Torsten Frings ist eher ein zurückhaltender Zeitgenosse … Doch nach beim letzten Heimspiel gegen den 1. FC Köln am 28. Januar 2017 platzte dem damaligen Lilien-Coach der Kragen. Die Lilien hatten 1:6 verloren und damit die zweithöchste Niederlage ihrer Bundesliga-Geschichte kassiert. Doch die sportliche Leistung, das deprimierende Ergebnis und der immer näher rückende Abstieg waren nicht der Auslöser für den legendären Wutausbruch des Ex-Nationalspielers. Grund war die Frage nach einem Spieler, der an jenem Tag gar nicht im Kader gestanden hatte: Florian Jungwirth.

„Hat so trainiert, dass er in die USA möchte“ – Frings droht mit Tribünenplatz

Der damals 28 Jahre alte Defensivspieler wollte gerne in die USA wechseln. Der Verein wollte ihm jedoch erst eine Freigabe erteilen, wenn Ersatz gefunden war. „Wir haben ihm klar gesagt: Wir suchen einen Ersatz für dich, und wenn wir den finden, dann kannst du wechseln. Wenn nicht, dann bleibt er bei uns“, erklärte Frings. Aber Jungwirth zog nach Ansicht seines Trainers nicht mehr voll mit im Training, wollte so einen Wechsel forcieren. „Er hat einfach diese Woche so trainiert, dass er in die USA möchte“, sagte Frings. Deswegen strich er ihn aus dem Kader.

„Sollen wir einem Spieler mal 50 Prozent weniger Gehalt überweisen, weil er im Training nur 50 Prozent Leistung zeigt? Ich lasse mich hier von keinem Spieler unter Druck setzen“, schimpfte Frings und nahm weiter Fahrt auf. „Wir können uns ja nicht noch schlechter machen, als wir ohnehin schon sind, nur damit sich einer seinen Traum erfüllen kann“, sagte der Trainer. „Verträge sind dazu da, um eingehalten zu werden. Wenn er das nicht kapiert, kann er hier sechs Monate auf der Tribüne sitzen.“

„Weit übers Ziel hinausgeschossen“ – Jungwirth schießt zurück

Jungwirth meldete sich zwei Tage später über die Medien zu Wort: „Gerade weil unser Trainer sich eigentlich noch daran erinnern müsste, wie ein Spieler empfindet, kann ich diesen Rundumschlag nicht nachvollziehen“, monierte er. Frings sei „inhaltlich und auch persönlich … völlig unnötig weit übers Ziel hinausgeschossen“.  Dem Verein sei der Wechselwunsch bekannt gewesen, zudem habe man mit Markus Steinhöfer einen Ersatz verpflichtet.

Nur einen Tag später war der Spuk dann vorbei. Die Lilien schlugen auf dem Transfermarkt zu, holten Hamit Altintop, Wilson Kamavuaka und Patrick Banggaard – und Jungwirth durfte zu den San José Earthquakes in die Major League Soccer wechseln, wo er bis heute unter Vertrag steht.

Am Ende hatten sich wieder alle lieb

Zum Abschied schlugen beiden Seiten versöhnliche Töne an: „Wir haben Flo von Anfang an versprochen, dass er gehen kann, wenn wir eine passende Alternative finden. Dieser Fall ist eingetreten, daher haben wir uns dazu entschieden, ihm die Freigabe zu erteilen. Ich wünsche Flo alles Gute für seine Zukunft.“, sagte Frings. Und  Jungwirth erklärte: „Ich bedanke mich bei den Vereinsverantwortlichen, die ihr Wort gehalten haben, und es tut mir leid, wie das am Ende abgelaufen ist. Zudem wünsche ich den Lilien alles Gute, ich werde die Zeit immer in bester Erinnerung behalten.“

Frings‘ Wutausbruch gibt es hier im Video zu sehen:

Bildquellen

  • Frings-neutral: Arthur Schönbein

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