Es kommt selten vor, dass Trainer Florian Kohfeldt um eine Erklärung verlegen ist. Doch die klare Niederlage des SV Darmstadt 98 beim Karlsruher SC brachte den Coach des SV Darmstadt 98 aus seinem routinierten Erklärmodus. Das 0:4 sei nach dem Aufwärtstrend in den USA, der starken zweiten Halbzeit mit dem Sieg gegen Cottbus, einer sehr guten Trainingswoche und einer grundlegenden Positivität in alle Richtungen nicht erklärbar. „Es war für uns ein schwieriges Spiel, was ich so nicht habe kommen sehen. Das muss ich ganz ehrlich so sagen. Keiner von uns hat das so kommen sehen.“
Sichtlich mitgenommen war der Coach nach dem schwachen Auftritt seiner Mannschaft. Ob er ratlos sei, wurde er vom Lilienblog nach der Pressekonferenz gefragt. „Ratlos ist ein großes Wort“, sagte er. „Aber es ist auf jeden Fall schwer erklärbar.“
Dass einige seiner Spieler den Kampf nicht angenommen hätten, wie Keeper und Kapitän Marcel Schuhen nach dem Spiel scharf kritisiert hatte (->), wollte Kohfeldt so nicht komplett unterschreiben. Natürlich habe man ein paar Spieler, die sich noch an die Anforderungen der 2. Liga gewöhnen müssten, räumte er zwar ein.
„Viele Jungs denken: Ich weiß das besser“
Aber in der Startelf hätten auch zahlreiche erfahrene Spieler wie William Mikelbrencis, Patric Pfeiffer, Aleksandar Vukotic, Kai Klefisch, Hiroki Akiyama oder Raoul Petretta gestanden. „Deshalb hat er trotzdem recht, weil wir nicht das gemacht haben, was das Spiel heute erfordert hat, um es zu gewinnen“, sagte der Lilien-Coach mit Blick auf Schuhens Aussagen.
„Es ist einfach Fakt, dass viele von den Jungs immer noch irgendwie denken: Ich weiß das besser und ich mache das, was ich in anderen Ligen oder in anderen Situationen gemacht habe. Und das steckt dann die anderen an, zumindest teilweise.“
Einzelne Spieler wollte er dennoch auch auf Nachfrage nicht an den Pranger stellen – obwohl es genug Grund gegeben hätte, etwa bei Patric Pfeiffer, der bei mindestens zwei Toren erheblich beteiligt war, bei Schuhen, der beim zweiten Tor gepatzt hatte, oder bei Marco Richter und Lance Duijvestijn, die anstelle eines klaren Passes bisweilen lieber den Ball mit der Hacke spielten.
Geschenkte Gegentore, vergebene Großchancen
Er werde auch in dieser Situation jetzt nicht zu einer Wutrede ansetzen. „Ich werde nie meinen Stil verlieren. Und mein Stil heißt immer: Ich stehe vor dieser Mannschaft und ich stehe zu diesem Verein.“ Intern werde er aber „sehr, sehr, sehr, sehr kritisch Dinge besprechen und ansprechen. Und alles dafür tun, dass es besser wird.“
Ein paar Dinge kritisierte er dann aber doch öffentlich an seiner Mannschaft. Die Gegentore seien – anders als es sein Karlsruher Kollege Maximilian Senft gesagt hatte – weniger aus einem klaren Plan entstanden. Es habe sich vielmehr um Geschenke gehandelt– von einzelnen Spielern, aber auch von der Mannschaft im Verbund, „weil wir zu dumm waren“.
Zur Wahrheit gehöre auch, dass sein Team zwar die Räume finde, die man finden wolle. „Aber bei uns kommt dann halt nichts dabei heraus, nichts.“ Beispiele seien die beiden Großchancen durch Hojae Lee in der ersten und Milan Smit in der zweiten Halbzeit gewesen: „Wir stehen zweimal alleine vorm Torwart und wir treffen nicht mal das Tor.“
„Ein unglaublich schlechtes Gefühl“
All das bilde natürlich ein Thema, mit dem er sich zunächst einmal selbst beschäftigen müsse. „Es ist jetzt nicht der Moment für mich, hier schon über Gründe zu reden“, sagte er. Es sei auch nicht so, dass alles durchgehend schlecht sei. „Aber wir haben unfassbare Schwankungen. Heute war eine ganz klare Schwankung nach unten.“
Die Frage sei, wo die Mitte der Mannschaft sei, um die man sich einpendeln könne. „Es ist ein unglaublich schlechtes Gefühl für alle im Verein, auch für die Mannschaft, wenn du zu jedem Spiel fährst und nicht weißt, was kommt.“
Etwas Positives fand der Coach auch noch: „Zum Glück spielen wir Freitagabend schon wieder.“ Dann kommt Bundesliga-Absteiger FC St. Pauli ans Böllenfalltor. Einfacher als gegen den KSC, der am Sonntag Schlusslicht war, wird die Partie allerdings kaum werden.
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Bildquellen
- ksc-SVD-2026-27-blog-0063: Arthur Schönbein






@Köhnlein
Wieso ist die Vereinsführung eigentlich komplett sprachlos in den letzten Wochen und Monaten, wenn es ums Sportliche geht?
Existiert überhaupt eine realtistische Wahrnehmung der aktuellen Situation?
Hast Du da Infos ?
@Heiner81: Wenn eine Vereinsführung in einer Situation wie dieser dem Trainer öffentlich das Vertrauen ausspricht, ist das oft schon der Anfang vom Ende. Denn damit räumt man ein, dass es Zweifel gibt.
Gestern in Karlsruhe habe ich vom Präsidium nur Anne Baumann gesehen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit), dazu die Geschäftsführer Tom Eilers und Paul Fernie. Morgen ist Mitgliederversammlung. Das wird spannend!
Ich habe da so meine Zweifel. Das scheint ein in sich geschlossener Zirkel weit weg von aus Tradition anders. Ich hätte mir Nick im Verein gut vorstellen können aber das wird ja verhindert.Impulse von aussen sind wichtig.
Ein Präsident der kaum Wahrnehmbar ist hilft auch nicht für eine transparente Aussendarstellung. Ein Verwaltungsrat der bestimmt wird hat für mich auch ein Geschmäckle.Wir entfernen uns immer weiter von unserem ehemaligen Leitmotiv.
Erreicht Kohfeldt die Mannschaft überhaupt noch wenn die alles macht nur nicht das was er möchte? Aber genau das ist doch die Aufgabe des Trainers und das Spiel Gestern erinnert mich stark an das letzte Spiel von Lieberknecht in Elversberg.