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Nach dem Abgang von Fabian Holland ist Marcel Schuhen mit seinen 33 Jahren nicht nur ältester, sondern auch dienstältester Spieler beim SV Darmstadt 98. Über seine Rolle und seinen Blick auf die neue Saison sprach der Lilien-Kapitän am Donnerstag nach dem Training. Und auch über seine Sicht auf die Fußball-Weltmeisterschaft.

Marcel, wie fühlt sich das an, jetzt der Älteste in der Mannschaft zu sein? Ändert sich irgendwas für dich?

Nicht viel. Es geht genauso wie die Jahre davor auch darum, Erfahrung weiterzugeben. Aber auch darum, andere Jungs in andere Rollen reinschlüpfen zu lassen. Das ist ganz wichtig. Wir haben sehr gute neue Spieler dabei, auf die wir uns freuen dürfen. Es werden andere Jungs kommen und die Rollen von Tobias Kempe im vergangenen Jahr oder jetzt von Fabian Holland einnehmen. Und es ist ganz wichtig für jemanden, der schon ein paar Tage dabei ist, das auch mit zuzulassen. In den ersten Tage ist gut zu sehen, wie die Jungs reinkommen, wie sie sich integrieren, wie sie sich wohlfühlen in der Kabine – so, wie es schon viele andere getan haben.

Machst du irgendwas Besonderes mit den Neuen? Nimmst du sie an der Hand? Sagst du: „Lass uns mal eine Apfelsaftschorle trinken gehen“ oder: „Ich zeige dir mal was von Darmstadt“? Oder siehst du deine Rolle primär auf dem Platz und in der Kabine?

Ich muss nichts Besonderes machen. Mit allen Jungs, die neu sind, gibt es am Anfang natürlich Themen, die abgearbeitet werden müssen. Das geht damit los, ob sie eine Frau oder sogar schon Kinder haben. Wo wohnt man? Wo wohnt man eben nicht? Das sind Sachen, bei denen ich ein paar Tipps geben kann. Aber selbst da sind Jonas (Neitzel) und auch Matze (Matthias Neumann) da, die den Jungs helfen. Deswegen gibt es da für mich nicht so viel zu tun.

Tatsache ist, dass ihr einen gewissen Umbruch im Team habt und Leistungsträger den Verein verlassen haben. Mit welchen Gefühlen blickst du in die Zukunft? Sagst du: Ich bin gespannt? Oder: Ich habe Bauchschmerzen? Oder: Das wird alles super?

Das Gute ist, dass ich keine Bauchschmerzen habe, weil ich vollstes Vertrauen in Paul (Fernie) und Flo (Florian Kohfeldt) habe. Die wissen, die Situation sehr gut einzuschätzen. Wenn man über Fraze (r Hornby) und auch über Isac (Lidberg) spricht, über zwei Jungs, die mit einem Jahr Restlaufzeit für viel Geld verkauft wurden, kann man das als Verein verstehen, auch wenn sie natürlich Top-Topspieler waren. Aber Flo ist auch bekannt dafür, Spieler besser zu machen. Wir haben Jungs dazubekommen, die wirklich sehr spannend sind, auch aus der holländischen Liga, die einen sehr attraktivem Fußball gewohnt sind. Ich hoffe, dass sie hier bei uns auch so spielen werden und vor allen Dingen so spielen dürfen.

Hat so ein Umbruch denn auch positive Seiten?

Ja, wie gesagt: Es werden neue Rollen verteilt, die Hierarchie wird ein bisschen durcheinander geworfen. Wenn man das positiv angeht, hat das sehr viele Vorteile für uns.

Auch bei der deutschen Nationalmannschaft werden nach dem WM-Aus wohl die Rollen neu verteilt. Wo siehst du da Handlungsbedarf?

Ich habe gehofft, dass diese Frage nicht kommt (lacht). Da werden jetzt einige sagen: Als Zweitliga-Torwart halt mal lieber deine Bappel. Aus meiner Sicht geht es darum, dass die Leute sich wieder mit dem Team identifizieren können. Robert Andrich hat da etwas wirklich Gutes gesagt: Lasst Typen zu! Die entscheiden Spiele und Turniere. Es ist alles sehr flach geworden. Es dürfen keine Typen sein. Es darf nichts gesagt werden. Mich würde es freuen, wenn das wieder in irgendeiner Form erlaubt wird. Denn das sind die Jungs, die den Karren aus dem Dreck ziehen.

Und wer wird jetzt Weltmeister?

Argentinien. Dank Messi. Dank des Teams hinter Messi. Es sind diese Bilder, bei denen wir alle sehen, wie sie sich hinter Messi versammeln. Das war schon vor vier Jahren so. Das trägt diese Truppe. Und es macht unfassbar Spaß zuzuschauen. Die meckern mit dem Schießrichter, die meckern mit dem Gegner. Aber untereinander ist da kein negatives Wort. Und das ist sehr kraftvoll.

Ein Vorbild?

Total!

(Aufgezeichnet in einer Medienrunde mit Marcel Schuhen nach dem Training am Donnerstag)

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Bildquellen

  • IMG_5966: Stephan Köhnlein

Ein Kommentar

  • De Maddin sagt:

    Bleibt noch eine Frage offen, vielleicht die spannendste: Wie ging es zwischen Marcel und der Wespe weiter, die sich auf dem Foto so keck dem Kopf unseres Keepers nähert?

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