Insgesamt 27 Personen umfasst der Staff des SV Darmstadt 98 laut Vereinshomepage inklusive Trainerteam, Ärzten und Sportgeschäftsführer. Aus der Außenperspektive wirkt das groß, auch wenn Vergleiche zu anderen Vereinen schwierig sind. Aus der Innenperspektive findet Trainer Florian Kohfeldt den Staff jedoch nicht überbordend groß. „Das ist ein Märchen.“ Man sei vielmehr so aufgestellt, dass Darmstadt ein Entwicklungsverein für Spieler sein könne, sagte er auf der Pressekonferenz am Freitag vor dem Magdeburg-Spiel.
Als dann noch eine Nachfrage kam, ob sich die Aufstockung des Staffs wie angepeilt bei den Verletzungen positiv ausgewirkt habe, reagierte der Coach dann jedoch etwas gereizt: „Mir gefällt die Pk nicht!“ Er wolle nicht den Eindruck erwecken, dass er sich mit anderen Dingen als mit der anstehenden Partie gegen Magdeburg beschäftige. „Also ausdrücklich an jeden da draußen. Ich antworte aus reiner Höflichkeit.“
Die meisten Verletzungen – zuletzt Nicolas Verkooijen in Elversberg, aber auch die Langzeitausfälle Merveille Papela, Luca Marseiler und auch Fabian Nürnberger – seien auf Unfälle zurückzuführen. „Da kannst du wahrscheinlich 1.000 Mediziner anstellen. Das kannst du nicht verhindern“, stellte er klar.
Bei den sogenannten Verschleißverletzungen liege man mit den drei Ausfällen von Hiroki Akiyama, Yosuke Furukawa sowie Carlo Sickinger gut. Hinzu kommt Marco Richter, der die Pokalpartie in Elversberg wegen Oberschenkelproblemen verpasste, aber vor dem Magdeburg-Spiel nicht als verletzt genannt wurde. „Dementsprechend sind wir mit unserer Verletztenstatistik in dieser Saison sehr zufrieden“, lautete Kohfeldts Fazit,
Unterschiedliche Beurteilungen bei der Staff-Größe
Die Größe des Staffs wird jedoch auch bei den Lilien in der Innenperspektive unterschiedlich bewertet. Präsident Markus Pfitzner hatte bereits im Sommer im Trainingslager mit Blick auf die Größe des Stabs gesagt: „Ich glaube, selbst Flo sagt: Jetzt ist auch mal gut. Und das ist auch so.“ Die Veränderungen im Sommer seien Teil der kritischen Aufarbeitung vor allem des letzten Viertels der vergangenen Saison gewesen, als es zahlreiche Verletzte gegeben hatte, die den SV Darmstadt 98 im Aufstiegsrennen zurückwarfen.
Auch Sportgeschäftsführer Paul Fernie hatte zuletzt auf der Mitgliederversammlung eingeräumt, dass der Staff zwar groß sei, aber noch völlig im Rahmen. Im Gespräch mit dem Lilienblog erklärte Fernie diese Woche zudem, dass sich ein großer Staff auf Dauer auszahlen könne.
„Wir wollen Spieler entwickeln, um sportlich erfolgreich zu sein und langfristig auch ein Plus bei den Transfereinnahmen zu erzielen“, sagte er. „Deswegen denken wir immer vom individuellen Spieler aus. Und bei jedem Spieler gibt es eine Reihe von Stellschrauben, um ihn besser zu machen.“
Und diese Denkweise gehe weit über den rein medizinischen Bereich hinaus. Um einen Spieler besser zu machen, könnten beispielsweise die Analyse- und die Performance-Abteilung beitragen, aber auch Ernährungsberatung oder die Bewertung von Schlafqualität und Regenerationsprozessen. „Dafür brauchen wir unterschiedliche Spezialisten.“
Kohfeldt kritisierte „Arroganz des Fußballs“
Damit ist er völlig auf einer Wellenlänge mit Kohfeldt. Der stellte am Freitag heraus, dass es bei diesem Thema viele Facetten gebe, die von außen nicht sichtbar seien. Man brauche zum Beispiel gar nicht erst anzufangen, über individuelle Videoanalysen zu sprechen, wenn man nur einen Analysten habe. Und auch nicht über individuelle körperliche Entwicklung, wenn man nur einen Athletiktrainer habe.
„Nirgendwo gibt es einen schlechteren Trainer-Athletenschlüssel als im Fußball“, kritisierte er. Das sei einen Arroganz des Fußballs gegenüber anderen Sportarten. „Ich weiß nicht, wo diese Angst im Fußball herkommt, dass man den Spieler auch als Individuum betrachten darf.“
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Eine Pressekonferenz ist halt kein Wunschkonzert. Meist sind die Fragen eh nicht sonderlich prickelnd.
Wenn die Lilien nicht Zweitligaletzter wären, würde sich wahrscheinlich kaum jemand über die Größe des Staffs aufregen. Aber so: viel Aufwand, wenig Ertrag. Die Argumentation, dass ich Spieler nur besser machen kann, wenn sie individuell bestmöglich betreut werden, leuchtet mir allerdings ein.