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Vor laufender Kamera wollte sich Trainer Florian Kohfeldt auch auf Nachfrage keine Aussage über Schiedsrichter Timo Gerach und dessen umstrittene Entscheidungen im Spiel des SV Darmstadt 98 gegen Hannover 96 abringen lassen. „Er hat Entscheidungen getroffen, die müssen wir alle akzeptieren – bei der Roten Karte, beim Elfmeter, bei einem möglichen Elfmeter für uns und bei einer schwierigen Situation direkt vor unserer Bank“, sagte der Lilien-Coach nach der 0:1-Niederlage. Dementsprechend habe es keinen Grund gegeben, mit dem Schiedsrichter nach dem Spiel zu reden. „Ich habe keinen erhöhten Gesprächsbedarf.“

Was Kohfeldt wichtig ist: Er möchte nicht als ein Trainer dargestellt werden, der sich über Schiedsrichterentscheidungen beschwert. „Ich habe in zwei Jahren 2. Liga einmal den Schiedsrichter kritisiert – das war nach dem Spiel im Februar in Dresden. Bitte hören sie auf damit, mir Aussagen zu Schiedsrichtern aus der Nase zu ziehen. Das ist nicht meine Art.“ Dass der Trainer des SV Darmstadt 98 nicht alle Situationen genauso gesehen hatte wie der Schiedsrichter, verhehlte er aber nicht, nachdem die Kameras ausgeschaltet waren.

Szene 1: die Rote Karte für Vukotic (20. Minute)

Innenverteidiger Aleksandar Vukotic habe ihm gesagt, er sei bei seinem mit Rot bestraften Handspiel weggerutscht. Doch das konnte Kohfeldt in den Fernsehbildern nicht erkennen. In gewisser Weise sei es eine ähnliche Situation gewesen wie die Gelb-Rote Karte für Kai Klefisch in Dresden: „Er gibt dem Schiedsrichter so die Möglichkeit, ihm Rot zu geben. Er ist ein erfahrener Spieler, der in der Situation so wahrscheinlich nicht hingehen darf.“

Ihm seien vor der Saison zwei Kriterien für eine Rote Karte in einer solchen Situation genannt worden: Die Fragen, ob ein klarer Torschuss möglich gewesen wäre, und ob der Spieler in Ballkontrolle gekommen wäre. Ein Torschuss wäre aus seiner Sicht möglich gewesen. Aber der Hannoveraner habe für ihn keine Ballkontrolle gehabt. Von daher sei es eine 50:50-Entscheidung gewesen – also weder eine klare Fehlentscheidung, noch eine klare Rote Karte.

Szene 2: kein Elfmeter für Weißhaupt (28. Minute)

Noah Weißhaupt kam nach einem Schubser von Hannovers Ime Okon im Strafraum zu Fall. Für den Schiedsrichter war es zu wenig, die Fernsehbilder zeigten jedoch, dass der Kontakt den Lilien-Spieler zu Fall brachte. „Ich will mich jetzt nicht zum Beschützer von Timo Gerach aufschwingen, aber natürlich hätte ich mir gewünscht, dass manche Entscheidungen anders getroffen werden“, sagte Kohfeldt zu der Szene. Doch letztlich fordere man immer, dass die Schiedsrichter die Situation wahrnehmen und entscheiden. „Er hat in dem Moment wahrgenommen: Es ist zu wenig. Dann ist es für mich auch nichts für den VAR.“

Szene 3: die mutmaßliche Tätlichkeit Hartels (72. Minute)

Eine Situation, über die quasi keiner geredet habe, sei die Aktion des Hannoveraners Marcel Hartel gegen Milan Smit vor der Bank der Lilien gewesen. Dabei gehe es nicht um eine Torchance, die Szene sei 70 Meter weg vom Tor gewesen. „Aber wenn man sich das nochmal im Fernsehen anguckt, sieht man: Er schaut auf den Spieler, der an ihm vorbeigeht, er wartet, bis er zu ihm kommt und zieht dann hoch. Und das ist für mich gesundheitsgefährdend. In dem Moment hätte ich mir den VAR gewünscht. Wobei ich mir eigentlich nie einen VAR wünsche. Aber wenn er kommt, dann da.“

Kohfeldts Fazit: Wenn es krasse Fehlentscheidungen gebe, werde er in aller Sachlichkeit dagegen angehen. „Aber es bringt nichts, wenn wir anfangen, jede Woche aufeinander einzuhauen.“ Natürlich ärgere es ihn, wenn es viele Kann-Entscheidungen gegen seine Mannschaft gebe. „Aber das ist kein Grund für eine öffentliche Schimpftirade. Unter gar keinen Umständen.“

Wie habt ihr die Rote Karte für Vukotic gesehen?

