Was tut man als Trainer, wenn die Mannschaft gerade einen 2:0-Vorsprung verspielt, sich selbst dezimiert und kurz vor der Pause in Rückstand gerät? Man kann sie erstmal die Dinge untereinander klären lassen. Wahrscheinlich kein Patentrezept für alle Situationen. Aber beim Spiel des SV Darmstadt 98 gegen die SV Elversberg lag Lilien-Coach Florian Kohfeldt damit richtig – und brachte seinen Sportdirektor Paul Fernie so ins Schwärmen.
„Flowar sensationell in der Halbzeitpause. Er hat die notwendige Ruhe reingebracht. Er hat den Glauben aufgebaut. Das zeichnet Flo aus. Er findet die richtige Wortwahl und den Ton“, sagte Fernie und fügte an. „Die Halbzeitpause war eine Flo-Kohfeldt-Masterclass.“ (mehr Aussagen von Fernie gibt es hier ->).
„Bloß jetzt nicht unter die Räder geraten“
Dabei hatte sich Kohfeldt nach dem Pausenpfiff zunächst zurückgehalten: „Erstmal hat die Mannschaft mit sich selber geredet, was ganz wichtig ist“, sagte der Coach nach der Pressekonferenz. „Fraser war im Mittelpunkt. Er hat mehrfach betont: It’s not finished.“ Kohfeldt selbst hatte zwiespältige Gefühle: „Mein erster Gedanke, als ich zur Halbzeit gegangen bin, war: schnell tiefer Block, bloß jetzt nicht unter die Räder geraten, nicht hier mit vier, fünf Toren verlieren, was gegen die Qualität von Elversberg ja nicht völlig aus der Welt ist.“
Schließlich habe er sich für eine Mischung entschieden. Man sei bei der Viererkette geblieben, habe drei Sechser aufgestellt, was vor allem Hiroki Akiyama und Marco Richter „unfassbar gut“ gemacht hätten. Zudem habe man Isac Lidberg als einzige Spitze vorne gelassen, um die letzte Reihe von Elversberg bedrohen zu können und sich doch nicht mit neun Mann zurück in den tiefen Block zurückgezogen.
„Wir haben ganz großen Fokus aufs Gegenpressing gelegt, weil das die Situationen sind, in denen du trotzdem Druck erzeugen kannst“, sagte Kohfeldt. „Und wir haben auch gesagt: Lass uns so lange so spielen, bis sie uns wirklich Mann auf Mann zustellen. Dann müssen wir sie überspielen.“ Das habe bis zur 70. Minute gut geklappt. Dann habe man mit allem, was man hatte, verteidigt – auch mit Lidberg als Rechtsverteidiger.
„Als Fußballfan gehe ich glücklich nach Hause“
Beide Teams hätten noch die Chance auf den vierten Treffer gehabt, letztlich sei es „ein cooler Fußballabend“ gewesen. Kohfeldts Resümee: „Als Fußballfan gehe ich glücklich nach Hause. Als Trainer von Darmstadt 98, der in der langfristigen Perspektive denkt, gehe ich auch glücklich nach Hause. Als Trainer von Darmstadt 98, der nur an diese Saison denken würde, tut es trotzdem weh, dass mit dem Punkt der Abstand (zu den Aufstiegsrängen) wahrscheinlich zu groß geworden ist.“
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Bildquellen
- SVD-elv-2025-26-blog-0007: Arthur Schönbein






Warum ist ihm das in den Spielen vorher nicht gelungen? Da wirkte er oft recht ratlos oder war es die Mannschaft selber die sich am Schopf aus der prekären Lage gezogen hat?
„Kohfeldt selbst hatte zwiespältige Gefühle: „Mein erster Gedanke, als ich zur Halbzeit gegangen bin, war: schnell tiefer Block, bloß jetzt nicht unter die Räder geraten, nicht hier mit vier, fünf Toren verlieren, was gegen die Qualität von Elversberg ja nicht völlig aus der Welt ist.““
Das ist schon so ein bisschen das Problem. Der Trainer-Hamlet. Bloß nichts überstürzen, selbst wenn hintenrum gerade die ganze Saison die Bach nunner geht. Weil es offen gesagt völlig egal ist, ob wir gegen Elversberg 2:3 oder 2:6 verlieren. Das war auf jeden Fall drin, denn spielerisch waren sie uns überlegen.
