Duschen ohne warmes Wasser, das Training auf dem holprigen Waldsportplatz und eine Gegengerade, auf der die Zuschauer zumindest in der Anfangszeit so viel Platz hatten, dass sie sich bei Spielen noch hinlegen konnten – so hat Ex-Publikumsliebling Marco „Toni“ Sailer seine Zeit in Darmstadt zwischen 2013 und 2016 erlebt. Wenn er heute ans Böllenfalltor zurückkomme und die vielen Veränderungen sehe, sei das „schon irgendwie ein komisches Gefühl“.

„Jede Phase hat etwas Positives“, sagt er. „Wir hatten dieses krasse, alte Stadion, in dem man die Tradition noch gespürt hat. Das war ein eigenes, kuscheliges Wohnzimmer.“ Heute sei natürlich alles viel neuer und moderner. „Das ist auch schön, hat sicher seine Vorteile für die Spieler. Aber mir ganz persönlich hat das alte Stadion besser gefallen.“

„Keiner hat großen Wert auf die Bedingungen gelegt“

Dazu habe sicher auch beigetragen, dass der Gesamteindruck seiner Zeit in Darmstadt „einfach mega positiv“ gewesen sei. Man habe mit dem maroden Stadion und den schlechten Trainingsbedingungen den Aufstieg geschafft. „Wenn wir damals in der 3. Liga im Abstiegskampf gestanden hätten, wäre das sicher anders gewesen.“

Das Entscheidende für den Erfolg sei damals die Gemeinschaft gewesen. Natürlich hätten die meisten Spieler von anderen Vereinen eine bessere Infrastruktur gekannt. „Aber letztlich hat keiner von uns großen Wert auf die Bedingungen gelegt“, sagt er rückblickend.

„Für unseren Fußball hat es gereicht“

„Im Nachhinein betrachtet muss man ja auch zugeben, dass wir nicht den schönsten Fußball der Liga gespielt haben“, sagt Sailer weiter. „Wir haben für unsere Verhältnisse einen erfolgreichen und intensiven Fußball gespielt. Dafür haben die Trainingsbedingungen gereicht. Wenn wir über 90 Minuten ein sauberes Kurzpassspiel hätten aufziehen wollen, dann hätten wir das mit den Trainingsbedingungen wohl nicht umsetzen können.“

(Am Rande des Neujahrsempfangs hat der Lilienblog lange mit Toni Sailer geplaudert: Offen und reflektiert plauderte der mittlerweile 34-Jährige über gestern und heute – von seinem Werdegang, dem „Wunder von Bielefeld“, seinem einzigen Bundesliga-Tor, seinem Kult-Bart bis hin zu seinen heutigen Plänen. Nahezu jede Antwort ist eine Geschichte für sich. Mal lustig, mal nachdenklich, meist anrührend und immer sehr ehrlich. Diese Geschichten gibt der Lilienblog in einer Toni-Sailer-Serie wieder.

Teil 1 mit dem Titel „Lampenfieber und Umorientierung“ gibt es hier.
Teil 3 über Sailers besondere Freundschaft zu einem Ex-Mitspieler folgt am Montag)

Bildquellen

  • SGE-D98-0047: Arthur Schönbein

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