Florian Kohfeldt schildert, wie er die Schlussphase der Partie des SV Darmstadt 98 bei Greuther Fürth erlebt hat und welche Überlegungen es im Trainerteam gab. Außerdem spricht er über den starken Hiroki Akiyama, den verärgerten Kai Klefisch und Torschützen Yosuke Furukawa. Die wichtigsten Aussagen des Lilien-Trainers nach der Pressekonferenz jenseits der Kameras gegliedert nach Stichworten:
… über die verheerende Schlussphase
Von der 46. bis zur 75. Minute hatten wir viel Spielkontrolle, viel Klarheit, eine gute Raumbesetzung, viel Geduld. Die Spieler haben sich in ihre Stärken gebracht, Furu ins Eins gegen Eins, Fraser und Isac in die Box, Sergio hatte gute Aktionen, Marco hatte gute Aktion. Das war top. Dann schießt du das 2:1, und dann passiert der Wahnsinn, den ich, wenn ich ehrlich bin, nicht erklären kann: Du gibst sofort die Spielkontrolle ab; in dem Moment gehen alle zurück und stellen sich hinten rein. Wir haben auf der Bank überlegt, ob wir auf Dreierkette umstellen. Aber das Signal, das du damit sendest, ist: Hey, stellt euch hinten rein. Das wollten wir nicht. Nach dem 2:2 haben wir gesehen: Es geht nicht. Wir wollten gerade wechseln, und da fällt das 2:3. Das waren die letzten 20 Minuten aus meiner Sicht. Die waren grausam.
… über ein mutmaßliches Abseits beim 2:2
In den Bildern, die ich im Fernsehen und über Scouting-Videos sehe, sieht es auch nach einem möglichen Abseits aus. Aber ich fange jetzt nicht an, auch noch eine kalibrierte Linie zu hinterfragen. Wenn ich die anfange zu hinterfragen, muss ich eingewiesen werden. Das ist dann zu viel.
… über den Ärger von Kai Klefisch bei dessen Auswechslung
Es ist erstmal ein gutes Zeichen, wenn er sauer ist. Das zeigt das Leben in ihm. Er war nicht respektlos, er hat abgeklatscht. Alles okay. Ich wollte, weil wir spielüberlegen waren, einen Spieler auf dem Platz haben, dessen Fähigkeit noch mehr im letzten Pass liegt, im Ball in die Box, der vielleicht auch noch einen Abschluss selbst nehmen kann. Das habe ich bei Niklas gesehen. Das war ein rein sportlicher Entscheidung. Kai ist ein unumstrittener Stamm- und Achsenspieler. Da muss er sich keine Sorgen machen. Über die nächsten Wochen und Monate und vielleicht Jahre. Aber er muss wie jeder Spieler dieser Mannschaft akzeptieren, dass wir in gewissen Momenten auch andere Akzente auf dem Platz brauchen.
… über den eingewechselten Yosuke Furukawa
Furu hat eine gute Einwechslung gehabt. Ich will ihn nicht kleiner machen will, als er ist. Aber natürlich hat er auf seiner Seite defensiv das eine oder andere Thema gehabt mit Flanken. Offensiv ist er sehr schwer zu stoppen. Schön, dass er das Tor macht.
… über Hiroki Akiyama
Hiro wird immer besser, auch gegen den Ball. Er ist ein Zweikämpfer geworden. Vorletzte Woche hat er sich nochmal mit der Performance-Abteilung zusammengesetzt. Er hat seine Intensitäts- und Laufwerte um fast 20 Prozent erhöht, seit seinen ersten Spielen, also intensive Meter, Sprintmeter, Laufdistanz. Das ist top. Und seine Übersicht, seine Ballgewinne, seine Ideen nach vorne – er ist ein kompletter Sechser. Hervorragend!
… über den Umgang mit der dritten Niederlage am Stück
Das ist noch sehr frisch. So kurz nach dem Spiel geht da noch keiner damit um. Noch ist jeder für sich. Das ist auch normal. Es gab keine Diskussionen. Das kann ja auch ein Moment sein, wo man Fingerpointing macht und sagt, du und du. Das gab es überhaupt nicht. Und das wird es auch nicht geben bei uns. Es ist Enttäuschung. Wir werden versuchen, jedes weitere Spiel in dieser Saison zu gewinnen. Aber wir sind auch nicht vollkommen realitätsfremd. Wir wissen, dass es mit jedem nicht gewonnenen Spiel schwieriger wird, realistisch auf die ersten drei Plätze zu gehen. Nichtsdestotrotz war das auch nie ein Saisonziel von uns. Das muss man noch mal sehr deutlich sagen.
Was Kohfeldt über seine Perspektiven in Darmstadt sagt, lest ihr heute Nachmittag im Lilienblog
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Bildquellen
- sgf-SVD2025-26-blog-0032: Arthur Schönbein

