Über Ostern kochte die Gerüchteküche bei den Lilien mal wieder kräftig hoch: Mehrere Medien berichteten, dass Markus Anfang ein heißer Kandidat für den Trainerposten beim SV Darmstadt 98 sein soll. „Wir sind bei der Short-List“, wird Vereinspräsident Rüdiger Fritsch zitiert. Seit dem Scheitern der Vertragsverhandlungen mit Dimitrios Grammozis fiel der Name Anfang immer wieder. Allerdings gibt es in der Trainerfrage noch eine Menge Fragezeichen – vor allem mit Blick auf die Finanzen.

Für Anfang spricht: 

Der 45 Jahre alte Ex-Bundesliga-Profi (Schalke, Duisburg, Düsseldorf, Kaiserslautern) hat sich als Trainer einen guten Ruf erarbeitet. Von 2013 bis 2016 trainierte er den Nachwuchs von Bayer Leverkusen. Mit Holstein Kiel stieg er 2017 in die Zweite Liga auf und scheiterte dort erst in der Relegation zur Bundesliga. Den 1. FC Köln führte er als Zweitligist ebenfalls an die Tabellenspitze. Kurz vor Saisonende wurde er dort allerdings freigestellt – ausgerechnet nach dem 1:2 zu Hause gegen die Lilien. Anfang ist noch eher jung und gilt als offensivfreudiger Trainer, der eine Mannschaft weiterentwickeln kann. Er ist derzeit ohne Engagement, kennt zudem Carsten Wehlmann gut: Mit dem heutigen Sportlichen Leiter der Lilien arbeitete Anfang in Kiel zwei Jahre lang erfolgreich zusammen.

Gegen Anfang spricht:

Markus Anfang hatte in Köln einen Vertrag bis 2021 unterzeichnet, kurz nach seiner Freistellung im vergangenen Jahr einigte er sich mit dem Verein auf eine Auflösung. Die dazu kursierenden Zahlen belegen, was man auch jetzt aus dem Umfeld der Lilien hört: Der Coach ist für Darmstädter Verhältnisse ziemlich teuer. Die Verlängerung mit Grammozis scheiterte unter anderem, weil der Verein das wirtschaftliche Risiko eines Zweijahresvertrages mit dem Coach nicht eingehen wollte – so zumindest die offizielle Darstellung. Es ist jedoch ziemlich wahrscheinlich, dass das finanzielle Risiko bei Anfang größer ist als bei Grammozis. Dazu stellt sich auch die Frage nach Anfangs Ambitionen. Im Vergleich zum 1. FC Köln wären die Lilien auch mit Blick auf das Potenzial ein Schritt zurück.

Unwägbarkeiten:

Wegen der Corona-Krise sind schon mittelfristige Planungen schwierig. Es ist offen, wann und ob überhaupt die Saison zu Ende gespielt werden kann. Nicht abzusehen ist auch, wie viel Geld den Lilien am Ende tatsächlich fehlen wird. Ebenfalls unklar ist, ob sich das Gehalts- und Preisniveau schnell und deutlich nach unten bewegen wird, so dass eine Verpflichtung Anfangs wirtschaftlich vertretbar werden könnte. Und es ist fraglich, ob sich Anfang gegebenenfalls auf einen Einjahresvertrag einlassen wird. Allerdings hatte man beim Verein nach den gescheiterten Verhandlungen mit Grammozis durchblicken lassen, dass man einem neuen Trainer nicht zwangsläufig einen Einjahresvertrag anbieten werde.

Die Alternativen:

Einen Grammozis, einen Dirk Schuster oder einen Kosta Runjaic hatte zunächst niemand auf dem Radar. Wieso also nicht wieder einen möglichen Hidden Champion, bei dem das finanzielle Risiko überschaubarer ist? Nach Schusters Abgang Anfang 2019 war zum Beispiel der Hoffenheim-II-Trainer Marco Wildersinn (39) ein Kandidat für den Posten bei den Lilien. Oder vielleicht ja doch Ex-Lilien-Spieler Bernhard Trares (derzeit erfolgreich mit Drittligist Waldhof Mannheim), auch wenn der schon 54 Jahre alt ist und Anfang März betont hatte, dass es keinen Kontakt nach Darmstadt gebe.

Bildquellen

  • psychics-1026092_1920: pixabay

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