Das Sportliche bei der Pressekonferenz vor dem Spiel des SV Darmstadt 98 gegen VfL Bochum ist schnell erzählt: Bis auf den Langzeitverletzten Mathias Wittek stehen Trainer Dimitrios Grammozis voraussichtlich alles Spieler für die Partie am Samstag (Anpfiff 13 Uhr) zur Verfügung. Bochum verfüge über „eine unglaubliche Offensivpower“ und dürfe trotz Rang 15 nicht unterschätzt werden. Und ob Marvin Mehlem wieder in der Startformation steht oder es Änderungen im Vergleich zum Heidenheim-Spiel gibt, ließ der Coach wie immer offen, wenn er nach der Aufstellung gefragt wird.

So ging es denn auch um andere Fragen, wie den Hype um Seung-ho Paik (백승호), das Corona-Virus oder die Schmähungen gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp.

백승호

Nach dem Spiel gegen Heidenheim hatte Seung-ho Paik südkoreanische Fans zu sich nach Hause eingeladen, wie ein südkoreanischer Journalist erzählte. „Hat der so ein großes Haus? Das sind immer so viele“, scherzte Grammozis. „Was hier Woche für Woche los ist, wie viele koreanische Fans kommen, vor allem weibliche, da liegt schon ein Fokus auf dem Jungen.“ Auf den 22-Jährigen sei viel eingeprasselt in den vergangenen Monaten, ein kleiner Hype entstanden. Das habe sich der Spieler mit seiner Leistung verdient. Das werde im Fußball sehr schnell auch mal zu viel. Paik mache das aber sehr gut. Er sei auf der einen Seite höflich gegenüber seinen Fans. Auf der anderen Seite verliere er das Sportliche auch nicht aus den Augen.

Grammozis lobt Paiks Potenzial. „Er ist ein sehr talentierter Spieler. Ich freue mich jeden Tag, mit so einem Spieler zusammenarbeiten zu dürfen.“ Man müsse jungen Spielern aber auch mal die Zeit geben, sich zu entwickeln. Wenn er einen Spieler wie Paik mal zur Pause auswechseln müsse, blute ihm selbst das Herz. „Aber ich denke, das gehört dazu – und der Junge weiß das auch einzuschätzen.“

Seung-ho Paik, SV Darmstadt 98 - FC Heidenheim

Lob vom Trainer für Seung-ho Paik

Ognjen Ozegovic

Man habe bei jeder Verpflichtung eine Phantasie, wie er sich entwickeln könne. „Ich werde aber bestimmt keinen Spieler nach Ablösesumme oder Verpflichtungszeitpunkt aufstellen“, sagte Grammozis über den im Herbst geholten serbischen Angreifer. „Es geht um die reine Leistung.“ Ozegovic sei immer wieder durch Krankheit und Blessuren zurückgeworfen worden. Anders als im Herbst habe man mittlerweile in der Offensive eine große Dichte. „Wir haben jetzt die Qual der Wahl“, sagte Grammozis. „Und wenn wir bei anderen Jungs das Gefühl haben, dass sie der Mannschaft im Moment mehr geben können, bekommen die halt den Vorzug.“

Corona-Virus

Das Thema sei sehr präsent. „Ich wollte vorgestern meiner Mutter bei Aldi Mehl kaufen – und da war auf einmal kein Mehl mehr da“, erzählte Grammozis. Die Menschen hätten Angst und kauften die Regale leer. Natürlich müsse man versuchen, sich zu schützen. So gebe man sich in der Mannschaft die Faust, statt sich abzuklatschen. „Ich weiß nicht, ob das hilft – oder ob das nur für den Kopf ist“, räumte er ein. Es sei wichtig, da eine gute Mischung zu finden. Vereinssprecher Jan Bergholz erklärte, man nehme das Thema mit Blick auf die Zuschauer ernst und verfolge es sehr genau. Der Verein stehe in engem Austausch mit dem Gesundheitsdezernenten Rafael Reißer (CDU). Da man von dort aber nichts gehört habe, werde das Spiel in gewohntem Umfang stattfinden.

Hopp-Schmähungen

Für Grammozis gibt es da keine zwei Meinungen: Solche Dinge hätten nichts in den Stadien zu suchen. Deswegen müsse man drastisch dagegen vorgehen. Es sollte der Sport im Vordergrund stehen. „Nicht, dass irgendwelche Idioten solche Sachen machen, die den Fußball kaputt machen.“ Vereinssprecher Bergholz erklärte, man stehe in engem Austausch mit den eigenen Fans: „Wir gehen davon aus, dass keine Plakate gezeigt werden, die eine Spielunterbrechung zur Folge haben dürften.“ Persönliche Beleidigungen in jeder Form – also auch hinsichtlich sexueller Orientierung, Nationalität, Religion oder Hautfarbe – würden beim SV Darmstadt 98 nicht toleriert. Zugleich bekenne man sich aber zur freien Meinungsäußerung. Das sei ein Gut, das beim SV Darmstadt 98 in der Vergangenheit hoch gehalten wurde und weiter hochgehalten werde, wie auch Präsident Rüdiger Fritsch in einem Interview auf der Vereinshomepage erklärt hatte.

Tickets

Gibt es für Samstag noch ausreichend. Rund 700 Karten wurden nach Bochum verkauft. Für Lilien-Fans gibt es noch überall Sitzplatzkarten. Deswegen werden am Samstag die Tageskassen geöffnet sein, wie der Verein mitteilte.

Bildquellen

  • SVD-FCH-blog-2019-20-026: Arthur Schönbein
  • SVD-FCH-sonstiges-blog-2019-20-005: Arthur Schönbein

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