Bochum. Welcher dieser Städte kommt Darmstadt denn am nächsten?

Grammozis: Schwer zu sagen. Darmstadt ist eine gute Mischung, vielleicht auch wegen seiner zentralen Lage. Ich habe hier Leute getroffen, die sind wie im Ruhrpott: klar, direkt, geigen dir auch Mal die Meinung. Aber es gibt auch Leute, die ein bisschen reservierter sind und erstmal etwas beobachten.

Zum Sportlichen. Das Fazit der Hinrunde wurde immer wieder mit „ganz okay, aber zu wenig Punkte“ umschrieben. Stimmen Sie zu?

Grammozis: Wir hatten schon Spiele dabei, die auch zu unseren Gunsten hätten ausgehen können. Das wollen wir natürlich verbessern. Aber zu sagen: Jetzt haben wir 20 Punkte, in der Rückrunde wollen wir 30 holen – das wäre kein gutes Signal. Wir wollen ja sowieso jedes Spiel gewinnen und in der Rückrunde so viele Punkte wie möglich holen.

Woran liegt es denn, dass Sie zu wenig Punkte haben?

Grammozis: Wir haben defensiv zu viele individuelle Fehler gemacht. Und vorne waren wir nicht kaltschnäuzig genug, unsere Chancen reinzumachen. Das ist ein großes Thema, das uns auch in der Wintervorbereitung beschäftigen wird.

Wo sehen Sie die Stärken Ihrer Mannschaft?

Grammozis: Ich finde, dass die Einstellung der Jungs sehr gut ist. Nicht nur in den Spielen, sondern auch im Training. Sie sind offen für neue Trainingsinhalte, ziehen mit und spüren, dass das, was wir ihnen mitgeben, sie weiterbringt. Und viele der Jungs haben sich in den vergangenen Monaten verbessert.

Dimitrios Grammozis SV Darmstadt 98

„Kein gutes Spiel“ – Dimitrios Grammozis nach dem 1:3 bei der SpVgg Greuther Fürth

Es hat in der Hinrunde immer wieder den Vorwurf gegeben, dass Sie die Leistungen der Mannschaft schönreden – gerade nach Niederlagen. Haben Sie Verständnis für solche Aussagen?

Grammozis: Wenn man Spiele nicht gewinnt, ist man natürlich sehr enttäuscht als Fan und hat dadurch vielleicht eine sehr emotional geprägte Sichtweise auf die Spiele. Als Trainer hat man noch immer eine andere Sicht. Da guckt man, inwieweit das aufgegangen ist, was man sich vorgenommen hat. Ich habe nach den Partien gegen Greuther Fürth und den VfL Osnabrück ganz klar gesagt, dass das keine guten Spiele von uns waren. Aber wenn ich das Gefühl habe, dass die Jungs das im Großen und Ganzen gut gemacht haben und nur das Ergebnis gefehlt hat, kann ich ja nicht lügen. Ich sage, was ich denke.

Sie sind in der vergangenen Rückrunde angetreten mit der Mission, die Mannschaft erst zu stabilisieren und dann weiterzuentwickeln. Die Stabilisierung ist im Frühjahr mit dem vorzeitigen Klassenerhalt gelungen. Wie sieht es mit der Weiterentwicklung aus?

Grammozis: Die Weiterentwicklung dauert an. Natürlich gibt es da Rückschläge. Die haben andere Teams auch. Wir haben im Sommer einen kleinen Umbruch eingeleitet. Das geht nicht von heute auf morgen. Und auf dem Verein lastet sehr viel Druck mit dem Stadionumbau. Der Verein braucht eine gewisse sportliche Stabilität, um mit wirtschaftlicher Beinfreiheit das Stadion fertigzustellen. Und wenn wir auf dem Platz stabil bleiben, bin ich davon überzeugt, dass wir in der zweiten Serie in ruhigere Gewässer kommen werden.

Wo soll die Weiterentwicklung denn hinführen?

Grammozis: Dass die Jungs unsere Philosophie so oft wie möglich auf dem Platz zeigen und die entsprechenden Ergebnisse einspielen. Denn ein gutes Spiel ohne Ergebnis ist letztlich genauso wenig wert wie ein schlechtes Spiel ohne Ergebnis.

Teil 1 des Interviews über Fans, Respekt und das Internet gibt es hier, zu Teil 3 geht es hier.

Bildquellen

  • Dimmi-03: Arthur Schönbein
  • Dimmi-01: Arthur Schönbein

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