Händeschütteln, sogar eine Umarmung für ein Geburtstagskind und keine Angst vor dem Coronavirus – auf der Geschäftsstelle des SV Darmstadt 98 lief am Montag alles so gelassen wie sonst. Und auch die Spieler sehen die Situation entspannt.

„Man muss ja nicht jeden umarmen“

„Das muss man hinnehmen und abwarten, dass das vorübergeht“, sagt Tobias Kempe. Veränderungen im Verhalten auf dem Platz wegen des neuartigen Coronavirus sieht der Mittelfeldspieler nicht – auch nicht bei einem möglichen Torjubel. „Man muss ja jetzt nicht jeden Menschen umarmen, den man sieht“, sagt er. „Aber mit meinen Jungs feiere ich ganz normal wie immer auf dem Platz.“

Trainer Dimitrios Grammozis hatte vergangene Woche erklärt, man gebe sich in der Mannschaft die Faust, statt sich abzuklatschen. „Ich weiß nicht, ob das hilft – oder ob das nur für den Kopf ist“, räumte er ein. Bereits nach dem Spiel gegen Bochum hatte er resigniert und auch die Journalisten per Handschlag begrüßt: „Ich habe schon so viele Hände geschüttelt. Jetzt ist es auch egal.“

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat vorgeschlagen, Großveranstaltungen ab 1000 Zuschauer abzusagen. Damit wären auch die Spiele der 2. Fußball-Bundesliga betroffen. Die Lilien stehen mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) und den örtlichen Behörden in Kontakt, wie Geschäftsführer Michael Weilguny sagte. Von dort habe man aber bislang keine entsprechenden Signale erhalten. Die DFL erklärte am Montag: „Sollte es keine anderslautenden Verordnungen der Behörden vor Ort geben, dann werden die Begegnungen des kommenden 26. Spieltags in beiden Ligen ausgetragen.“

Lokale Behörden entscheiden über Absage oder Zuschauerausschluss

Rechtlich gesehen können nur die lokalen Gesundheitsbehörden ein Spiel absagen, wenn eine Gefährdung von Spielern und Zuschauern besteht. Auch ein Zuschauerausschluss kann nur von diesen Behörden angeordnet werden. Grund ist, dass neben dem Schutz vor Infektionen auch Aspekte des gesamten öffentlichen Lebens berücksichtigt werden müssen. Eine Dachorganisation wie die DFL ist nicht berechtigt, ein Spiel abzusagen.

In Darmstadt liegt die Entscheidung in den Händen von Ordnungsdezernent Rafael Reißer (CDU). Der wird bei einem so unpopulären Schritt vermutlich etwas länger überlegen. Vor vier Jahren hatte er vor dem Derby zwischen den Lilien und Eintracht Frankfurt ein Innenstadtverbot für Frankfurt-Fans angeordnet, das jedoch vom Verwaltungsgericht gekippt wurde. Reißer geriet deswegen stark in die Kritik.

Bei der Frage nach der Entschädigung für bereits gekaufte Tickets sind die Vereine erster Ansprechpartner. Das könnte eine ernstzunehmende Belastung für die Clubs werden. Die DFL prüft verschiedene Möglichkeiten, um Vereine bei Einnahmeverlusten wegen Absagen und Zuschauerausschlüssen in Folge des Coronavirus zu helfen.

„Natürlich haben wir volle Stadien lieber als Geisterspiele“, sagt Kempe. „Aber so ist nun mal die Situation.“ Er selbst erinnere sich nicht, ob er als Profi schon mal ein Spiel ohne Zuschauer bestritten habe. „Vielleicht in Dresden“, sagt er grinsend. „Aber nicht wegen eines Virus.“

Bildquellen

  • Fahne_Lilien: Pixabay

One Comment

  • Klaus Walther sagt:

    Ist ok so ein wenig Panikmache und ins Gras beißt auch keiner in unseren Krankenhäusern falls es einem erwischen sollte. 2017/18 sind in der BRD 25ooo Menschen gestorben an der normalen Grippe….

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