Der SV Darmstadt 98 hat ein Verletzungs- und Fitnessproblem, das derzeit massiv durchschlägt. Der Lilienblog nennt vier zentrale Gründe dafür.
Die Wintervorbereitung
Bei eisigen Temperaturen starten die Lilien am 3. Januar in die Vorbereitung auf die Rückrunde. Da waren Matej Maglica und Aleksandar Vukotic schon krank. Später erwischte der Infekt noch zahlreiche andere Spieler. Zeitweise musste Videoanalyst Immanuel Höhn (34) im Trainingslager in El Saler einspringen, damit bestimmte Spielformen umgesetzt werden konnten. Dann verletzten sich Matthias Bader und Bartosz Bialek und fielen wochenlang aus. „Die Winterpause hat uns rausgeworfen. Bis dahin waren wir voll im Soll“, befand Kohfeldt nach dem Hannover-Spiel mit Blick auf die körperlichen Defizite mancher Spieler. „Du kannst das dann nicht mehr am offenen Herzen reparieren.“

Da waren sie noch fit – Fraser Hornby (Mitte) und Bartosz Bialek (links) beim Trainingsauftakt.
Die Vorbelasteten
Die Probleme begannen jedoch schon vor der Winterpause. Fabian Nürnberger verletzte sich Anfang Oktober beim Auswärtsspiel in Kiel am Meniskus und wurde operiert. Rund anderthalb Monate später gab der Linksverteidiger sein Comeback. Doch fit war er noch lange nicht. „Ich wusste, dass mit dem, was ich im Knie hatte, die Zeit nicht da ist, die man eigentlich bräuchte, um es ganz wegzubekommen“, räumte er am Mittwoch ein. „Das war dann so ein Kompromiss, den ich selber eingegangen bin.“
Probleme bereiteten Nürnberger dann die Nachwirkungen der Operation. Immer wieder lief Flüssigkeit ins Knie nach. Das hatte auch Folgen für die Oberschenkelmuskulatur. Während Kohfeldt noch vor wenigen Wochen gesagt hatte, dass es schwierig werde, Nürnberger für den Rest der Saison dauerhaft für 90 Minuten fit zu bekommen, gibt sich der Spieler mittlerweile aber deutlich optimistischer: „Ich bin fit wie lange nicht mehr und auf jeden Fall bereit für die letzten fünf Spiele“, sagte Nürnberger.
Auch bei Killian Corredor war nicht genug Zeit da, um seine Beschwerden im Hüftbereich auszukurieren. Nach langem Rätselraten konnte zwar die Ursache geklärt werde. Aber auch hier fehlte die Zeit, um die Verletzung auszukurieren oder gar mit einer Operation zu beheben. So schleppt sich der Franzose über weite Teile der Rückserie mit Schmerzen über die Runden – und ist sportlich – ähnlich wie Nürnberger – meist ein Schatten der Hinrunde.

Labiles Gleichgewicht – Killian Corredor kämpft mit Problemen im Hüftbereich.
Die Kreuzbandpatienten
Im Schnitt hat eine Profimannschaft in Deutschland ungefähr 0,5 Kreuzbandrisse pro Saison. Bei den Lilien lag die Zahl in den vergangenen zwei Jahren mit Fabian Holland, Paul Will, Matthias Bader und Luca Marseiler viermal so hoch. Marseiler fehlt noch bis nächstes Jahr, Holland, Bader und der inzwischen nach Fürth verliehene Will spielen zwar wieder, haben bei den Lilien seither aber nicht mehr (oder noch nicht) das Niveau von vor ihren Verletzungen erreicht.
Hinzu kommen noch Angreifer Bartosz Bialek und Winterneuzugang Niklas Schmidt, die sich ihre Kreuzbandverletzungen (Bialek sogar gleich drei) bei ihren vorigen Vereinen zugezogen hatten. Auch sie sind bis heute noch nicht voll belastbar. Bialek hatte zudem Pech, dass er sich im Trainingslager am Sprunggelenk verletzte, was ihn wochenlang mattsetzte.

