Am Ende ging es ganz schnell. Nach gut einem Jahr gehen Dirk Schuster und die Lilien wieder getrennte Wege. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur aktuellen Situation und wie es weitergeht:

Warum musste Schuster gehen?

Das ist natürlich in erster Linie die sportliche Bilanz: Nur ein Sieg in den letzten zehn Spielen, der Abstand zu den Abstiegsplätzen schrumpft. Die schwache Leistung beim 1:1 gegen Mitkonkurrent FC Sandhausen am vergangenen Freitag machte deutlich, dass es so nicht weitergehen kann. Aber auch interne Gründe spielten eine Rolle. Deswegen hat das Präsidium gehandelt.

Seit wann stand Schuster auf der Kippe?

Selbstverständlich nicht erst seit dem Sandhausen-Spiel. Spätestens nach dem 2:6 gegen Paderborn kurz vor Weihnachten war klar, dass sich etwas ändern muss. Die Verantwortlichen nahmen Schuster in die Pflicht. Dabei ging es zunächst um personelle Veränderungen. Aber auch ein Abschied des Trainers schon in der Winterpause soll zur Debatte gestanden haben.

Warum kam die Trennung gerade jetzt?

Fünf neue Feldspieler bekam Schuster im Winter, vier Spiele hatte er Zeit, um die Wende zu schaffen. Die Hoffnung nach dem 2:1 gegen St. Pauli war jedoch schnell verpufft. Die letzten Leistungen gaben kaum Anlass zu Optimismus. Und bereits am kommenden Samstag gastiert Dynamo Dresden am Böllenfalltor – ein weiterer Konkurrent im Abstiegskampf. Für den neuen Trainer bleiben nun noch zwölf Spiele Zeit, um den Abwärtstrend zu stoppen.

Wie stand die Mannschaft zu Schuster?

Intern soll es mehrfach gekracht haben. Altmodische Trainingsmethoden, oberflächliche Videoanalyse, taktische Unzulänglichkeiten waren demnach einige der Vorwürfe. Nach dem Testspiel gegen Wehen Wiesbaden murrte Marcel Heller über das unzureichende Offensivspiel. Auch Schusters Versuch mit fünf Winterneuverpflichtungen in der Startelf gegen Heidenheim stieß bei Stammspielern sauer auf – und ging zudem schief. Zuletzt war aus Mannschaftskreisen von offenem Aufbegehren gegen den Trainer zu hören.

Welche Rolle spielte der Abgang Sulus in der Winterpause?

Aytac Sulu war über Jahre hinweg der verlängerte Arm des Trainers und einer der ganz wenigen, die einen direkten Draht zum Coach hatten. Potenzielle Unruhestifter in der Mannschaft nahm sich der Kapitän auch mal selbst zur Brust, sorgte so für Ruhe. Der sportliche Abschwung Sulus hatte Folgen für Schuster, der Abgang des Spielers schwächte dann auch den Stand des Trainers.

Wer wird Schusters Nachfolger?

Der neue Sportliche Leiter Carsten Wehlmann soll einen neuen Coach suchen. Die Gerüchteküche brodelt. Immer wieder genannt wird Ex-Lilien-Spieler David Wagner (zuletzt Huddersfield). Fraglich ist, ob der nach seinem üppigen Premier-League-Gehalt auch für ein deutsches Zweitliga-Salär arbeiten wird. Neben dem Neuen müssen die Lilien auch noch Schuster und Torsten Frings samt Assistenten bezahlen. Aber ein dritter Trainer auf der Gehaltsliste ist noch immer günstiger als ein Abstieg.

Was passiert, wenn der Neue die Wende nicht schafft?

Dann gibt es in der nächsten Saison freie Platzwahl auf der neuen Gegengerade … Finanziell wäre der Abstieg ein Desaster. Neben den Gehältern für die freigestellten Trainer drücken die millionenschweren Mehrkosten für den Stadionumbau auf die Kasse. Eine Refinanzierung in der Dritten Liga wird dann nochmals deutlich schwerer.

 

 

 

 

 

Bildquellen

  • schuster-002: Arthur Schönbein
Stephan Köhnlein

Stephan Köhnlein

Wahl-Heiner seit 1998, Text-Journalist für diverse Medien

Verfasse einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.