Mentalität schlägt Qualität: DAS war gestern die Devise und – mit Verlaub – was auf den Platz kam, war eine Mannschaft, die zeigen wollte, dass sie kämpfen kann und sie hat gekämpft. Ich wünsche mir, dass das im Wesentlichen aus dem Ehrgefühl der Spieler kam.
Denn: Wenn diese Leistung eine Pausenansprache vom Trainer gebraucht hat … dann braucht es diese Mannschaft nicht. Wenn diese Leistung OHNE Pausenansprache auch gekommen wären, dann IST das eine Darmstadt 98-Mannschaft.
Die Frage des Vorredners bleibt bestehen: Warum nicht diese Reaktion als noch etwas zu bewegen war? Wie waren da die Pausenansprachen? Und wie war da der Wille der Mannschaft?
@Maddin So langsam frage ich mich, ob Dir Kohfeldt persönlich etwas getan hat, wenn Du jede seiner Aussage gnadenlos-spöttisch zerpflückst und immer ein Haar in der Suppe findest??? Zum konkreten Fall: Kohfeldt hat seinen Gedankengang beschrieben, seine spontane Sorge. Ich glaube ehrlich gesagt auch nicht, dass es einem Großteil der Fans egal gewesen wäre, ob die Lilien 2:3 oder 2:6 verloren hätten. Letztlich hat Kohfeldt ja dann auch eben nicht den tiefen Block gewählt, sondern sich für eine kontrollierte Offensive in Unterzahl entschieden. Damit hat er die taktische Einstellung vorgegeben. Das ist sein Job. Und da lag er richtig. Aber wie wir auch beim Grohe-Event aus berufendem Munde gehört haben: In so einer Situation muss das entscheidende Signal aus der Mannschaft kommen! Und das kam ja diesmal dann auch.
Stefan Dein Post hatte etwas von Kohfeld Legenden Bildung. Deine Inhaltliche Nähe zu Kohfeld kann man ja immer wieder lesen oder Hören. Das ist auch Dein gutes Recht aber es gehört dazu auch andere Meinungen stehen zu lassen. Ich finde schon das Kohfeld in den letzten Wochen grosse Probleme hatte das in die Mannschaft zu bringen was wir in der 2HZ gegen Elversberg gesehen haben.
“ aber es gehört dazu auch andere Meinungen stehen zu lassen. “
Wieso der Satz? Wurde hier was gelöscht? Steht doch alles noch da.
Oder allgemeine Emfpindlichkeit bei Gegenrede?
Danke, Lilie. Genau das wollte ich mit meinem Kommentar sagen: Wir hätten schon länger mehr von dem gebraucht, was wir vorgestern in allerhöchster Not (allerdings, als es schon so gut wie zu spät war) zu sehen bekommen haben. Mein Vorwurf an Kohfeldt, Stephan, ist entsprechend dieser: Nicht dass er – wie Lilie es formuliert – nur „große Probleme hatte, das in die Mannschaft zu tragen“, sondern dass er diese Art von Spiel nicht goutiert und zu lang daran festhielt, es mit spielerischen Mitteln zu lösen, als die Felle schon längst am Schwimmen waren.
Wenn übrigens das, was vorgestern in der 2. HZ lief, eine „kontrollierte Offensive“ war, was haben wir dann all die letzten Wochen gesehen, bzw. was war dann die Direktive? Es kann ja in Abgrenzung zu vorgestern nur „keine Offensive“ gewesen sein. Da würde vermutlich jeder Experte und auch Kohfeldt abwehren und beschwichtigen: „Nein, natürlich möchten wir immer kontrolliert offensiv spielen“. Dann aber war die 2. HZ vorgestern eben keine „kontrollierte Offensive“, sondern eine „Offensive ohne Wenn und Aber“ bei gleichzeitig aufopferungsvollem Verteidigen mit Mann und Maus.
