Auch wenn die Mannschaft gemeinsam verliert – immer wieder werden einzelne Spieler als Sündenböcke herausgepickt. Beim SV Darmstadt 98 stand Kai Klefisch in den vergangenen Wochen in der oft subjektiven Kritik. Doch waren seine Leistungen wirklich so schwach? Lilienblog-Scouting-Experte Florian Först vom Portal kickfieber.de hat einen Blick auf die objektiven Statistiken des 26-jährigen Mittelfeldspielers geworfen, der in fünf von sechs Liga-Partien in der Startelf stand:
Beginnen wir mit Klefischs Werten im Spiel mit Ball. Die Präzision seiner Zuspiele, sowohl bei kurzen oder langen Bällen, hat sich im Vergleich zur letzten Saison nur minimal verändert. Die Passquote liegt insgesamt bei stabilen über 86 Prozent und gesondert bei mehr als 54 Prozent explizit für lange Bälle. Das macht Klefisch weiterhin zu einem der passsichersten Mittelfeldspieler der Liga.
Einer der laufstärksten Spieler der Saison
Auffallend sind hier allerdings zwei andere Werte. Sowohl bei den Pässen ins letzte Angriffsdrittel als auch generell bei progressiven Pässen haben sich seine Werte der letzten Saison verschlechtert. Diese Veränderung betrifft sowohl die reine Anzahl der gespielten Bälle als auch die Präzision. Klefisch spielt weitaus weniger Bälle nach vorne und weist dabei eine deutlich schwächere Präzision auf.
Gegen den Ball präsentiert sich der Taktgeber höchst engagiert. Trotz seiner – unbestrittenen dummen Gelb-Roten-Karte gegen Dresden – gehört Klefisch zu den laufstärkeren Spielern der aktuellen Saison und zeigt sich mit im Durchschnitt rund zwölf gelaufenen Kilometern pro Spiel als umtriebig. Die Zahl der Defensivduelle pro Spiel und der Prozentwert der gewonnenen Zweikämpfe am Boden haben sich kaum verändert und befinden sich auf einem guten Niveau für einen Sechser.
Schwächen in der Luft und mehr Ballverluste
Anders sehen Klefischs Werte in der Luft aus. Zwar führt er pro Spiel signifikant mehr Luftduelle, gewinnt sie allerdings überwiegend nicht. Hier ist eine Verschlechterung von fast 59 Prozent gewonnener Kopfballduelle in der letzten zu nur 45 Prozent in der aktuellen Spielzeit anzumerken. In diesem Bereich sollte sich Klefisch demnächst also wieder steigern.
Aufhorchen lassen indes noch zwei weitere Werte. Im Vergleich zur vergangenen Saison hat Klefisch nämlich mehr Ballverluste in seinem Spiel, welche zudem vermehrt in der eigenen Hälfte auftreten. Das kann eine Mannschaft sehr schnell in brenzlige Situationen führen. Gleichzeitig sind seine Balleroberungen weniger geworden, wenngleich sie sich mehr in die gegnerische Hälfte verlagert haben.
Luft nach oben hat die ganze Mannschaft
Wie lassen sich diese Daten nun zusammenfassen? Was lässt sich daraus schlussfolgern? Im Vergleich zur Vorsaison schneidet Klefisch tatsächlich etwas schwächer ab. Das muss allerdings nicht heißen, dass seine Werte und Leistungen nun auch direkt schlecht sind. Diverse Werte befanden sich vergangene Spielzeit und befinden sich auch diese Saison auf einem ordentlichen bis guten Zweitliganiveau.
Entsprechend liegt die Wahrheit mal wieder in der Mitte. Sicherlich spielt Klefisch in dieser Saison noch unter etwas seinen Möglichkeiten. Aber damit unterscheidet er sich nicht vom Großteil seiner Mannschaftskollegen.
Tatsache ist zudem, dass er bislang kaum mit seinem Partner Hiroki Akiyama zusammenspielte, mit dem er vergangene Saison eine der besten Doppel-Sechsen der Liga stellte. Der Japaner war zunächst krank, zuletzt hatte er muskuläre Probleme.
Wirklich schlecht ist die persönliche Leistungsbilanz von Klefisch in dieser Spielzeit rein objektiv betrachtet nicht. Dennoch wird der sehr ehrgeizige Spieler seinen Saisonstart in der Länderspielpause analysiert und reflektiert haben, um mit dem Team nach den letzten Länderspielen ein anderes Gesicht zu zeigen und wieder zu punkten.
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Bildquellen
- SVD-portsmouth-2026-27-blog-0011: Arthur Schönbein

