Nach der Pressekonferenz der verlorenen Partie des SV Darmstadt 98 in Karlsruhe sprach Florian Kohfeldt über einzelne Spieler und ging vor allem in die tiefere Analyse. Die Aussagen des Lilien-Trainers nach Stichpunkten:
der mögliche Elfmeter für Lidberg
Ich war bei den Schiedsrichtern in der Kabine, da war ich ein bisschen laut, weil gesagt wurde, dass es glasklar kein Elfmeter sei. Das kann ich auf gar keinen Fall unterschreiben. Ich bin dann nochmal reingegangen und habe gesagt: Okay, laut muss man nicht sein, das tut mir leid. Aber der Schiedsrichter und ich sind und bleiben da inhaltlich nicht der gleichen Meinung. Ich glaube, es ist auch wahrgenommen worden, dass ich das nicht in meine Spielanalyse genommen habe. Das habe ich bewusst nicht gemacht.
die Blessuren von Sergio Lopez, Matej Maglica und Fabian Holland
Sergio hätte nur im absoluten Notfall spielen können, er hat sich am Samstag eine Rückenblockade im Abschlusstraining geholt. Matej ist im Luftzweikampf falsch aufgekommen, hat sich das Sprunggelenk verstaucht. Ich hoffe, dass beide nächste Woche spielen können, sonst wird es wirklich eng. Vuko hat seine fünfte Gelbe. Bei Fabi hoffe ich, dass es wirklich nur in die Adduktoren reingezogen hat.
die Leistung der neuformierten Dreierabwehr
Im Grunde sehr solide. Fabi, Vuko, Kai – top, muss ich sagen. Großes Lob auch an Grayson (Dettoni), der sein Zweitligadebüt gefeiert hat und das auch sehr ordentlich macht. Beim zweiten Gegentor kann er eher die Mitte vom Tor verteidigen, als am zweiten Pfosten zu bleiben. Aber grundsätzlich, hat er gezeigt, dass er auf dem Niveau spielen kann. Das ist eine gute Erkenntnis.
die Leistung von Aleksandar Vukotic
Er hat in der Rückrunde nicht so viel gespielt, aber er hat sich intern überragend verhalten. Er ist jemand, bei dem wir durchaus in der Zukunft weiter Hoffnung haben, auf ihn zu bauen. Beim zweiten Tor nimmt er den Ball in Topform vielleicht weg. Er muss halt hochspringen. Wenn er dann geschubst wird, ist es ein Foul. Das muss man ehrlich sagen. Aber seine Grundattitüde hat uns schon sehr geholfen.
das Freistoßtor zur Karlsruher Führung
Inzwischen wird viel in die Torwartecken geschossen. Das machen wir auch, so haben wir schon Tore durch Marco Richter und Matej Maglica gemacht. Weil die Jungs inzwischen alle so gut schießen können, wenn du nicht ein bisschen spekulierst. Klar sieht der Torwart in dem Fall blöd aus. Aber wenn er über die Mauer geht und er bleibt da stehen, sieht er auch blöd aus. Das war die beschissenste Entfernung, die du gegen Marvin Wanitzek überhaupt kriegen kannst. Dann lieber noch fünf Meter näher dran, weil dann kann er nicht so viel Geschwindigkeit über die Mauer aufnehmen. So wie er von da schießt, schießt er mit der gleichen Geschwindigkeit in Torwartecke und in Mauerecke. Das ist halt eine herausragende Qualität.
die Auftritte von Hiroki Akiyama und Isac Lidberg
Ich fand Hiro wieder mal überragend. Das muss ich einfach mal proaktiv sagen. Unfassbar, was der spielt in dieser Saison. Und Isac war gut. Nicht nur wegen seines Tores. Es gibt viele positive Aspekte, aber am Ende bleibt eine Niederlage. Und die tut weh.
sein Blick auf den Rest der Saison
Wir sind Fünfter. Das wollen wir auch unbedingt bleiben. Wir haben weiterhin drei Punkte Vorsprung auf Hertha, vier für Kaiserslautern und noch zwei Spiele. Wenn du am Ende der Saison unter den Top-Sechs stehst, ist es rein tabellarisch gesehen eine Top-Saison. Es ist aber unglaublich wichtig für uns, dass wir mit einem Sieg aus dieser Saison rausgehen, um das Gefühl zu haben: Okay, das war gut. Grundsätzlich bin ich ein großer Freund davon, Dinge zu analysieren und gegebenenfalls besser zu machen, wenn wir nochmal in so eine Situation kommen. Wir werden unsere Schlüsse ziehen. Aber wir werden im nächsten Jahr auch ganz sicher nicht das Saisonziel haben aufzusteigen.
der verpasste Aufstieg
Es war wirklich nie unser Thema, dass wir aufsteigen wollen. Wir wollten uns weiterentwickeln in der Spielidee. Wir wollten die Spieler weiterentwickeln. Wir wollten im Umfeld stabiler werden. Das haben wir so gut geschafft, dass wir nach der Hinrunde in einer Position waren, in der wir tabellarisch in den Aufstiegsregionen waren. Bei uns hat sich dann im Kopf etwas verändert beim Hertha-Auswärtsspiel, als wir diese zwei krassen Fehler am Anfang machen und noch 2:2 spielen. Da haben wir auf dem Platz gesagt: Wenn man in der Lage ist, so ein Spiel auswärts noch zu drehen, dann hat man auch die Grundqualität aufzusteigen. Aber es ging für uns weiter Spiel für Spiel. Am Ende müssen wir reflektieren, wo die Mischung aus Leichtigkeit und Konzentration verloren gegangen ist. Darauf habe ich auch noch keine Antwort. Aber ich nehme diesen Aspekt sehr ernst.
die vielen Verletzten
Wir sind das zweite Jahr nacheinander in eine Grundausgangslage im Winter geraten, die uns Spielerverfügbarkeit dramatisch reduziert hat. Vielleicht weniger als letztes Jahr. Aber wenn man so will, waren es die Falschen. Und das ist ein Thema, was uns unserer Qualität beraubt. Und zwar nicht nur derer, die anfangen, sondern auch derer, die dann nochmal einen Push geben können von der Bank, weil die müssen dann ja anfangen. Wir konnten eigentlich vom Januar an im Trainingslager in Valencia durchgehend nur mit zwölf bis 13 Spielern trainieren. Da leidet Trainingsqualität. Dann kannst du gewisse Dinge nicht mehr machen. Das leidet auch ein Stück weit der Konkurrenzdruck. Und das Thema muss man natürlich auch hinterfragen.
Was Kohfeldt über seine Zukunft sagt, lest ihr hier (->)
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Bildquellen
- ksc-SVD2025-26-blog-0065b: Arthur Schönbein