Wie gesagt: Das richtige Mittel kommt zu spät, die richtigen Schluss wurden zu spät gezogen und auch das nur unter dem Eindruck eines weiteren Rückstandes und einer Unterzahl.
@Maddin: Wir haben unter Kohfeldt viele richtig gute Spiele gesehen. Zuletzt war das nicht mehr der Fall. Der Fan-Reflex ist dann, auf den Trainer einzuschlagen, ihm bei jeder Gelegenheit versuchen nachzuweisen, dass er Unsinn redet und einen Fehler nach dem anderen macht, und ihn dann auch noch mit Spot und Häme überschütten. Mir ist das zu undifferenziert und zu populistisch. Konkret: Man könnte sich zum Beispiel ja auch mal die Frage stellen, wo die Verantwortung der Mannschaft ist, wenn sie ihr Potenzial nicht abruft. Wo war denn der Ruck, der in der Pause des Elversberg-Spiels – initiiert durch die Spieler – durch die Mannschaft ging, in den Spielen davor? Klar, der Trainer war schuld… Und ich bleibe dabei: Das Offensivspiel in Unterzahl war dann kontrolliert – mit einer Spitze und drei Sechsern. Unkontrolliertes Offensivspiel („ohne Wenn und Aber“) in Unterzahl haben wir zuletzt beim 0:8 in München vor bald drei Jahren gesehen. Braucht kein Mensch. Und auch da bleibe ich dabei: Wenn die Lilien gegen Elversberg dann 2:6 verloren hätten, hätte das niemand gut gefunden – außer Dir 😉 – vielleicht.
@lilie: Verstehe nicht, was daran Legenden-Bildung sein soll. Ich habe aufgeschrieben, was Kohfeldt nach der Pressekonferenz erzählt hat. Da kann sich dann jeder seine Meinung selbst bilden. Und dann kann man drüber diskutieren. Aber niemand hat hier das Recht, dass seine Meinung dann ohne Gegenrede bleibt (Danke @Heiner 81). Und wenn ich das Gefühl habe, dass jemandem unrecht getan wird (wie in dem Kommentar von @Maddin), werde ich hier immer meine Stimme erheben – egal ob Kohfeldt jetzt oder früher Lieberknecht, Grammozis, Hornby usw.. Ansonsten die Bitte: Wenn Du mich hier unter Deinem Pseudonym ansprichst bzw. kritisiert – mach Dir doch wenigstens die Mühe, meinen Namen richtig zu schreiben. Hat auch etwas mit Respekt zu tun… Danke!
Die Mannschaft hat in der zweiten Halbzeit richtig stark verteidigt. Hätte man die eine oder andere Situation besser ausgespielt, dann wäre sicherlich noch mehr möglich gewesen. Der Wille und der Einsatz haben gestimmt.
Ich frage mich, warum kann das nicht auch mit 11 Mann funktionieren und warum kann man so nicht auch in Fürth verteidigen? Das Stilmittel, sich hinten rein stellen und verteidigen, ist sicherlich kein schönes. Aber effektiv. Wir haben in der zweiten Halbzeit kein weiteres Tor zugelassen. Was gegen eine so spielstarke Mannschaft wie Elversberg schon eine klasse Leistung ist. Warum kann das in gewissen Spielsituation nicht mal ein Mittel sein? Ich habe das Gefühl, dass immer alles schön ausgespielt werden muss. Das man aber auch einfach mal schnörkellos den Ball hinten rauskloppt und schaut wie der Gegner damit umgeht, gibt’s bei uns nicht.
Vielleicht lag es aber auch an den Wechseln. Mit Vukotic und Holland hatte man neben Erfahrung auch eine gewisse Aggressivität in den Zweikämpfen auf dem Platz. Die beiden fackeln nicht lange und ersterben nicht in irgendwelchen Dribblings.