Sommerneuzugang Lars Kehl kam beim SV Darmstadt 98 bislang kaum zum Zug. Mit seinem Joker-Tor beim 2:0 im DFB-Pokal gegen Elversberg stellte er nicht nur einen Rekord auf, sondern sammelte auch Argumente für mehr Einsatzzeit.
Vergangene Saison war Kehl einer der besten Drittliga-Spieler und hatte mit acht Toren und zwölf Assists maßgeblichen Anteil am Aufstieg des VfL Osnabrück. Nach seinem Wechsel zum SV Darmstadt 98 zeigte er in der Vorbereitung ansprechende Leistungen und erzielte zudem einige schöne Freistoß-Tore – wenn auch nur gegen unterklassige Teams.
In der laufenden Zweitliga-Saison kam der offensive Mittelfeldspieler in den bislang neun Liga-Partien jedoch gerade einmal auf drei Einsätze und knapp 120 Spielminuten. Und auch im Pokal gegen Elversberg saß der 24-Jährige zunächst nur auf der Bank – ehe er zum Rekordspieler wurde.
„Jeder weiß, dass meine Situation nicht einfach ist“
Nicolas Verkooijen, der den Vorzug vor Kehl im Mittelfeld erhalten hatte, verletzte sich schon nach wenigen Minuten am Knöchel, musste auf zwei Staff-Mitglieder gestützt den Platz verlassen. Verkooijens Pech war Kehls Glück: Bereits nach vier Minuten kam er als Joker auf den Platz. Zwei Minuten später zimmerte er einen Freistoß aus rund 25 Metern wunderbar ins Netz zur Führung für die Lilien.
Mit seinem Tor in der 6. Minute gelang Kehl nach Statistiken des kicker-Sportmagazins nicht nur das mit Abstand früheste Joker-Tor in der Darmstädter Geschichte (den bisherigen Bestwert hatte Bernhard Metz aus dem Jahr 1975). Es war vor allem das früheste Joker-Tor überhaupt in Pokal und den ersten drei Ligen in Deutschland überhaupt.
„Jeder weiß, dass meine Situation nicht einfach ist“, sagte der beim SC Freiburg ausgebildete Spieler nach der Partie. „Aber ich wusste, dass irgendwann mein Moment kommt. Dann muss ich da sein.“ Und mit reichlich Understatement fügte er an: „Das hat ganz gut funktioniert mit dem Freistoß.“ Was allerdings auch zur Wahrheit gehört: Bis auf den Freistoß war von Kehl – wie vom Rest der Lilien-Offensive und Kreativabteilung – bei der Defensivschlacht gegen Elversberg recht wenig zu sehen.
Konkurrent Duijvestijn punktet mit Assist
Kehls Problem bislang war, dass die Lilien für die Position im zentralen offensiven Mittelfeld eigentlich Lance Duijvestijn geholt hatten. Der Niederländer konnte allerdings bislang nicht wirklich überzeugen, hat als technisch versierter, aber bisweilen etwas zu verspielter Akteur Anpassungsprobleme in der humorlosen und körperlichen 2. Liga. Auch im Pokal blieb Duijvestijn weitgehend blass, sieht man von seinem Assist per Eckball zum 2:0 ab.
Kehl selbst ist mit seinen 1,72 Metern Größe zwar auch nicht der robusteste Spieler, kennt aber den deutschen Fußball und verfügt über einen feinen Fuß, wie er gerade eindrucksvoll belegte. Zudem hat Darmstadt auch mit Spielern ähnlicher Statur sehr gute Erfahrungen auf der Position gemacht: Der Name Marvin Mehlem (heute Bielefeld) hat nach wie vor einen sehr guten Klang am Böllenfalltor.
Grundsätzlich sei ein Zu-Null-Sieg in Elversberg ein Statement, dass der Mannschaft Selbstvertrauen gebe, sagte Rekordmann Kehl nach der Partie. Aber natürlich ist es auch ein gewichtiges Argument für ihn selbst, dass er künftig mehr Einsatzzeit bekommt. Womöglich sieht man Kehl und Duijvestijn ja sogar schon beim Spiel gegen Magdeburg beide in der Startformation, weil Verkooijen mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ausfällt.
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Bildquellen
- sve-SVD-pokal-2026-27-blog-0091: Arthur Schönbein




