Hier könnte auch Deine Werbung stehen!
Interessiert? Dann kontaktiere uns unter partner@lilienblog.de
Es gibt keine Schiedsrichterkrise, sondern eine Autoritätskrise, wie das Spiel des SV Darmstadt 98 in Dresden gezeigt hat. Und mit der Mindestmaß-Sperre für Patric Pfeifffer hat der DFB die Autorität seiner Unparteiischen nicht gerade gestärkt, findet Lilienblog-Autor Stephan Köhnlein.
Es ist eine gute Nachricht für den SV Darmstadt 98. Und keine wirklich gute für die Schiedsrichter: Patric Pfeiffer wurde vom DFB-Sportgericht für seine Rote Karte im Spiel gegen Dynamo Dresden für eine Partie gesperrt. Das ist das geringstmögliche Strafmaß für einen Platzverweis bei einer Notbremse. Also alles nicht so schlimm? Lag der hart kritisierte Schiedsrichter Lars Erbst doch nicht so ganz richtig mit seiner Entscheidung, nachdem er nach dem Spiel noch Rückendeckung von der DFB-Schiri GmbH erhalten hatte (->)?
Es ist müßig, die Leistung von Erbst weiter zu diskutieren, wie das bereits ausführlich und kontrovers in den vergangenen Tagen auf diversen Kanälen geschehen ist. Es gibt Argumente, die seine Entscheidungen bei Pfeiffer und auf der anderen Seite beim Zweikampf von Dresdens Thomas Keller gegen Isac Lidberg untermauern. Es gibt Argumente, die seine Entscheidungen als unangemessen oder falsch erscheinen lassen. Und es gibt Argumente, die schlichtweg nicht ziehen, wie die angebliche Unterscheidung zwischen Textilvergehen und einer Aktion gegen den Ball.
Der Fluch des VAR
Haben wir jetzt eine Schiedsrichterkrise? Ich finde nein. Es ist eher eine Autoritätskrise. Früher hatte der Schiedsrichter auf dem Platz das Sagen – mit Konsequenzen bis hin zu Phantom-Toren, die über Weltmeisterschaften entschieden. Heute ist nicht mehr so ganz klar, wer eigentlich das Sagen hat. Zunächst darf der Schiedsrichter zwar weiter pfeifen. Manchmal tut er das auch. Manchmal wartet er lieber gleich auf den VAR. Und dann setzt ohnehin das TV- und Fan-Gericht ein, das oft erst abebbt, wenn es im nächsten Spiel wieder eine strittige Entscheidung gibt.
Die Einführung des VAR hat mit Sicherheit dazu geführt, dass es weniger krasse Fehlentscheidungen gibt. Aber auch der VAR ist nicht unfehlbar. Der weit verbreitete Irrglaube: Er wird nicht abstellen, dass es weiterhin jeden Spieltag mehrere Situationen gibt, die sich auch nach zig-maligem Videostudium nicht eindeutig entscheiden lassen, weil es einen Ermessensspielraum gibt. Erst recht nicht, wenn unklar ist, wer überhaupt entscheidet.
Klar: Solche Situationen gehören zum Fußball. Sie tragen zu seinem großen Reiz bei, weil man als Fan und/oder Fachmann immer etwas zu diskutieren hat. Sogar über haarsträubende Ungerechtigkeiten wie das Wembley-Tor. Wobei man das in England eben oft anders sieht. Aber es gibt Grenzen, was die Kritik an den Unparteiischen (denn das sind sie, was zu oft vergessen wird) angeht, die sich jedes Wochenende zur Zielscheibe auf den Fußballplätzen machen.
Womöglich kann man es ja einfach auch öfter mal so halten wie einer der Leidtragenden des Dresden-Spiels: Matej Maglica erklärte, als er mit dem Fußball angefangen habe, habe er eine Entscheidung getroffen: nicht über Schiedsrichter zu urteilen. Der Schiedsrichter treffe seine Entscheidungen. Wenn etwas gepfiffen werde, dann werde es in der Regel nicht zurückgenommen. Und das müsse man dann akzeptieren.
Euch gefällt der Lilienblog? Dann unterstützt unsere Arbeit hier (->) und fördert so die Medienvielfalt in Südhessen und rund um den SV Darmstadt 98.
Bildquellen
- SVD-f95-2024-25-blog-0034: Arthur Schönbein
