Als Spieler hat Maximilian Mehring (40) den SV Darmstadt 98 in düsteren Regionalliga-Zeiten kennengelernt. Seit einem guten Jahr ist er zurück bei den Lilien, erst als Übergangskoordinator, inzwischen als Sportlicher Leiter des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ). Mit dem Lilienblog sprach er unter anderem über den Kampf um Talente und mögliche Nischen für die Nachwuchsarbeit des Vereins.
Max, was womöglich nicht allen geläufig ist: Du hast selbst mal für die Lilien gespielt – in der Saison 2009/2010 kurz nach der Insolvenz im Abstiegskampf in der Regionalliga. Wie hast du die Zeit in Erinnerung?
Als ich gekommen bin, wusste ich, dass es dem Verein wirtschaftlich nicht gut ging. Aber wir hatten eine sehr homogene Mannschaft, haben uns gut verstanden und irgendwann war klar, dass wir das schaffen. Am Saisonende hatte ich verschiedene Optionen. Mein Bauch hat gesagt: Bleib! Aber es war auch eine Kopfsache. Ich habe mir damals gesagt, dass ich – wenn ich irgendwann die Möglichkeit habe, wieder etwas in Darmstadt machen zu dürfen – es mit dem Bauch entscheiden müsste. Und so war es dann vor einem Jahr.
Was ist da passiert?
Tom Eilers hat mich angerufen. Ich war zu dem Zeitpunkt freigestellter Co-Trainer in Sandhausen und hatte mir schon überlegt, ob ich mir neben dem Fußball noch ein zweites Standbein aufbauen soll. Das habe ich gerade mit einem Freund besprochen, als das Telefon klingelte. Ich war sofort Feuer und Flamme. Und dann ging alles sehr schnell.
Wie war das in deiner Zeit als Lilien-Spieler mit der Jugendabteilung?
Natürlich ist man sich ab und zu über den Weg gelaufen. Aber die Bedingungen waren damals teilweise sehr grenzwertig, um gut und nachhaltig ausbilden zu können.
Ist das mit dem relativ kleinen Trainingsgelände und den beiden Kunstrasenplätzen für das NLZ heute denn wesentlich besser?
Man muss sich in dem Rahmen bewegen, der zur Verfügung steht. Mit dem neuen Gebäude haben wir jetzt eine Grundlage geschaffen, mit der wir deutlich besser arbeiten können als vorher. Physio, Psychologe, jemand, der sich um die Schule kümmert – das haben wir auch alles im NLZ. Aber eben nicht einen pro Mannschaft, sondern oft einen, der das für alle Mannschaften macht. Ich bin ein Fan davon, dass man sich Dinge erarbeitet. Ich muss mich selber fragen, was ich tun kann, damit es besser wird, bevor ich ein Konstrukt hinterfrage oder kritisiere. Und deswegen finde ich es gut, dass wir jetzt zwar besser aufgestellt sind und trotzdem aber aus weniger viel machen wollen.
Wie lockt man talentierte Jugendspieler nach Darmstadt? Womit könnt ihr punkten?
Mit einem klaren Plan. Natürlich stehen wir in einem Konkurrenzverhältnis mit Frankfurt, Mainz oder Hoffenheim. In der Regel werden wir den Kürzeren ziehen, wenn einer von diesen Vereinen am Tisch sitzt. Es geht darum, eine Nische zu finden, in der wir punkten können. Beispielsweise, wenn der Spieler bei uns nicht einer von vielen ist, sondern gezielter gefördert werden kann. Ich selbst hatte als Nachwuchsspieler die Möglichkeit, nach Kaiserslautern oder Mainz zu gehen und habe mich für Ludwigshafen entschieden. Ich musste dort mehr kämpfen, habe aber gewusst: Ich spiele immer. Das kann am Ende mehr bringen, als wenn du jedes Spiel haushoch gewinnst. Außerdem musst du die Eltern ins Boot holen und zeigen: Bei uns könnte der Weg in die Profiabteilung ein bisschen leichter gehen als anderswo. Da sind auch die Trainer gefragt, einen klaren Plan aufzuzeigen.
Cheftrainer Florian Kohfeldt ist jedoch – anders als sein Vorgänger Torsten Lieberknecht – ein Trainer, der die Messlatte für junge Spieler sehr hoch ansetzt, bevor sie zu einem Profieinsatz kommen…
Ja, aber wenn sie es dann schaffen, ist das ein super Signal. Denn dann sind sie genau den Weg gegangen, den ich gerade beschrieben habe. Es gibt keine Geschenke, du musstest es dir erarbeiten. Nehmen wir Manolo Merx, der sich seine Profieinsätze total erarbeitet hat. Wenn wir mit anderen jungen Spielern sprechen, können wir ihn als Vorbild nehmen.
Aber der Weg geht nicht für alle immer nur nach oben: Liam Braun war vergangene Saison im NLZ in Mainz. Im Sommer war er mit dem Lilien-Profis im Trainingslager und kam in einigen Testspielen zum Einsatz. Aber jetzt ist er wieder zurück in der Jugend…
Wir haben ihn gescoutet, wir wussten, was er kann. Wir wussten auch, dass er mental dazu in der Lage war, oben dabei zu sein, ohne danach abzuheben. Er hat ein paar Wochen bei den Profis trainiert, das hat ihm einen schönen Push gegeben. Auch für sein Fitnesslevel war das sehr positiv. Und aktuell spielt er sehr gut in der U19.
In Teil 2, der am Sonntag erscheint, spricht Maximilian Mehring unter anderem über die U21 und Shootingstar Manolo Merx.
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Bildquellen
- Maximilian_Mehring: Handout SV Darmstadt 98

