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Torschütze Luca Marseiler, Debütant Niklas Schmidt, die Nürnberger Überlegenheit im ersten Durchgang oder die Umstellung zur Pause – im Anschluss an die Pressekonferenz der Partie des SV Darmstadt 98 gab Florian Kohfeldt am späten Freitagabend umfassend Auskunft. Die wichtigsten Aussagen, die es nicht im Video zur Pk gibt, nach Stichworten:

Über seine Gedanken, als Marseiler vor dem 2:0 allein vor dem Tor stand

Sag ich nicht (grinst). Ich sage es mal so: Es ist gut, dass der Ball drin war. Er wollte auf Nummer sicher gehen. Man muss dazu sagen, dass Luca eine ziemlich gute Saison gespielt hat. Aber bislang hat genau so ein Moment gefehlt. In Bochum hätte er drei Tore  machen können, da müssen wir ehrlich sein. Heute macht er den halt. Aber ich messe ihn nicht nur daran. In dem Moment wäre die einfachere Lösung gewesen, auf Marco (Richter) zu spielen. Andersrum: Er war fokussiert, er wusste, was er da tat. Der Chip war kein Zufall. Das sehen wir häufiger im Training von ihm.

Über den Wert Marseilers für die Mannschaft

Viel wichtiger als das Tor ist, wie er zum Beispiel später nachgeht, als er die Torchance von Fraser vorbereitet, wie er die Grätsche rausholt, wie er hinten arbeitet. Das ist ein Kennzeichen der gesamten Mannschaft. Wir sind in allen Spielphasen in der Lage, gefährlich zu werden. Wir sind eine Mannschaft, die aus dem Positionsspiel die meisten Tore schießt. Aber wir können auch aus dem Umschalten Tore schießen. Ich freue mich immer, wenn die gegnerischen Trainer uns darauf reduzieren, weil die Statistiken geben das ganz und gar nicht her. Und wir haben immer die Möglichkeit, über Standards gefährlich zu werden. Luca bringt sich komplett in alle drei Bereiche ein. Als wir angefangen haben, mit ihm zu arbeiten, war er ein reiner Eins-gegen-Eins-Spieler. Jetzt kann er auch im Zwischenraum angespielt werden. Ich finde wirklich, dass er da einen Riesenschritt gegangen ist, als Spieler, aber auch als Persönlichkeit.

Sergio Lopez und Marco Richter, SV Darmstadt 98 - !. FC Nürnberg

Deutlich verbessert; Sergio Lopez und Marco Richter in der Partie des SV Darmstadt 98 gegen Nürnberg

Über Lopez und Richter, die nach ihren Fehlern im Bochum-Spiel gegen Nürnberg stark spielten

Marco macht einen sehr gefestigten Eindruck. Er hat von der Energie, von der Intensität immer wieder die Läufe gemacht, die wehtun. Er spielt auch mal einfache Dinge. Und dann funktioniert sogar der Befreiungsschlag, der zum Assist wird. Da habe ich mir keine Sorgen gemacht. Mit Sergio müssen wir immer wieder daran arbeiten, dass er die Balance hält zwischen seinem fußballerischen Potenzial, das er nach vorne hat, und seiner Risikoabwägung. Wir hatten heute in der 86. Minute wieder eine Situation, direkt vor meiner Bank, wo er einen 50-50-Ball mit dem offensiven Gedanken eher überholt als abzusichern. Da sind wir dann wieder bei der Diskussion Offensiv vs. Pragmatismus. Sergio muss man immer ein bisschen in die Richtung Pragmatismus schubsen. Aber meistens macht er das sehr gut.

Über seine Aufforderung an die Haupttribüne bei der Auswechslung der beiden Torschützen

Ich fand, da hätte ruhig das ganze Stadion aufstehen können. Das fände ich als Fußball-Romantiker schön. Und das habe ich probiert. Die sechs Reihen hinter mir haben geklappt. Aber das war’s dann auch schon.

Florian Kohfeldt, SV Darmstadt 98 - 1. FC Nürnberg

Fußball-Romantiker Florian Kohfeldt motiviert die Haupttribüne beim Spiel SV Darmstadt 98 – 1. FC Nürnberg

Über die Perspektive auf ein Spiel von der Tribüne, die sein gesperrter Gegenüber Miroslav Klose beschrieben hatte

Der Erste, der das gemacht hat, und der war ziemlich klug, war Berti Vogts bei Bayer Leverkusen. Das macht schon Sinn. Du siehst wirklich viel mehr. Ich glaube, dass das vor allem bei Auswärtsspielen Sinn hat, wo du noch nie oder kaum gespielt hast. Bei Heimspielen, wenn du diese Perspektive häufig hast, lernst du das zu sehen. Aber Paderborn war so ein Beispiel, da habe ich nicht viel gesehen von dem, wo Räume sind. Aber wir haben eine sehr gute Analyseabteilung, die sitzen zu dritt da oben, und wir kriegen die Infos von dort. Deshalb bin ich bislang immer noch zu dem Schluss gekommen, dass es mehr Sinn hat, dass ich unten bin. Aber ich verstehe den Ansatz.

