Freude ja, aber auch Bedauern, Zweifel und eine klare Ansage – Trainer Dimitrios Grammozis sieht den Restart des SV Darmstadt 98 nach der Corona-Pause am Samstag beim Karlsruher SC (13 Uhr) mit gemischten Gefühlen.

Es war ohnehin eine merkwürdige Situation am Donnerstag: Die übliche Pressekonferenz mit Medienvertretern in den Katakomben des Stadions konnte wegen der Corona-Schutzvorschriften nicht stattfinden. Stattdessen hatten die Journalisten bis zum Vorabend Fragen per Mail eingereicht. Am Morgen trug Pressesprecher Jan Bergholz die Fragen dem Trainer vor. Die Antworten wurden dann als Audio-File an die Journalisten verschickt.

Grammozis fordert „unbedingte Gier“

„Wir freuen uns, dass es wieder losgeht“, sagte der Coach in der virtuellen Pressekonferenz. „Ich denke, dass es für alle Beteiligten keine einfache Zeit war, die Herausforderungen mit Corona zu bewältigen. Aber ich finde, dass wir es gut gemacht haben.“ Dass die Spiele ohne Zuschauer ausgetragen werden, bedauert der Trainer jedoch. „Die Stimmung wird uns fehlen“, sagte er. „Das hat uns immer sehr viel Energie gegeben.“ Er hoffe, dass die Mannschaft den Fans am Fernseher trotzdem das Gefühl gebe, dass sie für sie spiele.

Einen Vorteil für die eine oder andere Mannschaft sieht Grammozis in der Corona-Pause nicht. Alle hätten die gleichen Voraussetzungen. „Die Mannschaft, die weniger rumheult, die sich mehr auf das Sportliche konzentriert, wird auch diejenige sein, die erfolgreicher Fußball spielt“, sagte er. Man habe versucht, Geisterspiele zu simulieren, indem man im leeren Stadion Elf gegen Elf gespielt habe. „Die Jungs wissen, worauf sie sich einstellen müssen“, sagte der Coach. Zudem sollten sie sich an ihre Anfänge als Spieler erinnern. „Da haben sie auch nicht vor 50 000 gespielt, sondern vor 20 oder 30.“ Damals habe sie „der unbedingte Wille, die unbedingte Gier“ angetrieben, ein großes Ziel zu erreichen.

„Ein bisschen Mitspracherecht hätte nicht geschadet“

Das Konzept der Deutschen Fußball Liga (DFL) zur Fortsetzung der Saison sieht Grammozis grundsätzlich positiv. Allerdings hätte man die Spieler mehr einbinden können. „Da hätte ein bisschen Mitspracherecht nicht geschadet.“ Er habe allerdings keine Bedenken von Spielern zur Fortsetzung gehört. Über das Thema Auf- und Abstieg bei einem Saisonabbruch wollte er nicht sprechen. „Wichtig ist, dass wir alle Vertrauen haben in die Maßnahmen, die ergriffen wurden, und dass wir versuchen, unseren Teil dazu beizutragen, dass die Saison auch zu Ende gespielt werden kann.“

Dass man die Spieler jetzt allerdings bis zum Saisonende in Quarantäne nimmt, um die Ansteckungsgefahr von außen zu minimieren, hält er nicht für praktikabel. „Sechs oder sieben Wochen lang die Jungs einzusperren – sie können sich ja vorstellen, was da passiert“, sagte er. Es sei schon jetzt schwierig, in einer Zeit den Schalter umzulegen, wenn die Saison normalerweise vorbei ist. Man versuche, die Hygiene-Regeln zu 100 Prozent zu erfüllen. „Aber das ist nicht immer möglich“, sagte er.

Konzentration auf ein gutes Saisonende mit Darmstadt 98

Seine ganze Konzentration liege nun darauf, die Saison gut mit den Lilien zu Ende zu spielen. Über seine eigene Zukunft mache er sich da keine großen Gedanken. „Als ich meine Entscheidung getroffen habe, bei Darmstadt 98 nicht weiterzumachen, habe ich das unabhängig von der Situation im Sommer gemacht“, sagte er. „Ich wusste, dass ich im Sommer vielleicht noch keinen Verein habe. Das habe ich in Kauf genommen. Das sind die normalen Mechanismen im Fußball.“

Bildquellen

  • SVD-FCH-sonstiges-blog-2019-20-005: Arthur Schönbein

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