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Der SV Darmstadt 98 will sein Stadion ausbauen. Konkret ist bislang relativ wenig. Aber für den langen und teuren Anlauf wird der Sprung nicht besonders weit, wie Lilienblog-Chefredakteur Stephan Köhnlein findet.

Jahrelang hieß es offiziell, mit der Zuschauerkapazität von 17.810 habe der SV Darmstadt 98 das Ende der Fahnenstange am Standort Böllenfalltor erreicht. Bei seinem Amtsantritt als Lilien-Präsident verkündete Markus Pfitzner vor einem Jahr dann, dass er den Ausbau der Südtribüne vorantreiben wolle. Dass nun auch die Nordtribüne erweitert werden soll, war eine kleine Überraschung auf der diesjährigen Mitgliederversammlung.

Vizepräsident Arnd Zinnhardt erläuterte die Gründe: Der SV Darmstadt 98 liegt bei der Stadiongröße aller 36 Profivereine nur auf Rang 30, der Zuschauerschnitt in der 2. Liga habe sich in den vergangenen rund zehn Jahren von rund 17.000 auf etwa 28.000 erhöht. Um auf Dauer konkurrenzfähig zu bleiben, ist ein größeres Stadion nötig. Das klingt plausibel.

Fragen kommen allerdings auf, wenn man sich den Rahmen anguckt. Angepeilt ist eine Gesamtkapazität von rund 20.000. Das entspricht einem Plus von gut 2.000 Zuschauern im Vergleich zu heute. Kein großer Sprung. Auch mit dem neuen Stadion werden die Lilien keinen großen Wettbewerbsvorteil zur Konkurrenz erzielen. Selbst in erfolgreichen Zeiten mit hoher Stadionauslastung wären sie weiter im unteren Bereich der Zuschauertabelle.

Der Vorlauf ist zudem lang. Oberbürgermeister Hanno Benz sprach von einem „Marathon über Jahre“, was die Umsetzung der Pläne angeht. Die öffentlichen Kassen, auf die der Verein auch baut, sind nicht gerade prall gefüllt. Und das angedachte Genossenschaftsmodell des SV98 zur Finanzierung muss auch erst einmal konkretisiert werden.

Zudem sollten die Verantwortlichen den baurechtlichen Rahmen nicht unterschätzen. Benz‘ Vorgänger Jochen Partsch kann ein Lied davon singen. Der ging lange davon aus, dass man am aktuellen Standort ein neues Stadion bauen könne. Das zerschlug sich jedoch wegen rechtlicher Einwände und geschützter Flächen.

Mit dem Umbau im Bestand entschied sich der SV Darmstadt 98 dann bewusst für den traditionsreichen Standort, nahm aber die räumlichen Begrenzungen in Kauf. Dass das Stadion am Böllenfalltor irgendwann auf 25.000 oder 30.000 ausgebaut wird, ist unrealistisch.

Ohnehin ist fraglich, ob die Lilien ein deutlich größeres Stadion dauerhaft füllen könnten. Selbst in erfolgreichen Jahren war das Böllenfalltor längst nicht immer ausverkauft. Zudem ist keineswegs sicher, dass der Verein dauerhaft mindestens in der 2. Liga spielt.

Die Kritik, dass die Pläne ausgerechnet in der aktuellen sportlich schwierigen Phase konkret werden, greift allerdings zu kurz, wenn man sich den Vorlauf bis zur tatsächlichen Umsetzung ansieht. Insofern ist die überschaubare Aufstockung der Kapazität zumindest eine Entscheidung mit Augenmaß.

Und eine wirklich gute Idee sollte man bei den Plänen nicht vergessen: die Verlagerung der Auswärtsfans von der Gegengerade auf die Nordtribüne. Wenn die bislang von Auswärtsblock und weitgehend müder Haupttribüne abgeschnittenen Lilien-Fans auf der Nordtribüne wieder an den Rest des Stadions angebunden sind, könnte das dafür sorgen, dass die Stimmung wieder deutlich besser wird – auch ohne eine Kapazität von 30.000.

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Bildquellen

  • SVD-f95-2024-25-blog-0034: Arthur Schönbein

6 Kommentare

  • Frank Hofmann sagt:

    Ich stimme dem Präsidium zu, dass man die Kapazität schnellstmöglich leicht anheben soll und das Provisiorium in einen vernünftigen Zweckbau überführt, indem die Nord- und Südtribühnen in Beton gegosssen werden. Passt man die Höhe der Rückwände an, sodass ein geschlossenes Rechteck entsteht wird der Schall und Lärm auch weniger in die unmittelbare Umgebung der Wohnsiedlungen gestreut, sondern nach oben hin ausgeworfen. [Und wenn die Heiner ja schlau wären, würde man eine variable Überdachung in Zeltausführung mit dazu bauen und entsprechend die 2 Neubauten im Dachbereich planen]. Dann kann man die Hütte auch anderweitig im Jahr nutzen und so Kosten des Leerstands z. B. in der Sommerpause durch Einnahmen drücken.