Über die lange Pause bis zum nächsten Spiel am kommenden Sonntag bei Hertha BSC

Ich bin froh, dass wir eine lange Trainingswoche haben. Die Trainingswoche wird Rafa Nürnberger gut tun, die Trainingswoche wird Raoul Petretta gut tun, die wird Niklas Schmidt gut tun. Dass wir auch Tage haben, wo wir wirklich intensiv trainieren können. Stand jetzt habe ich nichts gehört, dass irgendjemand etwas im Spiel gegen Nürnberg abgekriegt hat. Auch bei Fraser ist es nur ein kleiner Schlag, aber nichts Schlimmes.

Über das Debüt von Neuzugang Niklas Schmidt als Einwechselspieler

Ich glaube, für Niklas geht es vor allen Dingen darum, die Verbindung zu seinen Mitspielern zu bekommen. Ich habe ein, zwei Bälle gesehen, die nicht in der 2. Liga so viele aus dem Fußgelenk spielen – zum Beispiel den einen Direktpass als Seitenverlagerung. Eine Situation fand ich aber auch symptomatisch, als Frazer und Isaac tiefe Läufe anbieten, er am 16er ist und dann noch das falsche Timing da ist. Das ist für eine Trainingswoche so wichtig. Ich bin mir relativ sicher: In zwei bis drei Wochen spielt er den Ball im richtigen Moment, weil er weiß, was Fraser und Isac machen.

Über die Gewichtung von Umschaltspiel und Positionsspiel

Wir hatten drei Halbzeiten, die mir nicht gefallen haben in letzter Zeit. Das waren die zweite Halbzeit gegen Münster, die zweite Halbzeit in Paderborn und die zweite Halbzeit in Bochum. Dem stehen aber drei andere Halbzeiten gegenüber. In Bochum haben wir uns etwa aus dem Positionsspiel fünf Großchancen erarbeitet. Allerdings hatten wir teilweise den Habitus, dass wir auf etwas gewartet haben. Dann gehen wir einen Schritt zurück, dann schlagen wir lieber mal einen langen Ball, anstatt uns frei zu spielen. Das ist aber eher etwas Individuelles. Und daran arbeiten wir. Deshalb war es heute auch ein wichtiger Schritt, dass wir in der zweiten Halbzeit nicht gesagt haben: Jetzt gehen wir ein bisschen tiefer. Unser grundsätzlicher Ansatz bleibt: Wir wollen den Ball, wir wollen aus dem Ballbesitz zielstrebig Torchancen erarbeiten. Keine Frage, dass wir das über die letzten Wochen nicht jedes Spiel dauerhaft hingekriegt haben. Aber es ist auch eine Riesenqualität einer Mannschaft, in Spielen Punkte zu holen, in denen nicht alles nach Plan läuft. Und ich finde, dass wir uns unserer Form wieder annähern.

Über die Dominanz von Nürnberg in der ersten Halbzeit

Warum haben wir Torchancen kassiert? Weil wir hoch gepresst haben und sie dann eine Lösung gefunden haben. Es war ja nicht so, dass wir jetzt erste Halbzeit passiv waren. Ich wusste, es ist ein Risiko, gegen diese Mannschaft und noch mehr ein Risiko mit der Kette, in der wir dann gespielt haben. Aber mir war das heute wichtig. Vielleicht hätte ich in einer Top-Phase von uns einen anderen Ansatz gewählt. Vielleicht hätte ich sogar gesagt, wir stellen uns ein bisschen tiefer, weil es auch für so eine Mannschaft nicht ganz einfach ist, einen tiefen Block auszuspielen. Aber wir mussten unbedingt ein aktives Spiel machen. Dass da Nürnberg in erster Halbzeit Lösungen gefunden hat, lag an ihnen und lag natürlich auch daran, dass wir nicht alles richtig gemacht haben. Aber ich glaube, es war die Basis dafür, dass wir dann in der zweiten Halbzeit weitermachen konnten.

Über den Seitenwechsel von Marseiler und Richter zur Pause

Das hatte nichts mit Mey Papela zu tun, sondern mit dem Pressing. Wir haben in der ersten Halbzeit mit Hiro auf der Zehn in der Raute gepresst. Dann haben wir Fraser tiefer hinter Isac spielen lassen. Und dann ging es einfach darum, dass wir nach Ballgewinn eher Luca in diesem Raum finden wollten, weil wir das Gefühl hatten, dass wir da mehr Platz haben als auf der anderen Seite.

Was Florian Kohfeldt über Merveille Papela gesagt hat, lest ihr am Sonntag in einer Extra-Geschichte im Lilienblog.

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Bildquellen

  • SVD-fcn-2025-26-blog-0011: Arthur Schönbein
  • SVD-fcn-2025-26-blog-0059: Arthur Schönbein
  • SVD-fcn-2025-26-blog-0069: Arthur Schönbein

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