Ohne Kai Klefisch kam der Knick. Kurz vor dem Spiel gegen Holstein Kiel zog sich der Mittelfeldspieler des SV Darmstadt 98 eine Oberschenkelverletzung zu. Drei Spiele fehlte er deswegen, zwei Unentschieden und eine Niederlage waren die Bilanz. Das Zuschauen sei „eine Katastrophe“ für ihn gewesen, denn er habe immer den Antrieb, dem Team zu helfen. „Aber da kann man dann einfach nichts tun“, sagt er.
Seit zwei Spielen ist er wieder dabei – und auch wenn das noch keine Serie ist, so ging die Tendenz im Pokal gegen Schalke und zumindest auch in der ersten Halbzeit gegen Bielefeld doch wieder deutlich nach oben. Klefisch sei der Kleber zwischen Defensive und Offensive, hatte Trainer Florian Kohfeldt erklärt – ein Bild, mit dem der Spieler gut leben kann. Klebrig fühle er sich nicht unbedingt, aber „Kle“ auf jeden Fall, sagt Klefisch lachend, um dann ernster fortzufahren: „Ich versuche, mir hinten den Ball abzuholen, die Jungs vorne bestmöglich einzusetzen und so ein bisschen den Takt vorzugeben. So sehe ich die Sechserposition.“
Dabei gibt sich Klefisch durchaus bescheiden. Gegen Schalke im Pokal machte sein Nebenmann Hiroki Akiyama das erste Tor, erhielt gute Kritiken und Noten, während Klefisch deutlich weniger Beachtung zukam. Mit der Funktion, seine Mitspieler besser zu machen, könne er ebenfalls gut leben. „Wenn man das so sieht, dann ist das auf jeden Fall schön. Ich muss nicht irgendwie im Vordergrund stehen.“

Eng beisammen – Kai Klefisch und Hiroki Akiyama (Mitte)
Starkes Duo mit Akiyama auf der Doppel-Sechs
Immer wieder wird Klefisch auf sein starkes Zusammenspiel mit Akiyama angesprochen. Tatsächlich sind die beiden Sechser zusammen ähnlich wichtig für das Team wie das Offensivduo Isac Lidberg und Fraser Hornby. Die beiden einzigen Niederlagen in dieser Saison gab es, als entweder Akiyama (in Kaiserslautern) oder Klefisch (auf Schalke) nicht spielten. Und auch als Akiyama gegen Bielefeld nach einer knappen Stunde vom Feld ging, bekamen die Gäste Oberhand.
Mit dem Japaner, der so gut wie kein Englisch spricht, versteht sich der gebürtige Leverkusener nahezu blind und fast ohne Worte. Als er im Trainingslager dem frisch verpflichteten Akiyama auf dem Hotelflur begegnet sei, habe der zu ihm gesagt: „Sechser, Sechser – Six, Six“, erzählt Klefisch. „Und ich habe gesagt: „Ja, ja, genau.“ Offenbar habe sich Akiyama vorher angesehen, wen es in der Mannschaft auf seiner Position gebe – und dann gleich eine Verbindung hergestellt.
Der erste Döner für den Japaner
Auch Keeper Marcel Schuhen ist diese enge Verbundenheit seiner beiden Mitspieler nicht verborgen geblieben: Die beiden hätten wohl irgendwann auf dem Weg ihre gemeinsame Mutter verloren, scherzte er kürzlich. „Wir haben eine sehr gute Verbindung. Ich glaube, auf dem Platz harmoniert das auch sehr gut“, sagt Klefisch und fügt lachend an: „Deswegen könnte man denken, wir stammen von derselben Mutter. Aber das ist nicht so.“
Klefisch hilft seinem Mitspieler aus Fernost auch im Alltag beim Einleben in Deutschland. Kürzlich habe er ihm zum Beispiel einen Döner gezeigt – und so kam der Japaner erstmals in den Genuss des populären Imbisses. Den habe er gut gefunden und auch gut vertragen. „Jetzt kommt er gefühlt jeden zweiten Tag und sagt: Ich will Döner essen“, sagt Klefisch und lacht erneut.
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Bildquellen
- SVD-dsc-2025-26-blog-0075: Arthur Schönbein
- SVD-dsc-2025-26-blog-0072: Arthur Schönbein


