Acht Spiele ohne Niederlage, drei Siege hintereinander und Platz sieben in der Tabelle – die Lilien stehen gut da. Und nach den gegenseitigen Lobhudeleien der vergangenen Wochen schien die Vertragsverlängerung mit Trainer Dimitrios Grammozis nur noch Formsache. Pustekuchen.

„Keine irre lange Hängepartie“ hatte Präsident Rüdiger Fritsch Ende Januar beim Neujahrsempfang in der Trainerfrage versprochen. Einen Monat später ist die Hängepartie zumindest mit Grammozis vorbei. Aber wohl nicht so, wie gedacht. Denn das Scheitern der Gespräche kam überraschend, hatten doch Coach, Präsidium und Sportlicher Leiter zuletzt immer wieder demonstrative Zuversicht zur Schau getragen.

Kurz zuckten Beobachter, als Grammozis vergangene Woche bei der Frage nach dem Stand der Vertragsverlängerung erstmals öffentlich Zweifel andeutete. Es war nur ein kleiner, beiläufiger Nebensatz: „Wir haben jetzt Nürnberg im Blick. Alles andere wird sich ergeben – oder nicht.“

Wirtschaftliche Vernunft oder mangelndes Vertrauen?

Also „oder nicht“. Ist die Trennung nötig? Ja, sagen beide Seiten. Der Verein will kein finanzielles Risiko mit einem Vertrag über ein Jahr hinaus eingehen. Schließlich bezahlt man (juristisch völlig korrekt) Ex-Trainer Torsten Frings seit mehr als zwei Jahren fürs Nichtstun.

Skeptischer Blick, Tom Eilers, Rüdiger Fritsch, Carsten Wehlmann

Skeptischer Blick auf Grammozis? Tom Eilers, Rüdiger Fritsch, Carsten Wehlmann (von links)

Grammozis sieht in der kurzen Vertragslaufzeit mangelndes Vertrauen der Verantwortlichen: Wenn man langfristig etwas aufbauen will und dem Trainer nur einen Einjahresvertrag anbietet, dann passt das nicht. Das ist nachvollziehbar.

Kaum ist der Verein nach längerer Zeit mal wieder in ruhigeres Fahrwasser gekommen, fährt er nun also zielsicher in den nächsten Sturm. In Grammozis verliert er einen Trainer, der die Mannschaft verjüngt hat und nach dem zuletzt unansehnlichen Destruktivfußball von Dirk Schuster wieder mehr Wert auf Spielkultur legt.

So beliebt wie sein Vorgänger mit Kult-Faktor war der in Wuppertal geborene Deutsch-Grieche jedoch nie. Und jetzt ist er auch noch ein „Lame Duck“, ein Trainer auf Abruf. Sein voller Fokus gelte nun den verbleibenden Spieltagen, die er mit der Mannschaft so erfolgreich wie möglich absolvieren möchte, verspricht Grammozis. Aber was soll er auch anderes sagen. Die Lilien haben mit der offenen Trainerfrage jetzt auf jeden Fall die nächste Hängepartie – zusätzlich zu dem guten Dutzend auslaufender Spielerverträge.

 

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  • FCN-SVD-2019-20-blog-004: Arthur Schönbein
  • Fahne_Lilien: Pixabay

4 Comments

  • Andreas sagt:

    Gottseidank muss man hier nicht das ganze Gefasel wie auf Transfermarkt oder die unsäglichen Artikel von Geuckler-Palmert lesen. Aber auch hier ist die Tendenz zu sehen, die „Schuld“ beim Verein zu suchen.

    Mal ein Gedankenspiel, in dem nicht der Amateur-Verein, der unfähige Fritsch, der unfähige Wehlmann, sondern der Dimi der Böse ist: Was, wenn er seine Entscheidung so lange rausgezögert hat, bis er was anderes hatte? Dem Verein bis dahin positive Signale gesendet hat? Und Wehlmann wirklich überrascht wurde?

    Wissen wir alle nicht, von daher sind diese Spekulationen komplett müßig. Viel interessanter ist doch: Wer wird neuer Trainer und wann? Ich glaube nicht, dass Dimi noch bis Ende der Runde Trainer sein wird. Sportlich wird der Neue kein schweres Erbe antreten, da die aktuellen Erfolge mit einer guten Portion Glück erzielt wurden.

    • Stephan Köhnlein sagt:

      Vielen Dank für den Kommentar. Tatsächlich sehe ich das Problem eher beim Verein, ohne deswegen gleich den Kopf von Fritsch oder Wehlmann zu fordern. Ein Einjahresvertrag für einen Trainer, der sich trotz mancher Kritik insgesamt bewährt hat und der immer wieder betont hat, dass es ihm um Entwicklung geht, ist einfach kein Vertrauensbeweis. Aber es ist wie im übrigen Leben auch: Manchmal findet man keinen Konsens, und die Wege trennen sich. Das ist kein Drama.
      Die Frage mit dem neuen Trainer finde ich auch hochinteressant. Wird der einen Einjahresvertrag akzeptieren? Und klar: Wenn die Mannschaft jetzt schwächelt, wird die Luft schnell dünn werden für Grammozis und sein Trainerteam. Und sollten die Lilien dann doch noch in Abstiegsgefahr geraten, wird man sich beim Verein vielleicht fragen, ob ein Zweijahresvertrag nicht doch günstiger gewesen wäre als ein Abstieg. Aber soweit kommt es hoffentlich nicht.

      • Andreas sagt:

        Es liegt meiner Meinung nach im ureigensten Interesse der Spieler, bzw. sollte liegen, diese Saison mit guten Leistungen abzuschließen, um sich für eine Vertragsverlängerung zu empfehlen oder sich ins Schaufenster zu stellen.

        Ich finde, die Vertragslaufzeit mit Vertrauen gleichzusetzen grenzwertig. Ab welcher Vertragslaufzeit ist das Vertrauen denn genügend bewiesen? Reichen da zwei Jahre überhaupt?

        Zitat „Aber es ist wie im übrigen Leben auch: Manchmal findet man keinen Konsens, und die Wege trennen sich. Das ist kein Drama.“ Dem stimme ich voll zu. Hoffentlich wird kein Drama daraus gemacht.

        Nun doch noch eine spekulative Anmerkung: Läuft nicht der Vertrag von Hecking in diesem Sommer aus?

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