  • 50:50-Entscheidung (56%, 109 Stimmen)
  • Klare Fehlentscheidung (20%, 39 Stimmen)
  • Klar Rot (19%, 37 Stimmen)
  • Bitte hören sie auf damit, mir Aussagen zu Schiedsrichtern aus der Nase zu ziehen/Weiß nicht (5%, 10 Stimmen)

Total Voters: 195

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Die Umfrage läuft bis Dienstag, 1. September, um 23:59:59 Uhr.

(Ergänzte Version, mit Umfrage)

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7 Kommentare

  • Udo D. sagt:

    Ich fand es, ehrlich gesagt, nicht in Ordnung, wie Kohfeldt auf die berechtigte Frage von Jan-Christian Müller reagiert hat.
    Welche Reaktion ist denn zu erwarten, wenn in den nächsten Wochen die Sieglos-Serie fortgesetzt wird? Dürfen die Journalisten eine Frage stellen oder werden sie in den Senkel gestellt?

    • Stephan Köhnlein sagt:

      Kohfeldt hat einmal ruhig zum Thema Schiedsrichter geantwortet und als der geschätzte Kollege, der sich sehr gut mit Kohfeldt versteht, nachgebohrt hat, wurde der Coach etwas dünnhäutig. Als die Kameras aus waren, hat sich Kohfeldt dafür quasi entschuldigt und sich sehr ausführlich und differenziert zum Schiedsrichter erklärt (siehe Beitrag). Ob die Reaktion jetzt angemessen war oder nicht – darüber kann man streiten. Schön fand ich die Szene auch nicht, habe ich auch schon ähnlich am eigenen Leib erfahren.
      Aber die Szene kann ein gutes Anschauungsbeispiel für all diejenigen sein, die finden, dass dem Trainer öffentlich zu wenig zugesetzt wird und die Journalisten zu lieb und zu zahm sind. Wenn Kohfeldt öffentlich in die Enge getrieben wird, kommt das dabei raus. Das befriedigt vielleicht eine gewisse Sensationsgier des Publikums. Aber die wertvollen Informationen gibt es in der Regel nicht, wenn man jemanden öffentlich angeht.

      • Udo D. sagt:

        Das kann ich nachvollziehen und ist für mich verständlich. Für Journalisten ist es ein schmaler Grat, bei gegebenen Anlass kritisch nachzufragen, ohne die Informationsquelle auf Dauer zu gefährden. Ich denke aber dennoch, dass man als Trainer solche Fragen „aushalten“ können muss, ohne dünnhäutig zu reagieren. Auf der anderen Seite: Mit dem Kollegen aus Kiel wäre es schlimmer.

  • Katze vom Bosporus sagt:

    Kann jemand mal anrufen, um die Rot-Sperre von Vukotic in die nächste Saison verlegen zu lassen?
    😃😃😃

    • Steffen sagt:

      Hab’s mehrfach versucht, geht aber keiner ran!
      PS: Schön, dass du deinen Humor wieder gefunden hast. (:

      • Katze vom Bosporus sagt:

        Ich habe sehr viel Humor, doch es nimmt mich jedesmal mental mit. Je nachdem wie die Lilien gespielt haben. Es sind einfach Emotionen, wobei oft mal das falsche raus posaunt wird. Ich drücke uns und der Mannschaft, dem Verein echt die Daumen und hoffe, dass sie den Bock so schnell wie möglich umstoßen.
        Fußball kann halt auch grausam sein.

        • Steffen sagt:

          Gude, Katze vom Bosporus,
          es käme mir nie in den Sinn,
          dich als humorlosen Menschen zu bezeichnen.
          Wir sind uns offenbar einig, dass Emotionen
          ein wichtiger Bestandteil des Spiels sind,
          deshalb finde ich es sehr sympathisch, wenn du offen schreibst,
          dass diese Emotionen auch manchmal mit dir durchgehen können.
          Auf jeden Fall schließe ich mich dem Daumen drücken
          und der Hoffnung auf schnell umgestoßene Böcke gerne an
          und schicke ein herzliches „Allez les Bleus“ als Gruß.

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