  • Willy Weber sagt:

    Das Problem an der bisherigen Diskussion ist, dass niemand so wirklich die Einzelheiten kennt – was ja auch logisch ist, da erst der Startschuss der Planung erfolgt ist.
    Stephan, weißt du oder jemand anderes hier, wie lange man die aktuellen Nord und Südtribünen so noch benutzen könnte? Noch 5 Jahre, 10, 20 oder gibt es da kein Limit? Das wäre für mich ein wichtiger Faktor, ob die „Zwischenlösung“ auch permanent und zukunftssicher sein kann. Denn wenn das keine permanente Lösung wäre, müsste man ja eh früher oder später bauen. Und aktuell ist noch Geld und der Wille dazu da.

    Vom Gefühl her macht es Sinn, eine permanente Lösung zu bauen, Auswärtsfans auf die Nord zu verlagern und die Südkurve zu vergrößern, auch ich die Idee mit Sitzplätzen auf der Süd nicht nachvollziehen kann. Deshalb ist die Abstimmung denke ich auch positiv ausgefallen und auch ich finde das erstmal überwiegend gut.

    2200 Plätze wirken nicht viel, sind aber eine Erhöhung um circa 12%, womit man wahrscheinlich das Maximum erreichen würde, was logistisch möglich wäre.

    Ein Stadion von 20.000 könnte man in Liga 3 vielleicht nicht füllen, aber ich denke, dass vor allem auf einer attraktiveren Süd und Gegengerade nicht die größten Lücken entstehen. Mit anderen Vereinen, die ein großes modernes Stadion gebaut haben, das dann zur Hälfte leer blieb, kann man das nicht 1:1 vergleichen.

    Da sowieso ein Marathon bevorsteht, was Planung, Finanzierung, Anwohner, Stadt etc. angeht, kann man ja beobachten, wie sich die Sache entwickelt. Wenn es sich tatsächlich als umsetzbar herausstellt, warum nicht?

  • Olifa sagt:

    Wirklich der Hammer das in den letzten Tagen „mal wieder“ das sportlich außen vor bleibt. Schließt die Baustellen erst einmal und konzentriert euch auf das sportliche Niveau. Sorry, doch mich regt das auf und keiner, aber auch keiner wird tätig.

  • Raininho sagt:

    Nehmen wir mal an, die zusätzlichen 2K Plätze wären Sitzplätze, der Preis analog der Nordtribüne rund 30€, wären das je ausverkauftem Spiel 60K mehr Einnahmen. Das ganze an 17 Heim-Spieltagen, wäre 1.020.000€. das ist ja nicht nichts. Definitiv wäre es ein Gewinn für alle Heimfans, im G3/O3-Bereich auf der Gegengerade, wenn die Gästefans separiert auf der Nord-Tribüne unterkämen. Dann muss allerdings die Stimmungstribüne auf der Süd mindesten ebenbürtig gebaut sein, sonst übernimmt der Gast die Oberhand beim Heimspiel.
    Mitte der vergangenen Saison hätte sicher ein größerer Anteil positiv reagiert. in der aktuellen Lage mit einem potentiellen Abstieg in Liga 3, finde ich es ernsthaft kritisch. Was ein Abstieg finanziell bedeutet, angepasste Ticketpreise, Sponsorenverlust, geringerer Ticket-Absatz usw. möchte man sich nicht ausrechnen. Dass man es dann schafft mit Bordmitteln wieder aufzusteigen, ist auch nicht garantiert.
    Da ist auch der lange Vorlauf bis zur Umsetzung kein Argument, wenn dieser in der dritten, oder Gott bewahre, in einer noch niedrigeren Liga verbracht wird.

    • J.W.2656 sagt:

      Stadionauslastung in der 3.Liga ??
      Ja darmstadt hat viele EVENT-Fans die dann nicht mehr zu Spielen in der 3.liga gehen ,vielleicht sollten sie sich mal ein Beispiel an 1860 nehmen deren Stadion in der REGIONALLIGA Bayern mit 100% ausgelastet ist .
      Schon traurig das man das Fan sein von der Ligazugehörigkeit abhängig macht .

    • Lilie sagt:

      Wenn man von mehreren Millionen Planungskosten ( Architekten, Fachhplaner ) ausgehen muss + die tatsächlichen Baukosten + Ausfall von Stadion Kapazitäten wird es viele Jahre brauchen diese Ausgaben wieder auszugleichen. Das alleine kann also nicht einzige Motivation sein. Es wird stark davon abhängig sein inwieweit man das benötigte Budget stemmen kann. Zumal Baustellen gerne auch mal mehr kosten als ursprünglich geplant.So wie es aussieht gibt es ja noch keine konkreteren Planungen. Das wird also alles noch recht lange dauern.

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