Tim Skarke kam, als seine Karriere in Heidenheim ins Stocken geraten war und hat sich bei den Lilien inzwischen durchgesetzt. Auch als in diesem Winter der bundesligaerfahrene Christian Clemens für die rechte Außenbahn geholt wurde, behauptete er sich auf dieser Position. Neben seiner guten Technik und seiner Physis zeichnet Skarke etwas aus, was in Darmstadt besonders gut ankommt: Mentalität. Der folgende Beitrag ist in gedruckter Form bei unserem Partner „Bessunger Neue Nachrichten“ erschienen.

 

Tim Skarke: Gewinner auf rechts

Der Flügelspieler etabliert sich beim SV Darmstadt 98

Von Stephan Köhnlein

Wert und Wertschätzung von Tim Skarke für die Mannschaft zeigen sich auch an seiner neuen Aufgabe seit der jüngsten Systemumstellung beim SV Darmstadt 98: Weil Standardtorschütze Tobias Kempe derzeit nur Reservist ist, darf der 24 Jahre alte Flügelspieler in der Regel die Ecken und Freistöße schießen. Ein Tor gelang ihm dabei zwar noch nicht, aber immerhin legte er bereits einen Treffer für Torjäger Serdar Dursun beim 4:1 über Erzgebirge Aue per Freistoß auf.

Nach knapp zwei, teils wechselhaften Spielzeiten hat sich der Flügelmann bei den Lilien festgespielt, überzeugt mit Einsatz und Körpersprache, ebenso wie mit Technik und Toren. Vier Treffer und vier Vorlagen hat Skarke bereits jetzt auf dem Konto – damit ist es schon jetzt die beste seiner sechs Spielzeiten als Profi.

Mit 22 zum ersten Mal weg von zu Hause

Skarke stammt aus Heidenheim, wurde beim 1. FC Heidenheim in der Jugend ausgebildet und stieß dort anschließend zu den Profis. Es lief zunächst gut, bereits in seinem zweiten Profijahr war er Stammspieler, wurde später zur U21-Nationalmannschaft berufen. Doch dann geriet seine Karriere ins Stocken, er kam nur noch unregelmäßig zum Einsatz und war auch wenig torgefährlich. Im Sommer 2019 entschied er sich für einen Tapetenwechsel und ging zum ersten Mal weg von zu Hause. In Darmstadt wollte er zunächst vor allem Spielpraxis und neues Selbstvertrauen sammeln.

Sportchef Carsten Wehlmann sprach bei der Verpflichtung Skarkes zwar von einem Spieler, der noch lange nicht am Ende seiner Entwicklung angekommen sei. Doch so richtig auf der Rechnung hatten den damals 22-Jährigen wohl nur die wenigsten. Das änderte sich schlagartig mit Saisonbeginn, als Skarke kurz nach seiner Einwechslung im ersten Spiel traf und in den beiden folgenden Spielen ebenfalls erfolgreich war.

Tim Skarke, SV Darmstadt 98 - Holstein Kiel

Skarkes starker Start – in den ersten drei Spielen für Darmtadt traf er jeweils – wie hier gegen Kiel beim 2:0

Einmal auf die Bank und wieder zurück

Diese Schlagzahl konnte er nicht halten, es blieben seine einzigen Treffer in der Spielzeit. Trotzdem kam aber mit 27 Liga-Einsätzen auf so viele Spiele wie davor noch nie. Und in der laufenden Saison hat er sich nochmals gesteigert – auch wenn es ein paar Tiefs gab. Den größten Teil der Sommervorbereitung verpasste er wegen einer Muskelverletzung. Dann verlor er im Herbst nach den beiden Niederlagen gegen Paderborn und Aue zunächst seinen Stammplatz.

Doch Skarke kämpfte sich zurück. Etwas aus der Not heraus kam er beim Spiel gegen die SpVgg Greuther Fürth vor der neuen Dreierkette als einziger Außenspieler auf rechts zum Einsatz und legte mit einem fulminanten Fernschuss zur Führung den Grundstein für den 4:0-Erfolg beim Aufstiegsaspiranten.

Seitdem hat Skarke kein Spiel versäumt, stand meist in der Startelf, auch als der Coach die Grundformation wieder zurück auf Viererkette änderte. Derzeit hat er auf seiner Position auf dem rechten Flügel klar die Nase vorn, obwohl in der Winterpause der bundesligaerfahrene Christian Clemens verpflichtet wurde, den Coach Markus Anfang noch aus seiner Kölner Zeit kannte und schätzte.

„Das darf uns einfach nicht passieren“

Skarke geht auf dem Feld voran. Er rennt, kämpft, wirft sich in die Zweikämpfe und ist dabei stets selbstkritisch mit der Mannschaft, aber vor allem mit sich selbst. Dass das Team beim 0:1 gegen den Karlsruher SC nach dem Tor mutlos, kraftlos und ideenlos auftrat, sprach er schonungslos an: „Da sind wir komplett als Team zusammengebrochen“, monierte er. „Als wir die Partie später analysiert haben, ist uns klar geworden, dass es nicht unsere Mentalität ist, sich nach einem Tor so hängenzulassen. Wir so haben eine starke Kämpfermentalität. Das darf uns einfach nicht passieren.“

Das habe den Spielern die Augen geöffnet und einen Prozess ausgelöst. „Wir wissen, was wir können. Wir sind eine Mannschaft mit sehr viel Qualität. Aber manchmal haben wir uns in dieser Saison selbst geschlagen“, sagte der 24-Jährige. Viele Gespräche habe es nach der KSC-Pleite gegeben. Dadurch sei der Team-Spirit noch etwas gewachsen.

„Der Sieg gegen Paderborn hat uns dann weiter zusammengeschweißt. Und mit dem Sieg gegen Aue kommt wieder zurück, was uns in den vergangenen Wochen ein bisschen verloren gegangen war“, sagte Skarke. „Ich freue mich, dass das ganze Team wieder so zusammenrückt. Wir haben gezeigt, worauf es ankommt. Jetzt sind Kampf und Leidenschaft gefragt.“ Dafür ist Skarke genau der richtige Mann.

Tim Skarke, Eintracht Braunschweig - SV Darmstadt 98

Mit vollem Einsatz – Tim Skarke im Spiel bei Eintracht Braunschweig (1:1)

Zur Person: Tim Skarke

Tim Skarke (* 7. September 1996 in Heidenheim) begann bei der TSG Nattheim im Landkreis Heidenheim mit dem Fußballspielen. Mit elf Jahren wechselte er in die Jugend des 1. FC Heidenheim, wo er zur Saison 2015/16 in die erste Mannschaft aufrückte. Gleich in seinem zweiten Einsatz am 18. Oktober 2015 erzielte er im Heimspiel gegen den MSV Duisburg den 1:0-Siegtreffer.Zur Saison 2019/20 wechselte er zum SV Darmstadt 98, bei dem er einen bis zum 30. Juni 2022 gültigen Vertrag unterzeichnete. Für die Lilien traf er bereits in seinem ersten Pflichtspiel-Einsatz am 28. Juli 2019 beim 1:1-Auswärtsspiel gegen den Hamburger SV. Skarke bestritt ein U21-Länderspiel für Deutschland. Am 1. September 2017 stand er in Paderborn beim 1:2 gegen Ungarn im Team.

Bildquellen

  • SVD-KSV-Blog-2019-20-008: Arthur Schönbein
  • EBS-SVD-2020-21-blog-029: Arthur Schönbein
  • EBS-SVD-2020-21-blog-032: Arthur Schönbein

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