Je größer das Entsetzen, desto stärker ist das Verlangen nach einem Schuldigen, der nicht zugleich das Opfer ist. Der folgenschwere Unfall des Dresdner Fans am Böllenfalltor verdeutlicht das abermals.

Der 36 Jahre alte Mann stürzte am vergangenen Freitag nach Abpfiff der Partie von einem drei Meter hohen Mauervorsprung im neuen Gästebereich des Stadions und zog sich dabei schwerste Verletzungen zu. Wie konnte das passieren? War die Baustelle nicht ausreichend gesichert? Hätte der Gästeblock vielleicht gar nicht freigegeben werden dürfen?

Tatsache ist,

  • dass der Baufortschritt am Böllenfalltor regelmäßig von unabhängiger Stelle überwacht und abgenommen wird
  • dass das Stadion vor jedem Spiel nochmals von Polizei, Feuerwehr und Sicherheitsdiensten inspiziert wird
  • dass es in jedem Stadion viele noch höhere Stellen gibt, auf die man klettern und von denen man im schlimmsten Fall abstürzen kann – obwohl dort nicht gebaut wird.
  • dass sich einige Dresdner Fans weder von Lautsprecherdurchsagen, noch durch den Darmstädter Sicherheitsdienst oder eigene Fanvertreter dazu bewegen ließen, die Mauern zu verlassen
  • dass ein Sturz aus einer Höhe von drei Metern in der Regel deutlich glimpflicher ausgeht
  • dass laut Polizei auch Alkohol bei dem Vorfall im Spiel war.

Es ist ein trauriger und tragischer Unfall. Dem Verunglückten ist zu wünschen, dass er hoffentlich bald und vollständig wieder gesund wird. Reflexartige Schuldzuweisungen helfen ihm da nicht.

 

 

Bildquellen

  • Gaesteblock: Stephan Köhnlein/Lilienblog

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