Zeitspiel und Schwalben sind keine Seltenheit im Fußball. Und sie gehören manchmal auch zum taktischen Repertoire. Ob ein Spieler nur Zeit schinden will oder ernsthaft verletzt ist, lässt sich allerdings nicht immer feststellen. Mit diesem Thema musste sich auch Florian Kohfeldt im Anschluss an den Sieg des SV Darmstadt 98 bei Hannover 96 befassen – und wurde deutlich. Ob die Verletzung von Marcel Schuhen ein „glücklicher Zufall” oder ein „schlaues taktisches Mittel” gewesen sei, wollte einer der anwesenden Journalisten auf der Pressekonferenz wissen. Eine Frage, die viel Raum für Diskussionen öffnet – und Kohfeldt deutlich missfiel.
Eine brisante Unterbrechung
Lilien-Torwart Marcel Schuhen konnte sich in der Partie mit mehreren Glanzparaden auszeichnen und hatte maßgeblichen Anteil am Auswärtssieg. In der 68. Minute war er dann beim Stand von 2:2 zu Boden gesunken, hatte den Ball ins Seitenaus geworfen und sich an die Innenseite des rechten Oberschenkels gefasst. Das Spiel wurde unterbrochen, damit der Keeper behandelt werden konnte..
Das Brisante an der Situation: Isac Lidberg hatte das Feld wenige Minuten zuvor angeschlagen verlassen, sein Ersatz Bartosz Bialek wartete bereits längere Zeit an der Seitenlinie auf seine Einwechslung – die Lilien spielten in diesem Moment also in Unterzahl.
Kohfeldts Team hatte in der zweiten Hälfte bis zu diesem Moment deutlich mehr vom Spiel gehabt. Hannover nutzte die Gunst der Stunde und kam in Überzahl zur ersten Drangphase seit Wiederanpfiff. Erst die von Schuhen erzeugte Unterbrechung erlaubte die Einwechslung Bialeks und somit die Wiederherstellung der zahlenmäßigen Ausgeglichenheit.
Kohfeldt wird deutlich
Was in der Frage also mitschwang: Kohfeldts Spieler hätte absichtlich eine Verletzung vorgetäuscht. „Ich wehre mich maximal und entschieden gegen solche Unterstellungen” entgegnete der Trainer des SV Darmstadt 98. Auch die Buhrufe gegen seine Schützlinge wegen vermeintlichen Zeitspiels gingen Kohfeldt gegen den Strich: „Da muss ich meine Spieler schützen. Das ist nicht in Ordnung – und auch eine Frage kann nicht in Ordnung sein.”
Begründet wurde der als Frage verpackte Vorwurf an Marcel Schuhen auf der Pressekonferenz auch mit dem Umstand, der Schiedsrichter müsse das Spiel bei einer Verletzung des Torhüters unterbrechen. Dies ist bei Feldspielern nur bei ernsthaften Verletzungen und Kopfverletzungen der Fall. Doch was sagen die Regeln?
Keine Klarheit im Regelwerk
Der DFB orientiert sich am Regelwerk des International Football Association Board (IFAB). Dort ist die Verletzung eines Torhüters zwar als „Ausnahme von der Verpflichtung zum Verlassen des Spielfelds” (Seite 75) festgeschrieben. In puncto Spielunterbrechung finden Torhüterverletzungen jedoch keine explizite Erwähnung. Es scheint also im Ermessensspielraum des Schiedsrichters zu liegen.
Fest steht: Die Unterbrechung in temporärer Unterzahl kam dem SV Darmstadt 98 in diesem Moment zugute. Nach Schuhens Behandlungspause setzte der Unparteiische die Partie mit einem Schiedsrichterball fort, den der Lilien-Keeper erst mit der Hand aufnahm und schließlich mit dem zuvor lädierten rechten Fuß abschlug. Ob Zufall oder nicht spielt letztlich aber keine Rolle – am Ende zählt die Gesundheit der Spieler.
Von Lilienblog-Autor Lauro Meisterjahn
Euch gefällt der Lilienblog? Dann unterstützt unsere Arbeit hier (->) und fördert so die Medienvielfalt in Südhessen und rund um den SV Darmstadt 98.
Bildquellen
- h96-SVD-2025-26-blog-0076a: Arthur Schönbein



Zeitspiel ist immer dann ärgerlich, wenn’s die gegnerische Mannschaft zu ihrem Vorteil betreibt. Wenn’s die eigene Mannschaft macht, ist es grundsätzlich „clever“. Nicht der Diskussion wert und eigentlich auch nicht der Erwiderung von oder Verteidigung durch Kohfeldt. Wenn es darum gegangen wäre, einen Wechsel durchführen zu können (ich erinnere mich, dass Kohfeldt nach einer Unterbrechung, in der Bialek noch letzte Anweisungen erhielt, und als der Schiri dennoch weiterspielen ließ dem 4. Offiziellen sagte „Was soll das? Wir haben klar gesagt, dass wir wechseln wollten.“ – war über die Außenmikros zu hören. Ansonsten hätte man den Ball ja vielleicht – wenn der Wechsel so eilig war – einfach mal weit in der gegnerischen Hälfte ins Aus dreschen können, um eine weitere Unterbrechung zu erzwingen.
Wir brauchen dringend den PMAR, den Psycho-Medical-Assistant Referee, um solche Situationen zukünftig besser einschätzen zu können.
Abgesehen davon: Gähn!