Als Kai Klefisch nach einer guten Stunde beim Stand von 1:1 gegen Greuther Fürth vom Platz musste, war er sichtlich angefressen (->). „Ich weiß es selber nicht. Ich kann nichts dazu sagen“, antwortete er auf die Frage nach den möglichen Gründen. Tatsächlich hatte der defensive Mittelfeldspieler nicht schlecht gespielt und sogar mit einem Schuss das bis dahin einzige Tor des SV Darmstadt 98 eingeleitet.
Trainer Florian Kohfeldt begründete die Auswechslung später damit, dass er mit dem eingewechselten Niklas Schmidt einen Spieler auf dem Platz haben wollte, dessen Fähigkeiten noch mehr im letzten Pass und im Ball in die Box liegen (->). Die Rechnung ging nur bedingt auf. Zwar gelang den Lilien zunächst die Führung, am Ende stand aber bekanntlich ein bitteres 2:3.
Die Lilien-DNA: Laufen, Grätschen und niemals aufgeben
Ob der SV Darmstadt 98 mit dem Kämpfer und Antreiber Klefisch gewonnen hätte, ist hypothetisch. Der Wechsel verdeutlichte jedoch ein grundlegendes Problem: Allein mit spielerischen Mitteln ist die Mannschaft zuletzt nicht mehr zum Erfolg gekommen. Dreimal hintereinander verlor man, rutsche auf Rang fünf ab.
Laufen und Grätschen, Kratzen, Beißen, bedingungsloser Einsatz und vor allem niemals aufgeben – das zählt für viele zur Lilien-DNA. „Man sollte uns erst abschreiben, wenn wir unter der Dusche stehen“, hatte Trainer Dirk Schuster vor dem Wunder von Bielefeld gesagt. Doch genau das ließ die aktuelle Mannschaft in den vergangenen Wochen vermissen.
Nun brauchen die Lilien erneut ein Wunder. Im Heimspiel gegen den Dritten Elversberg am Samstagabend geht es um die wohl letzte Chance, den Traum vom Aufstieg am Leben zu halten. Wobei die Ausgangssituation heute anders ist als 2014: Damals hatte es die Mannschaft im Relegationsrückspiel in Bielefeld selbst in der Hand. Jetzt muss sie selbst bei einem Sieg auf Ausrutscher der Konkurrenz hoffen.
Kämpfer wie Klefisch, Holland und Vukotic
Nicht unwahrscheinlich, dass Klefisch gegen Elversberg wieder in der Startformation stehen wird. „Kai ist ein unumstrittener Stamm- und Achsenspieler. Da muss er sich keine Sorgen machen“, sagte Kohfeldt. „Über die nächsten Wochen und Monate und vielleicht Jahre.“ Und es gibt noch mehr Spieler, die wie Klefisch Kampfgeist verkörpern, Zeichen auf dem Platz setzen, so die Mannschaft mitreißen und das Stadion anzünden können: Fabian Holland zum Beispiel oder Aleksandar Vukotic.
Kann die Mannschaft mitreißen und das Stadion anzünden – Aleksandar Vukotic
Doch das stellt Kohfeldt vor die Frage, wer dafür weichen muss. Holland könnte er in dessen letzten Spielen für die Lilien (->) auf die Linksverteidigerposition setzen, weil Fabian Nürnberger wegen seiner Oberschenkelverletzung aus dem Fürth-Spiel ausfällt – allerdings mit der Gefahr, dass Hollands Geschwindigkeitsdefizite zum Sicherheitsproblem werden. Stellt er Holland auf die Sechs neben Klefisch, müsste Hiroki Akiyama weichen, der in Fürth eine starke Partie zeigte. Oder der Coach müsste das Mittelfeld umfassender umbauen.
Ähnlich ist die Situation bei Vukotic. Er konkurriert auf der linken Innenverteidigerposition mit Matej Maglica, der diese Saison schon sechs Tore in der Liga geschossen hat und auch in der Spieleröffnung etwas stärker ist. Eine mögliche Dreierkette mit Vukotic, Maglica und Patric Pfeiffer hat sich in der bisherigen Saison aber mit Blick auf das Offensivspiel nicht wirklich bewährt. Und gegen Elversberg muss eben ein Sieg her.
Turnaround oder Ballast?
Mit Recht verweist Kohfeldt immer wieder darauf, dass sich die nur wenig veränderte Mannschaft im Vergleich zur vergangenen Saison deutlich entwickelt habe. Während man jetzt am 31. Spieltag noch vom Aufstieg träumt, schaffte man vor einem Jahr an diesem Spieltag gerade den Klassenerhalt und wurde am Ende Zwölfter.
Dennoch: Die jüngsten Misserfolge werfen einen Schatten auf das Erreichte. Mit einem Turnaround im Endspurt würde man mit einem versöhnlichen Gefühl in die Sommerpause gehen. Setzt sich der Abwärtstrend fort, kann das jedoch zum emotionalen Ballast für die neue Saison werden. Wie schwer der auch über die Sommerpause hinweg wiegen kann, haben die Lilien in den vergangenen Jahren schon mehrfach erlebt.
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Bildquellen
- SVD-ksv-2025-26-blog-0062: Arthur Schönbein
- sgf-SVD2025-26-blog-0049: Arthur Schönbein

