Neues Kapitel für Tobias Kempe: Zum 1. Juli wird der Ex-Lilien-Spieler Cheftrainer von Germania Eberstadt. Am Mittwoch wurde er bei der ersten Pressekonferenz in der Eberstädter Vereinsgeschichte vorgestellt. Dort blickte Kempe, der mit dem SV Darmstadt 98 zweimal in die Bundesliga aufstieg, voller Vorfreude auf die neue Aufgabe, sprach über gescheiterte Pläne und verriet, warum ihn Eberstadt auf Anhieb an Darmstadt erinnert.
Die Begeisterung war allen Beteiligten im eigens hergerichteten Presseraum anzumerken. Bereits im Vorfeld war von einem „Meilenstein in der Vereinsgeschichte” gesprochen worden. Diese Worte führte der Sportliche Leiter Rainer Lanzer nun weiter aus: „Wir haben jetzt eine Legende von Darmstadt 98 hier als Cheftrainer. Ich kann gar nicht betonen, was das für uns bedeutet. Das ist ein Vorbild für die Kinder, für unsere jungen Talente.”
Kempe und Lanzer kennen sich schon lange. Die Idee zur Verpflichtung des ehemaligen Bundesliga-Profis sei ganz spontan entstanden, beim gemeinsamen Fußballabend auf der Couch. „Ich habe aus Spaß gesagt: ‚Tobi, du könntest doch bei uns Trainer werden.’ Innerlich habe ich dabei gelacht und gedacht: Das kommt nie zustande”, blickt Lanzer zurück. Als wenig später klar wurde, dass Kempe sich das Engagement durchaus vorstellen könne, habe er „nachts kaum noch schlafen können vor lauter Begeisterung”.
Kaputtes Knie verhinderte Comeback als Spieler
Dabei betonte Kempe ausdrücklich, seine Karriere nach dem Abschied aus Darmstadt vor rund elf Monaten nicht beendet zu haben. Ziel sei es „noch bis vor kurzem” gewesen, weiter als Profi aktiv zu bleiben. Dem machte jedoch ein lädiertes Knie, das ihn schon beinahe das Abschiedsspiel mit den Lilien gekostet hätte, einen Strich durch die Rechnung – und die Frage nach dem nächsten Schritt drängte sich auf.
„Ich liebe den Fußball und habe viel miterlebt in meiner Spielerkarriere, was ich nun weitergeben kann. Hier habe ich die Möglichkeit mich in Ruhe zu entwickeln, mit jungen Menschen zusammenzuarbeiten und in meiner Persönlichkeit zu wachsen”, erklärte Kempe seine Entscheidung.
Nebenbei will der 36-Jährige Trainerlizenzen erwerben um eines Tages als vollausgebildeter Fußballtrainer zu arbeiten – vielleicht sogar beim SVD? Zu dieser Aussage wollte sich die Lilien-Legende nicht hinreißen lassen. Jetzt liege der volle Fokus auf Germania Eberstadt, mit dem Ziel „die Jungs besser zu machen, jedes Spiel zu gewinnen und nächstes Jahr eine Klasse höher zu spielen”.

„Wir wollen jedes Spiel gewinnen” – Kempe und Germania Eberstadt haben zusammen viel vor.
Eberstadt mit Ambitionen auf und neben dem Platz
Ähnlich ambitionierte Ziele verfolgt die SVE auch abseits des Platzes. Wie der 1. Vorsitzende Torsten Sonntag erklärte, wolle man in Form einer Agenda Germania 2030 „neue Dynamiken schaffen, neue Strukturen etablieren und das Vereinsgelände mit neuem Leben füllen”.
Konkret sollen unter anderem Tribünen und eine Anzeigetafel errichtet werden. Auf dieser Basis solle dem aktuellen Achtligisten dann eine positive sportliche Entwicklung beschert werden – angefangen mit dem Aufstieg in die Gruppenliga. Die Verpflichtung des dafür benötigten Personals werde nun auch dank dem großen Namen des zukünftigen Cheftrainers einfacher.
„Prägende Zeit” nach Abschied aus Darmstadt
Kempe selbst verspürt angesichts der vielen Vorschusslorbeeren jedoch keinerlei Druck vonseiten des Vereins. „Wenn dann mache ich mir selbst Druck und damit konnte ich immer ganz gut umgehen”, sagte er. Außerdem habe er zuletzt genug Zeit gehabt, um mental etwas abzuschalten. Über die Zeit zwischen dem emotionalen Abschiedsspiel mit Darmstadt und dem neuen Job bei Eberstadt, sagte Kempe: „Ich habe es genossen.”
Zwar habe er alles darangesetzt, nochmal auf dem Platz stehen zu können, daneben aber auch viel Zeit für die Familie gehabt. Das knappe Jahr sei „sehr erholend, prägend und wichtig” für ihn gewesen. Schließlich habe der Wahl-Eberstädter gespürt, sich wieder mit etwas beschäftigen zu müssen – umso größer sei die Freude nun über die neue Aufgabe bei Germania Eberstadt.
Auf dem (noch) maroden Eberstädter Vereinsgelände an der Brandenburgerstraße habe sich Kempe derweil auf Anhieb wohlgefühlt – auch wegen einer gewissen Ähnlichkeit zum alten Böllenfalltor: „Ich kann mich noch erinnern, als ich nach Darmstadt gekommen bin und Dirk Schuster mir die Kabinen gezeigt hat. In den Wänden hängt der Geruch von harter Arbeit und darauf kommt es an im Fußball. Ich finde das klasse.”
Von Lilienblog-Mitarbeiter Lauro Meisterjahn.
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Glückwunsch zum neunen Job. Aytac hat auch mal klein angefangen. Eines Tages beide als Trainer am Bölle. Wer weis…