Schon wieder ein Kreuzbandriss: Luca Marseiler im Spiel gegen Schalke.
Verletzungsanfälligkeit der Leistungsträger
Insgesamt sind die Ausfälle beim SV Darmstadt 98 laut Verein im Vergleich zum Vorjahr niedriger. Wenn es jedoch eine Spieler erwischt, dann handele es sich überdurchschnittlich oft um einen Stammspieler.
Und obwohl der Kader deutlich breiter aufgestellt ist als in der Vorsaison, schlagen Ausfälle bei Kalibern wie den Angreifern Isac Lidberg und Fraser Hornby, Antreiber Kai Klefisch oder kürzlich Flügelspieler Luca Marseiler voll ins Kontor.
Und wie seht ihr das?
Sind die Argumente für die Verletzungs- und Fitnessprobleme plausibel?
- Ja, klingt einleuchtend (45%, 109 Votes)
- Teils, teils (39%, 94 Votes)
- Nein, alles Schutzbehauptungen und Schönrednerei (16%, 38 Votes)
- Weiß nicht (1%, 3 Votes)
Total Voters: 244
Die Umfrage läuft bis Freitag, 17. April, um 12 Uhr mittags.
(korrigierte Version, Zahl der Kreuzbandriss ist viermal so hoch, nicht doppelt so hoch)
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Bildquellen
- 13586: Lauro Meisterjahn
- SVD-h96-2025-26-blog-0026: Arthur Schönbein
- SVD-s04-2025-26-blog-0025: Arthur Schönbein
- SVD-h96-2025-26-blog-0052: Arthur Schönbein





Wenn wir überdurchschnittlich viele Kreuzbandrisse haben, dann spricht das nicht gerade für Fitness und Koordinationsvermögen. Aber das dürfte noch eine Hypothek aus der Vor-Kohfeldt-Ära sein.
Es ist schwer nachvollziehbar, dass Spieler eingesetzt wurden, die sich noch nicht in einem optimalen Fitnesszustand befinden. Es steht die Hypothese im Raum, dass es sich hierbei um einen Vorsatz des Trainerteams Kohlfeldt handelt. Sofern diese Annahme korrekt ist, ist zu hinterfragen, warum von dieser Strategie abgewichen wird, was für die Spieler nachteilig ist.
Es ist schwer nachvollziehbar, dass bei der Planung der Wintertransfers nicht berücksichtigt wird, dass der Kader einige angeschlagene Spieler umfasst. Stattdessen werden Spieler verpflichtet, die nicht die ausreichende Kondition aufweisen, um über neunzig Minuten eingesetzt werden zu können.
Kreuzbandrissquote ist 4 mal so hoch, nicht doppelt. Wir hatten 4 statt durchschnittlich 1 in 2 saisons
Danke für den Hinweis, ist korrigiert
Das Argument mit dem Wintertrainingslager kann ich nach wie vor nicht richtig verstehen. Warum soll dieses ausgerechnet für die Fitness der ausschlaggebende Punkt sein? Die vielleicht notwendige Fitness hätte man sich auch in einer der Länderspielpausen in einem verkürzten Trainingslager holen können, wenn es da so enorme Probleme mit der Fitness gibt.
Auch kann ich nicht verstehen, warum die Mannschaft in der Hinrunde diverse Spielformen beherrscht, nur um da dann Defizite in der Rückrunde zu haben.
Ich kann es sowieso nicht verstehen, warum man im Winter immer ins „warme“ fahren muss für ein Trainingslager. Die Spieler bereiten sich bei wohligen Temperaturen um die 20C° auf die Rückrunde vor, um dann bei -2C° in das erste Spiel zu gehen. Ist doch eigentlich selbsterklärend das die Spieler dann reihenweise mit irgendwelchen Erkältungen ausfallen.
Drei der vier Kreuzbandrisse sind aus der Vorsaison. Lediglich der Kreuzbandriss von Marseiller ist hinzugekommen. Aber klar, die Folgeerscheinungen der Kreuzbandverletzungen hat man wohl falsch eingeschätzt bzw. ist in das Risiko gegangen. Das war aber kalkulierbar und hätte in der Winterpause korrigiert werden können.
Ich frage mich warum man dann nicht -vor allem im Winter- Spieler geholt hat, die uns sofort weiterhelfen können – dann da hatten wir ja anscheinend schon zig angeschlagene Spieler mit Konditionsrückständen aufgrund von Rekonvaleszenz oder weswegen auch immer.
Ich glaube, dass zB jmd wie Petretta uns noch viel Spass machen wird, er jedoch mit absolutem Trainigsrückstand eingekauft wurde (da er aus einer Liga mit anderem Spiel- bzw Saisonrhythmus kam).
Und ein Kondistionsrückstand aufgrund von Erkrankung /Infekt im Januar müsste im April doch längst wieder aufgeholt sein, oder…!?
Leider haben sich auch bisher nicht die „Experimente“ -angeblich ja „Win-Win-Situationen“- mit Leuten wie Boetius und Bialek „ausgezahlt“, sondern sind eher so eine Art „Platte /Vilhelmsson Reloaded“ …wobei ich ja immer noch hoffe, dass zumindest Bialek irgendwann doch noch gesund bleibt und richtig durchstartet…!?!
Die erwähnte Breite im Kader sehe ich überhaupt nicht, da sind wir viel zu schwach aufgestellt. Es fehlen in jedem Mannschaftsteil Spieler, die man eins zu eins mit der Stammelf austauschen kann. Was sich gerade im Sturm und offensiven Mittelfeld bemerkbar macht.