Braydon Manu klatscht seine Mitspieler ab, Fabi Holland wedelt mit seinem neuen Vertrag in die Kamera und Serdar Dursun filmt mit seinem Handy, wie Tobi Kempe gerade auf Corona getestet wird … Alles nur erfunden? Wahrscheinlich. Aber so genau erfahren wir es leider nicht.

Das Facebook-Video des mittlerweile suspendierten Hertha-BSC-Spielers Salomon Kalou schlug diese Woche hohe Wellen. Empörend, verantwortungslos, überheblich – ein Schlag ins Gesicht all jener, die sich an die strengen Hygiene-Vorschriften halten. Der Vorfall wirft die Frage auf: Ist Kalou nur ein Einzelfall?

Mit dem Okay der Politik zum Restart der Liga hat der Fußball trotz dieses Vorfalls einen Vertrauensvorschuss erhalten. Die Liga stehe „schwer unter Bewährung“, die Öffentlichkeit werde genau hinschauen, sagt der bayerische Ministerpräsident Markus Söder. Aber kann die Öffentlichkeit überhaupt genau hinschauen und hinhören? Kann sie dem Fußball und seinen Protagonisten vertrauen?

Restart mit Maulkorb

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) empfahl den 36 Profivereinen am Sonntag, keine Ergebnisse der Corona-Tests an die Medien zu kommunizieren. Dies wolle der Verband übernehmen. Diese Aufforderung kommt einem Maulkorb für die Vereine gleich.

Grundsätzlich sieht das DFL-Konzept zum Restart vor, dass bei einem positiven Corona-Fall im Teamumfeld keine automatische Meldung an die Medien erfolgen soll. Das ist die Einladung für eine Verschleierung.

Denn inwieweit die Vereine sich in diesem Fall tatsächlich an die Vorschriften und ihre Versprechungen halten, wird damit für Außenstehende nicht mehr nachvollziehbar. Und wenn es um ein paar Millionen Euro geht, sieht man es ja womöglich auch mal nicht ganz so eng, wenn mal ein Teammitglied positiv getestet wird. Wer bekommt das schon mit?

Am Donnerstag trainierten die Lilien erstmals seit Wochen wieder gemeinsam – unter Ausschluss von Öffentlichkeit und Medien. Die vom Verein offiziell verbreiteten Bilder zeigten: Alles sauber und regelkonform. Was auch sonst? Interview-Anfragen zum Thema, wie in der Mannschaft auf Corona getestet wird, werden derzeit abgelehnt. Man wolle das Thema im Moment klein halten, heißt es.

Tatsächlich ist das Thema aber ziemlich groß – und zwar im gesamten Profi-Fußball. Wenn vieles nur hinter verschlossenen Türen abläuft, wenn die Kommunikation noch mehr gefiltert ist als sonst, dann bereitet man damit auch den Boden für Spekulationen und Verschwörungstheorien. Eine Basis für Vertrauen ist das jedenfalls nicht.

 

Bildquellen

  • virus-4937553_1920: Pixabay

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