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Stadionausbau: Pfitzner erwartet keine Einzelhürden

Markus Pfitzner, SV Darmstadt 98

Markus Pfitzner, SV Darmstadt 98

Peter Kunz

Die Planungen für den Ausbau der Südtribüne am Böllenfalltor schreiten voran. Nach der Überprüfung der technischen Machbarkeiten kommt man nun in die Phase mit den genehmigungstechnischen Parametern, wie Präsident Markus Pfitzner im zweiten Teil des großen Lilienblog-Interviews sagt. Hürden durch den Widerstand einzelner Anwohnern erwartet er derzeit nicht. Anschließend gehe es darum, verschiedene Finanzierungsmodelle zu prüfen – etwa auch einen genossenschaftlichen Ansatz.

Das Thema Südtribüne war eines von zwei großen Strukturvorhaben, die Pfitzner bei seinem Amtsantritt angekündigt hatte. Beim zweiten Thema Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) räumt er strukturelle Nachteile im Vergleich zur Konkurrenz in Frankfurt, Mainz oder Hoffenheim ein. Der Mehrwert der Lilien liege in ihrem „speziellen Spirit“, sagte er.  Die Aussagen des Lilien-Präsidenten im Wortlaut lest ihr im Folgenden:

Kann sich ein ambitionierter Verein eigentlich allein aus dem Fußball-Geschäft finanzieren – oder muss er neue Einnahmequellen erschließen? Stichwort Genossenschaftsmodell?

Ihr könnt von uns als Präsidium erwarten, dass wir nur Dinge andenken, die zu uns als Verein, zu unserer Struktur, zu unserem Umfeld und unserer Positionierung passen. Ein Genossenschaftsmodell wurde bereits ins Spiel gebracht. Das ist eine aktuelle Überlegung, die eher im Hintergrund zu prüfen ist. Wir haben ja ein großes Infrastrukturprojekt mit den Überlegungen zum Ausbau der Südtribüne.

Wie ist da der aktuelle Stand?

Im ersten Schritt haben wir nach den technischen Machbarkeiten geschaut. Jetzt geht es in die zweite, sehr spannende Phase, in der die verschiedenen genehmigungstechnischen Parameter zu prüfen sind. Ich hoffe, dass wir zur Mitgliederversammlung im Oktober ein Zwischenupdate geben können. Dann kommt die Finanzierung. Und in dem Kontext könnten wir über verschiedene Modelle nachdenken – zum Beispiel den genossenschaftlichen Ansatz.

Wie groß ist das Handicap, mit dem relativ kleinen Stadion konkurrenzfähig zu bleiben?

Im Rückblick haben wir es mit einem Stadion dieser Größe geschafft, von zehn Jahren drei Jahre erste Bundesliga zu spielen. Für mich ist das kein limitierender Faktor, sondern ein Stück unserer Stärke. Das Bekenntnis zum Standort wardie absolut richtige Entscheidung. Objektiv war in unserer Stadt bekanntermaßen aber auch gar kein alternativer Standort verfügbar. Ich halte es absolut für möglich, mit einem Stadion dieser Größe konkurrenzfähig zu bleiben.

Dein Vorgänger Rüdiger Fritsch hat mal etwas flapsig gesagt, dass ihm ein guter Sponsor mehr als 5000 Stehplätze bringt…

Wir vergleichen da keine betriebswirtschaftlichen Größen. Unsere treuen Fans sind das wichtigste Gut, was wir haben. Es ist selbstverständlich unser Anliegen, auf der Südtribüne noch den einen oder anderen Platz hinzuzufügen. Aber wir werden das immer mit Augenmaß tun und im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten.

Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass die Genehmigung wegen eines Anwohners im Traisaer Weg stockt, der sich sperrt …

Diese Information kann ich so nicht bestätigen. Ein Infrastrukturprojekt dieser Größenordnung ist ein sehr komplexes Verfahren. Wenn wir die behördlichen Genehmigungen erhalten, sind wir guten Mutes, dass wir da gut vorankommen. Wir sehen jedenfalls keine Einzelhürde auf uns zukommen.

Müssen die Stahlrohrtribünen, die im zweiten Bundesliga-Jahr 2016 wegen der DFL-Auflagen aufgebaut wurden, nicht ohnehin irgendwann ersetzt werden?

Diese Stahlrohrtribünen werden immer wieder für einen Zeitraum neu geprüft und freigegeben. Trotzdem sind sie nicht für die Ewigkeit gebaut. Auch deswegen ist es so wichtig, dass wir mit dem möglichen Neubau Süd ein Stück Nachhaltigkeit schaffen.

Eine andere Baustelle sind die mäßig erfolgreichen Nachwuchsmannschaften und das Nachwuchsleistungszentrum (NLZ)…

Stichwort Baustelle trifft es gut. Wir bauen da gerade einen zeitgemäßen Kabinenfunktionstrakt. Selbstkritisch müssen wir sagen, dass das NLZ über die vergangenen Jahre ein wenig im Dornröschenschlaf lag. Zusätzlich zum Umbau wollen wir zu den zwei Kunstrasenplätzen weitere Kapazitäten schaffen. Wir müssen dort effizient wirtschaften, aber zugleich Bedingungen schaffen, die eines NLZ würdig sind. Aber unser Commitment zum NLZ ist da.

Doch im Vergleich zur Konkurrenz aus Frankfurt, Mainz oder Hoffenheim ist das ziemlich wenig. Womit kann man ein junges Talent zu den Lilien locken?

Wir erkennen die starke Konkurrenzsituation in der Region an. Trotzdem haben wir den Anspruch, mal wieder einen Spieler wie Clemens Riedel in den Kader der ersten Mannschaft zu bringen. Wir werden es wahrscheinlich auch mit einem doppelten oder dreifachen Investment nicht schaffen, dass ein 17-Jähriger, der ein Angebot von Frankfurt oder Mainz hat, bei uns bleibt. Um talentierte Spieler zu gewinnen, müssen wir Dinge wie die Betreuung, die Ausbildung und die familiäre Atmosphäre, die wir im Klub haben, noch stärker ausstrahlen. Unser Mehrwert liegt in diesem speziellen Spirit.

In Teil I des Interviews (->) lest ihr, was Markus Pfitzner zum Thema Finanzen und Transfers sagt.

In Teil III, der am Sonntag im Lilienblog erscheint, erklärt Markus Pfitzner, warum er nicht findet, dass sich der SV Darmstadt 98 zu klein macht und wie er auf die kommende Saison blickt.

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Bildquellen

  • IMG_5634: Stephan Köhnlein
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